Tier des Tages
Der Mauersegler: Ein Leben fast ausschließlich in der Luft
Gemeinsam mit dem „Centre de Soins pour la faune sauvage“ stellt das Tageblatt während der Sommerferien heimische Wildtiere vor und zeigt, wie verletzte oder geschwächte Tiere in der Pflegestation versorgt werden. Heute stellen wir den Mauersegler vor.
Der Mauersegler ist ein klassischer Zugvogel Foto: Fleegestatioun fir wëll Déieren
Der Mauersegler ist ein faszinierender Extremflieger, der fast sein gesamtes Leben in der Luft verbringt und dort schläft, frisst und sich sogar paart. Mit über 42 cm Spannweite ist er deutlich größer als Schwalben, mit denen er jedoch nicht verwandt ist. Erst Ende April kehrt er aus Afrika zurück, um in Luxemburg in großer Höhe an Gebäuden zu brüten. Da er extrem kurze Füße besitzt, kann er kaum laufen und nicht vom Boden abheben; er muss sich zum Starten fallen lassen.
Durch das Insektensterben und den Verlust von Nistplätzen infolge von Gebäuderenovierungen steht der Mauersegler auf der Roten Liste in Luxemburg. Wie dramatisch die Situation im Sommer ist, erleben wir in unserer Wildtierstation hautnah: 2025 wurden 170 Mauersegler aufgenommen. Die kritischste Phase tritt regelmäßig Anfang Juli auf – an Hitzetagen verzeichneten wir bis zu 21 neue Tiere an einem einzigen Tag. Unter aufgeheizten Dächern staut sich die Luft so stark, dass die Jungtiere in Panik springen, noch bevor ihre Flügel vollständig ausgebildet sind. Am Boden sind sie hilflos, da die Eltern sie dort nicht füttern können.
Die Pflege dieser Vögel erfordert enormen Aufwand. In der Natur fressen Mauersegler ausschließlich im Flug, und in Pflege verweigern ältere Jungtiere häufig die Nahrung, sodass sie einzeln von Hand gefüttert werden müssen. Unsere Arbeit ist jedoch sehr erfolgreich: 106 Tiere konnten im letzten Jahr wieder ausgewildert werden. Dies muss rechtzeitig erfolgen, damit sie den Anschluss an ihre Artgenossen nicht verlieren, wenn diese Anfang Herbst mit bis zu 100 km/h in ihre afrikanischen Winterquartiere aufbrechen.
In der Pflegestation werden verletzte oder geschwächte Mauersegler behandelt, bis sie wieder ausgewildert werden können Foto: Fleegestatioun fir wëll Déieren