Um- und Ausbau einer geschichtsträchtigen Villa in Diekirch

Das Stadtarchiv nimmt langsam Form an

Vor rund 16 Jahren sprach man in Diekirch von einem Projekt, das aber nie umgesetzt wurde. Die Rede geht von der Villa Conter an der Alexis-Heck-Straße, die als geeigneter Standort für ein Archiv angesehen wurde. Man sprach sogar von einem „Nordstad-Archiv“. Seit dem vergangenen Jahr wird das geschichtsträchtige Gebäude nun um- und ausgebaut und soll später das Diekircher Stadtarchiv sowie eine Bibliothek beherbergen.

Visualisierung des zukünftigen Stadtarchivs mit modernem Architekturdesign und grünen Außenanlagen

So soll das Stadtarchiv später einmal aussehen

Er wolle nicht auf die Gründe eingehen, warum das Projekt „Nordstad-Archiv“ damals gescheitert ist, so Kulturschöffe Paul Bonert vor zwei Jahren gegenüber dem Tageblatt. Er gab uns damals einen Einblick in die neuen Pläne eines Stadtarchivs für die Gemeinde Diekirch und tauchte mit uns in die doch sehr bewegte Geschichte der Villa Conter ein.

Kurz zusammengefasst: Alexis Heck ließ Ende des 19. Jahrhunderts neben seinem „Grand Hôtel des Ardennes“ seine Privaträume errichten. Später wurde die Villa Heck in Villa Conter umgetauft und erhielt in den Jahren 1940-1945 einen traurigen und dunklen Ruf. Die Villa Conter wurde das Gegenstück zur hauptstädtischen Villa Pauly und der Escher Villa Seligmann. Die Gestapo (Geheime Staatspolizei) hatte diese drei Villen übernommen, um dort Hauptquartiere einzurichten.

Ab 1948 lebte die Familie Mambourg-Zeyen in der Villa Conter und Dr. Albert Mambourg senior praktizierte dort bis zu seinem Tod am 15. Juli 1952 als Allgemeinmediziner (nachzulesen auf der Internetseite svq-diekrch.lu).

Das über viele Jahre leer stehende Haus wurde 2018 auf der Grundlage einer 2011 von der Stadt Diekirch erstellten Akte in das zusätzliche Inventar der Gebäude und Objekte aufgenommen, die unter nationalem Schutz stehen. Die Gemeinde Diekirch sollte die Villa erstehen, doch der Gemeinderat verabschiedete damals den betreffenden Kaufvertrag nicht. So gelangte das Objekt in die Hände einer Privatperson, die jedoch zwei Jahre später verstarb. Damit stand die Villa erneut zum Verkauf und ging diesmal in den Gemeindebesitz über. Die Idee, dort das Stadtarchiv einzurichten, blühte wieder auf.

Villa Conter an der rue Alexis Heck in Diekirch, historische Architektur und idyllische Straßenszene

Die Villa Conter an der rue Alexis Heck in Diekirch Foto: Roger Infalt

Arbeiten schreiten gut voran

Die Pläne von Max von Roesgen vom Architektenbüro Planetplus zum Umbau der bestehenden Villa sowie zur Errichtung eines umfangreichen Anbaus – in dem u.a. mehrere Leseräume, Konferenzräume, Büros, eine Bibliothek, ein Lager für die Aufbewahrung von Büchern, ein Quarantäneraum sowie ein rund 90 Quadratmeter großer unterirdischer Archivraum Platz finden – erhielten 2023/2024 grünes Licht vom Gemeinderat sowie von den zuständigen Ministerien.

Die Um- und Ausbauarbeiten, die voraussichtlich mit 7,5 Millionen Euro zu Buche schlagen, begannen vor rund einem Jahr. Zuerst musste die bestehende Bausubstanz der Villa abgesichert werden, bevor man unter dem Gebäude mit dem Errichten des erwähnten 90 Quadratmeter großen Archivraums beginnen konnte. „Das war ein sehr komplexes Unterfangen, doch diese Arbeiten konnten planmäßig über die Bühne gehen“, so Schöffe Paul Bonert am Dienstag.

Was den Zeitplan insgesamt anbelangt, sei man aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen der letzten Wochen aber leicht in Verzug geraten. Inzwischen konnte jedoch der geplante Anbau an der Rückseite der Villa in Angriff genommen werden.

Anbau und Unterbau an Villa mit Leseräumen, Büros, Bibliothek, Lager, Quarantäneraum und 90 m² großem Archivraum unterirdisch

Der Anbau an der Rückseite der Villa sowie ein Unterbau ermöglichen, dass das Projekt später u.a. über mehrere Leseräume, Konferenzräume, Büros, eine Bibliothek, ein Lager für die Aufbewahrung von Büchern, einen Quarantäneraum sowie einen rund 90 Quadratmeter großen unterirdischen Archivraum verfügt Foto: Roger Infalt

Aus dem feuchten Keller ins Archiv

Nach der Fertigstellung verfügt die Gemeinde Diekirch endlich über ein der Bezeichnung gerecht werdendes Archiv. Über Jahrzehnte diente in dieser Gemeinde – wie in vielen anderen auch – ein Kellerraum zum Ablegen von zu archivierenden Dokumenten, Büchern, Briefen, Ausdrücken von E-Mails, Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden, von Prospekten und vielem mehr.

Als mit Michel Pauly am 1. Juli 2022 endlich ein Archivar seine Arbeit im Diekircher Rathaus aufnehmen konnte, war die Situation, laut seinen Aussagen, katastrophal. Zwischen feuchten Kellermauern stapelten sich unzählige Pappkartons, deren genauen Inhalt niemand so recht kannte. Es begann eine wahre Sisyphusarbeit. „Es war und ist auch heute noch viel Fingerspitzengefühl gefragt, wenn man über Jahre hinweg hoher Feuchtigkeit, ja sogar dem Hochwasser der benachbarten Sauer ausgesetzte Dokumente berührt“, so der Archivar bei unserer Besichtigung der „Archivräume“ der Gemeinde vor zwei Jahren.

Um schlussendlich mehr Übersicht über das zu bekommen, was sich an Schätzen in den Pappkartons versteckte, wurden sage und schreibe 1.250 spezielle Aufbewahrungsboxen angeschafft, die heute auf dafür vorgesehenen Regalen in einem Raum der „Maison d’orientation“ unweit des Rathauses einen provisorischen Platz gefunden haben. In 230 dieser Boxen sind Bücher verstaut, in den restlichen werden pro Box bis zu tausend verschiedene Dokumente und Unterlagen aufbewahrt.

„Die verschimmelten Unterlagen müssen aber zuerst in einen Quarantäneraum und anschließend zu einem Papier-Restaurator. Das ist kein billiges Unterfangen“, so Kulturschöffe Paul Bonert. Im Gemeindebudget sind dafür pro Jahr 250.000 Euro vorgesehen.

Zum genauen Datum, wann das langersehnte Stadtarchiv inklusive Bibliothek einzugsbereit sein wird, möchte sich heute niemand festlegen. „Man kann lediglich wiederholen, dass die Arbeiten gut vorangehen. Man sollte aber bedenken, dass es bei Bauarbeiten, bei denen ältere Bausubstanz in Verbindung mit Neubauten gebracht wird, immer wieder zu Überraschungen und Verspätungen kommen kann.“

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren