100-jähriges Jubiläum
Die „Hesper Pompjeeën“ sind ein Teil des Kulturerbes
Im Vergleich zu anderen freiwilligen Feuerwehren, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in anderen Gemeinden gegründet wurden, sind die Hesperinger noch relativ jung. Am Freitagabend feierten die „Hesper Pompjeeën“ ihren 100. Geburtstag mit einer Festsitzung im Centre Joseph Altmann.
Für das Jubiläum wurde ein spezielles Logo entworfen Foto: Editpress/Hervé Montaigu
An seinen allerersten Einsatz kann sich Vincent Jemming, Präsident der „Pompjeeën Gemeng Hesper Asbl“, zwar nicht mehr erinnern, aber einer aus seiner Anfangszeit bleibt ihm besonders in Erinnerung. „Auf dem Alzinger Campingplatz hatte ein Wohnwagen gebrannt, ich sah, wie die verkohlte Leiche herausgenommen wurde. Das Bild bleibt mit bis heute im Gedächtnis.“ Damals habe es für solche Fälle keine so professionelle psychologische Unterstützung wie heute gegeben.
Vincent Jemming, Präsident der „Pompjeeën Gemeng Hesper“ Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Seitdem hat sich viel im nationalen Rettungswesen verändert, vor allem seit der Reform von 2018. Eines jedoch nicht: Die freiwilligen Feuerwehren bleiben ein wichtiger Bestandteil davon. Laut dem Kommandanten des lokalen Einsatzzentrums, Jean Stein, fahren die Hesperinger rund 400 Einsätze im Jahr. Rund um die Uhr garantieren sie zudem einen Bereitschaftsdienst. Sie heißen zwar „Hesper Pompjeeën“, was aber nicht bedeutet, dass sie nur lokal unterwegs sind, auch anderswo im Land helfen sie und fahren zusammen Einsätze mit der hauptstädtischen Berufsfeuerwehr.
Ins Leben gerufen wurde das Korps, das heute 54 aktive Mitglieder zählt, zwar schon 1924, doch erst im Jahr darauf schloss es sich dem damaligen nationalen Verband an, weswegen 1925 als offizielles Geburtsjahr angesehen wird. 1991 erfolgte die Fusion mit den Kollegen aus Itzig.
100 Jahre sind zwar ein stolzes Alter, doch auf eine freiwillige Feuerwehr trifft das nicht unbedingt zu; in anderen Gemeinden war man viel früher dran. Zu der Frage, warum das so war, dazu hat der Präsident des nationalen Feuerwehrverbandes, Marc Mamer, seine Theorie. Es habe einfach keine Notwendigkeit bestanden, sagt er und nennt einige historische Beispiele: Bei einem Brand im Jahr 1877 sei die Betriebsfeuerwehr des Champagner-Produzenten Mercier aus der Hauptstadt angerückt. Und als es am 26. August 1893 in einer Hesperinger Mühle zu einer Staubexplosion kam, seien die „Stater“ im Einsatz gewesen. Falls nötig, kam immer eine Feuerwehr, eine eigene wurde in der Gemeinde schlicht nicht gebraucht. Anders ausgedrückt: Die Hesperinger waren Spätzünder in Sachen lokaler Feuerschutz, obwohl schon 1843 ein Gesetz erlassen wurde, das die Gemeinden dazu verpflichtete, die notwendigen Vorkehrungen zur Verhütung und Bekämpfung von Bränden zu treffen.
Es war die Faszination, ein Feuer zu löschen. Die Kraft einer Wasserspritze zu spüren, das ist schon beeindruckend.
Vincent Jemming
Präsident der „Pompjeeën Gemeng Hesper“
Soziale Komponente ist wichtig
Heute sind die freiwilligen Feuerwehren nicht nur unerlässlicher Bestandteil des Rettungswesens, sie sind auch ein Teil unseres kulturellen Erbes. Vielerorts sind sie es, die die lokalen Feste wie zum Beispiel das „Buergbrennen“ organisieren. Dass das Soziale ein sehr wichtiger Bestandteil der „Pompjees“-Kultur ist, bestätigt Vincent Jemming. Der Zweck der Asbl sei ausdrücklich die Organisation von kulturellen Veranstaltungen und des Vereinslebens. „Wir kümmern uns darum, dass genug Kaffee da ist“, scherzt der 51-Jährige, der seit 1989 Mitglied ist. Als aktives Feuerwehrmitglied ist man automatisch Mitglied der Asbl.
Das Hesperinger Einsatzzentrum Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Als Motivation, sich damals als Kind einem Verein anzuschließen, in dem mehr von einem verlangt wird, als „nur“ zum Training zu gehen, gibt er einerseits die Tätigkeit selbst an. „Es war die Faszination, ein Feuer zu löschen. Die Kraft einer Wasserspritze zu spüren, das ist schon beeindruckend.“ Andererseits habe es auch einen sozialen Grund gegeben. „Die Tatsache, dass Freunde von mir dabei waren, hat mich ebenfalls motiviert, mitzumachen.“
Der soziale Faktor sei ihnen auch deshalb wichtig, weil er unentbehrlich ist, erklärt Jemming weiter. „Wir verbringen viel Zeit miteinander, weil wir einander bei der Arbeit vertrauen müssen, und das geht nur, wenn man sich gut kennt, deshalb wird der soziale Aspekt bei uns extrem hochgehalten.“ Zudem sei es eine sehr integrative Freizeitbeschäftigung: „Bei der Feuerwehr begegnen sich die verschiedensten Menschen, die sonst im Leben nie etwas zusammen unternehmen würden.“
Keine Nachwuchssorgen
Denkt man bei „Pompjeeën“ eher an gestandene Männer, so ist das ein Vorurteil, und trifft weder auf das Geschlecht noch auf das Alter zu. Während viele Vereine in Luxemburg mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, hat die Hesperinger Feuerwehr zumindest diese Sorge nicht: 16 Mitglieder zwischen acht und 16 Jahren zählt die Jugendabteilung. Sie dürfen allerdings noch nicht direkt einen Brand bekämpfen, dafür müssen sie volljährig sein.
Begeistert: der 19-jährige Xavier Klein Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Aber was bringt einen jungen Menschen heute noch dazu, sich bei der freiwilligen Feuerwehr zu engagieren? Der 19-jährige Xavier Klein ist seit 2018 Mitglied. Auch er gibt identische Gründe an. Da seien zum einen die Freunde gewesen, die ihn „mitzogen“. Als kleiner Junge sei er natürlich auch von den kleinen roten Spielzeugfeuerwehrautos begeistert gewesen, mit acht Jahren habe er zum ersten Mal an einer Übung der Jugend teilgenommen. „Ich war vom ersten Moment an begeistert. Ich habe noch Tischtennis gespielt, doch mit der Dauer wurde mir das zu monoton.“ Der Spaßfaktor und die Kameradschaft seien ebenfalls zwei Eigenschaften der Feuerwehr, die ihm sehr wichtig sind. Später zur Berufsfeuerwehr zu wechseln, sei zwar eine Option, doch daran denke er zurzeit noch nicht: zuerst möchte er die Schule beenden. Vorerst soll die Feuerwehr eine Freizeitbeschäftigung bleiben, die vor allem Spaß macht.
Die Hauptmotivation eines jeden Feuerwehrmannes bleibe aber stets, Brände zu löschen, resümiert Vincent Jemming: „Wenn man ein Feuer löscht, sieht man sofort das Resultat seiner Arbeit und dass man der Allgemeinheit direkt geholfen hat. Dafür werden wir ausgebildet.“
Geselligkeit ist den „Pompjeeën“ wichtig: am Freitagabend im Centre Joseph Altmann Foto: Editpress/Hervé Montaigu