Deutscher Buchpreis
Das Leben ohne Bedienungsanleitung: „Streulicht“ von Deniz Ohde
„Du bist Deutsche“: In Deniz Ohdes Debutroman kehrt die Erzählerin zurück in den von Industrieschnee bedeckten Ort, in dem sie aufgewachsen ist, und erinnert sich an eine Kindheit und Jugend zwischen Fremdenfeindlichkeit und Arbeiterklasse. „Streulicht“ erzählt in naturalistischem Stil von Ausgrenzung, Gewalt und Klassenunterschied.
Die Autorin Deniz Ohde Foto: Heike Steinweg/Suhrkamp-Verlag
„Du fühlst dich aber gut integriert, oder?“, meint eine Lehrerin, als die Erzählerin im Oberstufengymnasium einen Aufsatz zum Thema Identität schreiben soll und ihr erzählt, dass ihre Mutter Türkin ist. Mit „Du musst doch bestimmt sowieso viel zu Hause helfen“ legitimiert eine andere Lehrerin, dass Abendschulabsolventin Cansu trotz guter Noten nur auf die Hauptschule geschickt wird – dann muss sie auch „nicht so lange Bus fahren“. „Wie kann es sein?“, wundert sich eine weitere Lehrerin, weil die Erzählerin so gut in Englisch ist. Als sie später an der Uni studiert, denkt ein Dozent, sie würde zu den Erasmus-Studenten gehören, und bezeichnet sie und eine tatsächliche Auslandssemester-Studentin als „Freunde aus dem Ausland“.