Tier des Tages
Der Igel: Ein wichtiger Indikator für den Zustand unserer Kulturlandschaft
Gemeinsam mit dem „Centre de soins pour la faune sauvage“ stellt das Tageblatt während der Sommerferien heimische Wildtiere vor und zeigt, wie verletzte oder geschwächte Tiere in der Pflegestation versorgt werden.
Foto: Centre de soins pour la faune sauvage
Der Igel ist ein vertrauter Besucher unserer Gärten, den wir vor allem in den Dämmerungsstunden beobachten können. Wir alle kennen seine Vorlieben: ungestörte Laub- und Reisighaufen für den Winterschlaf sowie Würmer, Maden und Käfer auf dem Speiseplan. Charakteristisch ist auch seine Verteidigungsstrategie, sich bei Bedrohung zu einer stachligen Kugel einzurollen. Für akkurat aufgeräumte Gärten mit kurzgehaltenem Rasen und lückenlosen Zäunen hat das sympathische Säugetier hingegen wenig übrig.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Bilanz der Wildtierstation in Düdelingen wider. Dort ist der Igel das am häufigsten eingelieferte Säugetier: Allein im Jahr 2025 wurden 271 Pfleglinge abgegeben. Besorgniserregend ist dabei vor allem der Zustand der Tiere. Die Verletzungen durch engmaschige Zäune, den Straßenverkehr und moderne Mähroboter nehmen zu. Noch drastischer zeigen sich die Umweltprobleme jedoch in schweren Erkrankungen und extremem Parasitenbefall, ausgelöst durch chronische Unterernährung und ein geschwächtes Immunsystem.
Der starke Rückgang der Igelpopulation ist kein lokales Phänomen, sondern in großen Teilen seines europäischen Verbreitungsgebietes zu beobachten. Die Situation ist so ernst, dass die Weltnaturschutzunion IUCN den Braunbrustigel Ende Oktober 2024 offiziell auf den Status „potenziell gefährdet“ (Near Threatened) hochgestuft hat.
Praktische Tipps, wie man Igeln im eigenen Garten helfen kann, gibt es viele. Doch eigentlich geht es um eine weitaus tiefere Problematik: Es geht um unseren generellen Umgang mit der Natur und die Frage, wie viel Raum wir der Wildnis noch zugestehen. Ein dringender Grund zum Nachdenken …