Geschichte
Die Shoah kam nicht aus dem Nichts – Über die Anfänge und Verbreitung der Judenfeindschaft in Europa
Sie spinnt sich wie ein roter Faden durch die Geschichte Europas: die Judenfeindschaft. Ob nun religiös oder später rassebiologisch begründet, die Jahrhunderte währende Judenfeindschaft ist ein europäisches Problem, das alle Europäer etwas angeht. Anders als bei den Kolonialverbrechen, handelte es sich dabei um die Bekämpfung eines künstlich erzeugten Feindes im Inneren.
Collage antijüdischer Motive aus der Ausstellung „Plume de fiel – Images de haine“, die im neimënster vom 8. Juni bis zum 27. Juli 2022 zu sehen sein wird Bild: ALAVA – TU Berlin
Ist es möglich, die Shoah — also den Massenmord von fast sechs Millionen Jüdinnen und Juden Europas durch NS-Deutschland — zu begreifen, ohne sich mit der langen Geschichte des vor allem religiös begründeten europäischen Anti-Judaismus zu befassen? Empörung über die systematische „Ausrottung“ der Juden während des Zweiten Weltkriegs ist gut, das Gedenken an die Opfer ist wichtig, Gedenkfahrten nach Auschwitz sind pädagogisch sinnvoll, aber kommen wir damit der Antwort auf die Frage näher, wieso dieses Menschheitsverbrechen passieren konnte? Dies ist ein bescheidener Versuch, zu ergründen, was vorher geschah. Vorausschickend sei betont, dass es bei diesem Beitrag nicht darum geht, in irgendeiner Weise die religiösen Gefühle gläubiger Christen zu verletzen.