Luxembourg City Film Festival
Das sagen Jugendliche zu „Mein Vater und Gaddafi“ und „The Wolf, the Fox and the Leopard“
Das Luxembourg City Film Festival (LCFF) läuft, das Tageblatt übergibt an junge Filmfans: Was halten sie vom Festivalprogramm? In den kommenden Tagen knüpft sich eine Schulklasse aus dem Lycée Robert Schuman ausgewählte Filme vor. Yang-Ye Alex Wei und Rachel Gaffiné machen den Anfang.
Perspektivwechsel: Das Tageblatt gibt jungen Filmfans beim LCFF die Chance, einen Streifen ihrer Wahl zu besprechen Foto: Pexles/Tima Miroshnichenko
Mein Vater und Gaddafi
Der Dokumentarfilm „Mein Vater und Gaddafi“ von Jihan K. erzählt auf persönliche und zugleich politische Weise die Geschichte eines verschwundenen Vaters. Im Mittelpunkt steht die Suche der Regisseurin nach ihrem Vater, Mansur Rashid Kikhia, der während einer Geschäftsreise als Abgeordneter der Arabischen Organisation für Menschenrechte in Ägypten unter ungeklärten Umständen verschwand. Der Film verbindet dabei eine Familiengeschichte mit den politischen Spannungen in Libyen während der Herrschaft von Muammar Gaddafi.
Zwischen Privatleben und Politik
Der Vater der Regisseurin war politisch aktiv und arbeitete als Vertreter Libyens bei den Vereinten Nationen im Jahr 1972-1973. Durch seine politische Tätigkeit geriet er immer stärker unter Druck des Regimes, weshalb er mehrere Male versetzt wurde und in Schwierigkeiten geriet. Später in der Geschichte schloss er sich der Oppositionspartei an, was ihn zu einer Zielscheibe machte – trotz seiner Beziehungen zu Gaddafi. Im Film spielt die Mutter der Regisseurin, Baha, eine der wichtigsten Rollen: Sie war an der Suche nach ihrem Mann beteiligt, bis zum Fund seiner Leiche. Sie war überzeugt von ihrem Mann, und das konnte man sehen in den unzähligen Interviews und Shows, in denen sie ausgesagt hat.
Über Alex
Mein Name ist Alex, ich bin 16 Jahre alt und gehe auf das Lycée Robert Schuman in Luxemburg. Ich interessiere mich für Psychologie und Literatur. Am liebsten schaue ich Dokumentarfilme und Thriller oder Verfilmungen von Büchern.
Jihan K. begibt sich in ihrer Doku auf eine Spurensuche nach der Wahrheit. Dabei verbindet sie persönliche Erinnerungen mit historischen Aufnahmen und Gesprächen über die politische Situation in Libyen. Der Film zeigt nicht nur die Geschichte einer Familie, sondern auch die Atmosphäre von Angst und Kontrolle, die während der Zeit von Gaddafis Regime im Land herrschte. Gleichzeitig wird deutlich, wie stark die politischen Konflikte in Libyen mit internationalen Spannungen und dem Druck aus dem Westen verbunden waren.

Ausschnitt aus „My Father and Gaddafi“ Foto: Desert Power, MAD Distribution
Ein besonderer Schwerpunkt des Films liegt auf den Auswirkungen der politischen Ereignisse auf das Leben der Menschen. Die Regisseurin zeigt, wie sehr das Verschwinden ihres Vaters ihre Familie geprägt hat und wie schwierig es ist, mit dieser Ungewissheit zu leben. Im Film konnte man diese Szenen noch authentischer und deutlicher sehen, da jedes Filmmaterial der Familie nach dem Verschwinden selbst auf einer Kamera aufgenommen wurde. Dadurch erhält der Film eine sehr persönliche Perspektive, die über eine reine politische Analyse hinausgeht.
Durch seine ruhige, dokumentarische Erzählweise vermittelt „Mein Vater und Gaddafi“ ein eindrucksvolles Bild von Erinnerung, Verlust und politischer Geschichte. Der Film macht deutlich, wie viele Auswirkungen politische Instabilität auf die Bevölkerung haben kann, aber zeigt auch die Auswirkungen einer Diktatur.
„The Wolf, the Fox and the Leopard“: Das Wolfsmädchen mitten in der Gesellschaft
Der Film „The Wolf, the Fox and the Leopard“ von David Verbeek ist eine dystopische Geschichte, welche zeigen soll, was es bedeutet, Mensch zu sein. Die einzelnen Szenen wurden zwischen 2023 und 2025 in fünf verschiedenen Ländern gefilmt, unter anderem in Luxemburg.
