Esch 2022
Das Vertrauen in die Europäische Kulturhauptstadt schwindet weiter
In einem offenen Brief hatten Claude Frisoni und Raymond Reuter vergangene Woche den Ton und die Kommunikation von Esch 2022 missbilligt. Die beiden Künstler sind mit ihrer Kritik nicht allein. Das eh schon lädierte Vertrauen in die Europäische Kulturhauptstadt hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wegen des engen Zeitplans und Mängeln in der Organisation ziehen immer mehr Träger ihre Projekte zurück. Durch die im Zuge der Corona-Krise verhängten Einschränkungen gerät die Kulturhauptstadt weiter in Verzug.
Die Freude war groß im November 2017, als Esch und die Südregion im dritten Anlauf endlich den Zuschlag der EU-Kommission bekamen, um sich 2022 ein ganzes Jahr lang Europäische Kulturhauptstadt nennen zu dürfen. Eine „Chance“ für den strukturschwachen Süden sollte es sein. Die kulturelle Aufarbeitung ihrer proletarisch geprägten Kultur mit ihrem besonderen Menschenschlag sollte der Minettemetropole und der Region zu einem zweiten Frühling verhelfen. Die Welt sollte erfahren, dass Luxemburg mehr zu bieten hat als Steuerschlupflöcher für internationale Großkonzerne.