Konzert

Die Strahlkraft der slowakischen Roma-Musik: Júlia Kozáková in Ettelbrück

Wer erfahren will, auf welch exzellentem Niveau in der Slowakei die Musik der Roma gespielt wird, darf dieses Konzert der preisgekrönten Sängerin aus Bratislava und ihrer Band Manuša am 26. März um 19 Uhr im Ettelbrücker CAPE nicht verpassen.

Tritt am Donnerstag im CAPE in Ettelbrück auf: die Musikerin Júlia Kozáková  (Mitte) und ihr Ensemble

Wie häufig in der Roma-Tradition hat jedes Konzert von Júlia Kozáková und ihrem Ensemble seinen eigenen Charakter, weil nicht vom Blatt gespielt wird Foto: Manusa Jiří Lubojacký

Júliá Kozáková stammt aus der Hauptstadt der Slowakischen Republik und ist in jungen Jahren, obwohl selbst keine gebürtige Romni, durch die Vermittlung einer Verwandten zu einem renommierten Chorensemble gestoßen, das die Roma-Lieder pflegt. Sie hat zwar mittlerweile auch eine Ausbildung als Jazzsängerin erfolgreich absolviert und eine CD in diesem Stil veröffentlicht, aber die Roma-Musik lässt sie nicht los.

Auf Erfolgskurs

Nun ist gerade ihr zweites Roma-Album unter dem Titel „Manuša II“ erschienen. Bereits 2022 hatte sie eine erfolgreiche Platte unter dem Namen „Manuša“, was in Romanes „Menschen“ bedeutet und auch der Name ihrer Band ist, herausgebracht, die mit dem slowakischen Radio Head Award des slowakischen Rundfunks in der Weltmusikkategorie ausgezeichnet wurde. Die neue Veröffentlichung ist – als erstes slowakisches Album überhaupt – im Januar auf Anhieb auf Platz 1 der angesehenen World Music Charts Europe gesprungen und sie ist unter den fünf Nominierten für den Weltmusikpreis der slowakischen Radio Head Awards in diesem Jahr.

Die Musik der Roma ist bekanntlich sehr vielfältig und reicht von Django Reinhardts Gypsy-Jazz über Flamenco bis zur Blasmusik vom Balkan. Auch die ungarische Roma-Musik ist weltweit bekannt, die aus der Slowakei hingegen kaum – zu Unrecht. Die Geschichte der Slowakei ist lang und zu weiten Teilen eine komplizierte, aber dass das Land lange Zeit ein Teil Ungarns und Bratislava von 1536 bis 1783 sogar dessen Hauptstadt war, ist bedeutsam. Dass sich daraus auch kulturelle Ähnlichkeiten ergeben, liegt auf der Hand – und erst recht in Bezug auf die Roma-Musik beider Länder. Trotz dieser Vielfalt sind diese Stile mit einer ausgeprägten Emotionalität im Gesang und einer großen Virtuosität der InstrumentalistInnen miteinander verbunden. In der Slowakei sind MusikerInnen der Roma in den klassischen Orchestern bestens vertreten.

Improvisation gehört zur Roma-Tradition

Júlia Kozáková überzeugt nicht nur mit erstklassigem Gesang, sondern auch mit einer einnehmenden, strahlenden Bühnenpräsenz. Sie ist bestens ausgebildet und musikalisch breit aufgestellt. Sie studierte in London Ethnologie und ist zum Masterstudium am Berklee College of Music im spanischen Valencia eingeschrieben. Ihre zweite Platte, mit World-Jazz, hatte sie 2024 mit dem Ensemble Sole eingespielt und sie ist zudem mit der Gruppe O Gadže Bašaven unterwegs, die die Traditionen der Roma-Musik pflegt, aber aus Gadje, also Nicht-Roma, besteht.

Im Ensemble Manuša hingegen wird sie von fünf Roma-Musikern begleitet. Für den zuverlässig tragenden Rahmen sorgen der Kontrabassist Ján Rigo und der Bratschist Vojtech „Bélu“ Botoš. Dazu kommen drei wahre Virtuosen. Der Primas genannte erste Geiger Viliam Didiáš wurde mehrfach ausgezeichnet und hat zudem auch mit renommierten klassischen MusikerInnen aus der Slowakei auf der Bühne gestanden. Jónás Géza entstammt einer ungarischen Musikerdynastie und ist ein preisgekrönter Virtuose auf dem Cimbalom, dem mit Klöppeln angeschlagenen Hackbrett, das vor allem in Ungarn sehr verbreitet ist. Als dritter Instrumentalsolist wird Zsolt Varady auf der Bühne stehen. Er stammt aus der ungarischen Bevölkerungsgruppe der Slowakei und ist ein hervorragender Gitarrist, der auch mit seiner eigenen Roma-Jazz-Band unterwegs ist und in rasendem Tempo Soli spielen kann, die den Einfluss des legendären belgischen Roma-Gitarristen Django Reinhardts nicht leugnen lassen.

Das Aufregende an einem guten Roma-Livekonzert ist die Improvisation. Júlia Kozáková erklärte, dass die Stücke, die das Ensemble spielt, zwar in den Kernpositionen festgelegt sind, aber sie leben davon, dass der Gesang und die Instrumente viel Freiheit zu eigener Gestaltung haben. Deshalb hat jedes Konzert seinen eigenen Charakter, weil nicht vom Blatt gespielt wird. Zum Inhalt des aktuellen Albums Manuša II sagt Júlia Kozáková, dass es ihr hier um Freude geht. Das wird man im Konzert dieser herausragenden Combo mit Sicherheit spüren. Vor dem Konzert, am gleichen Tag um 18 Uhr, findet ein Workshop statt, in dem die Sängerin eine Einführung in die Vokal-Stile der Roma-Musik in Mitteleuropa und ihre historischen Bezüge anbietet.

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