Der Film dreht sich um ein jugendliches Mädchen, welches im Wald mit Wölfen aufgewachsen ist. Zu Beginn sieht man allerdings einen normalen Jungen, der mit seiner Freundin einen Ausflug in die Berge machen will, jedoch geraten die beiden in einen heftigen Streit, sodass sich der Junge schlussendlich alleine im Wald befindet. Dort wird er von einem Rudel hungriger Wölfe angegriffen und getötet.
Das Wolfsmädchen
Dieser Moment stellt die erste Begegnung des Wolfsmädchens, das sich in besagtem Rudel befindet, mit der Gesellschaft dar. Später wird sie von Menschen im Wald gefunden und in ein Labor gebracht, in dem Wissenschaftler ihr Verhalten beobachten und analysieren. Nachdem sie von zwei Personen, verkleidet als Fuchs und Leopard, aus dem Labor entführt wird, verbringt sie die nächsten zwei Jahre mit ihnen in einer Familiendynamik auf einer verlassenen Ölplattform im Meer und wird von ihnen „One“ genannt. Dort lernt sie Englisch sowie die Grundregeln des Menschseins.

Die Luxemburger Schauspielerin Marie Jung (l.) neben dem „Wolfsmädchen“ Jessica Reynolds und Nicholas Pinnock (r.) Foto: Deal Productions, Tarantula
Ihre „Eltern“ glauben, dass die Gesellschaft außerhalb der Plattform eine schlechte und manipulative Welt sei und dass sie One davor beschützen müssen. Eines Tages findet One im Keller der Plattform einen in einer Zelle eingesperrten Mann, welcher von Ones Entführern festgehalten wird, da er von außen, aus der Gesellschaft, kommt und somit laut ihnen gefährlich ist. Der Gefangene und One kommen sich schnell näher und versuchen, gemeinsam von der Ölplattform zu entkommen. Nachdem ihre Flucht gelungen ist, versucht One, jetzt Alice genannt, in der normalen Gesellschaft zurechtzukommen, jedoch kommen ihre Wolfsinstinkte immer wieder zum Vorschein.
Über Rachel
Mein Name ist Rachel Gaffiné, ich bin 16 Jahre alt und besuche die Klasse 3A-LLCO am Lycée Robert Schuman. Ich schaue mir mittlerweile fast gar keine Filme mehr an, weshalb die meisten Filme, die ich kenne und mag, Kinderfilme sind, die ich mir als Kind angeschaut habe. Am meisten mag ich Disneyfilme wie „Dornröschen“, der schon immer mein Lieblings-Disneyfilm war. Von nicht animierten Filmen mag ich den dritten Teil der Harry-Potter-Reihe am meisten. Ich habe mir den Film „The Wolf, the Fox and the Leopard“ ausgesucht. Ich habe mich schon immer gefragt, ob es möglich ist, dass Menschen von Tieren großgezogen werden, und dieser Film handelt genau von einem solchen Szenario. Also habe ich mich direkt für diesen Film entschieden, als ich die Beschreibung gelesen habe.
Der Film stellt sehr realistisch dar, wie es für das Wolfsmädchen ist, sich in eine ganz andere Gesellschaft als die, in der sie aufgewachsen ist, zu integrieren. Man sieht, dass sie oft noch mit sich selbst kämpft, um nicht in ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen und sich nicht so zu benehmen wie ein Wolf, sondern wie ein Mensch. Der Film zeigt des Weiteren gleich zu Beginn, dass nicht jeder derjenige ist, für den man ihn hält.
Toxische Beziehungen
Die ersten paar Minuten ließen die Zuschauer denken, dass der Junge der Protagonist sei oder eine wichtige Rolle im Film spielen würde, jedoch starb dieser ziemlich schnell und wurde auch später nicht wieder erwähnt. Des Weiteren verdeutlicht der Film toxische Beziehungen zwischen den Figuren. Die „Eltern“ benutzen das Wolfsmädchen für ihre eigenen Zwecke und Überzeugungen und lassen es nicht seine eigenen Entscheidungen treffen. Dieses Element des Films soll verdeutlichen, dass Menschen andere Personen benutzen, ohne es zu realisieren, und manchmal keine schlechten Absichten hegen. So haben die „Eltern“ sich also ihre eigene kleine Welt auf der Plattform aufgebaut, um ihre „Familie“ vor der Gesellschaft zu schützen, und dabei unbeabsichtigt One zu einer Gefangenen gemacht.
Ich finde den Film informativ und realistisch dargestellt, da man als Zuschauer gut nachvollziehen konnte, wie sich Alice gefühlt hat und wie sie versucht hat, sich in ihre unterschiedlichen Umgebungen einzufügen. Der Film ist definitiv sehenswert, wenn man sich für diese Themen interessiert und die Fähigkeit hat, sich in andere Personen hineinzuversetzen, ansonsten könnte er langatmig wirken.