Hundert Jahre klangvoller Leidenschaft

Das Conservatoire feiert Auftakt des Jubiläumsjahres – Arbeiten an Annexe schreiten voran

2026 ist ein Jubiläumsjahr: Das Escher Conservatoire feiert sein 100-jähriges Bestehen. Wenn die kommenden Monate halten, was der Auftakt am Samstag versprochen hat, dürfen sich Kulturfreunde auf ein buntes Programm freuen.

Conservatoire Esch Gebäude von 1993 mit Schülern beim Musizieren, wichtiges Kulturzentrum in Esch seit über 25 Jahren

Seit 1993 ist das Konservatorium ein Aushängeschild der Stadt Esch, rund 1.300 Schüler besuchen die Kurse Foto: Editpress-Archiv

Keine 100 Minuten dauerte die Reise und doch konnte man tief in 100 Jahre Geschichte des Escher Conservatoire eintauchen. Sie gingen ins Ohr, blieben im Kopf. Am Samstag startete das Jubiläumsjahr. Gegründet 1926 als Musikschule, zeigt das Konservatorium heute die Erfahrung eines Hundertjährigen, die Neugier eines Kindes und die Energie eines 18-Jährigen.

Schauspieler und Dozent Raoul Migliosi führte durch das abwechslungsreiche Programm. Musik, Tanz und Bühnenkunst kamen nicht zu kurz. Und wie es bei einer Jubiläumssitzung üblich ist, gehörten auch offizielle Reden dazu.

Ausbau läuft

Vizedirektor Claude Schlim begrüßte die Gäste, auffallend wenige Schüler mit ihren Eltern. „Eine Etappe haben wir geschafft. Nun öffnen wir die Tür für die nächsten 100 Jahre.“ Bürgermeister Christian Weis erinnerte daran, dass das Gebäude, einst das Arbed-Casino, 1985 fast abgerissen worden wäre. „Ein Reifenlager sollte hier entstehen. Zum Glück wurde politisch dagegen entschieden“, so Weis. Heute beherbergt es einen der wichtigsten Kulturakteure der Stadt. Um Platz für die Zukunft zu schaffen, kaufte die Gemeinde das ehemalige Luxcontrol-Gebäude direkt gegenüber, in dem künftig Teile des Conservatoire unterkommen. „Es geht voran“, fügte Weis hinzu.

Kulturschöffe Pim Knaff betonte die Bedeutung des Kulturhauses für Esch und die gesamte Region. „In Zeiten wie diese sind Musik und Kultur wichtige Zeichen der Menschlichkeit.“ Dem schloss sich Kulturminister Eric Thill an und betonte, wie sehr es ihn freue, dass sich ob der Schülerzahlen zeige, dass das Interesse an Musik wachse.

Mehr Eigenkompositionen

„Die Industrie hat die Stadt gebaut, aber die Musik hat ihr die Seele gegeben“, sagte Raoul Migliosi. Viele Lehrkräfte hätten im Ausland studiert, in Belgien, Frankreich oder Deutschland, und brächten nun ihrer Erfahrungen ein. Er wies auch darauf hin, dass die Stadt ein Budget bewilligt habe, damit künftig luxemburgische Autoren und Komponisten regelmäßig neue Werke fürs Conservatoire schaffen.

Mit dem Studienjahr 2024/25 wurde moderner Gesang offiziell als Fach integriert. Migliosi erklärte: „Schüler, die mit Pop, Musical oder Singer-Songwriter-Musik aufgewachsen sind, finden nun einen professionellen Rahmen, um ihre Stimme zu entwickeln, mit derselben Ernsthaftigkeit wie bei Oper oder klassischem Gesang. Das ist kein Zugeständnis an einen Geschmack, sondern eine konsequente Umsetzung der Idee, dass das Konservatorium für die ganze Stadt da ist. Ein Ziel des Jubiläums ist es ja gerade, Türen zu öffnen und auf die Menschen zuzugehen.“

Charlie Theis singt live auf der Bühne mit Mikrofon in der Hand, energiegeladenes Konzertfoto

Sängerin Charlie Theis Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Kein Wort über Jean Halsdorf

Mit seinem Jubiläum lädt das Konservatorium nicht nur zu einem Blick auf seine historische Bedeutung ein, sondern macht zugleich deutlich, wie lebendig, zukunftsgerichtet und vor allem wie wichtig kulturelle Bildung im 21. Jahrhundert sein kann, ja, sein muss.

Die Organisatoren des Auftakts zeigten jedenfalls ein glückliches Händchen. Erwähnt werden sollte allerdings auch, dass die seit Juli 2025 geltende Suspendierung von Direktor Jean Halsdorf am Samstag mit keinem Wort zur Sprache kam. Vielleicht, so meinte ein Journalistenkollege, habe man sich die Feier nicht verderben wollen. Was Halsdorf, der am Samstag nicht anwesend war (angeblich hat er Hausverbot), offiziell vorgeworfen wird, ist bislang nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Gäste kämpfen begeistert am kalten Buffet nach dem offiziellen Teil eines Events

Nach dem offiziellen Teil: die heiße Schlacht am kalten Buffet Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Das sagte ...

Vizedirektor Claude Schlim: „Heute Abend öffnen wir die Tür für die nächsten 100 Jahre.“

Eschs Bürgermeister Christian Weis: „Als das Arbed-Casino 1985 geschlossen wurde, sollte hier ein Reifenlager entstehen. Heute beherbergt das Gebäude einen der bedeutendsten Kulturakteure der Stadt.“

Kulturschöffe Pim Knaff: „In den Zeiten, in denen wir heute leben, sind Musik und Kultur wichtige Zeichen der Menschlichkeit.“

Kulturminister Eric Thill: „Ich bin froh über den Zugang zu Kultur, der hier weit über die Gemeinde hinaus Wirkung entfaltet. Und darüber, dass das Interesse der Schüler an Musik wächst.“

Raoul Migliosi spricht als Moderator und Schauspieler bei einer Veranstaltung vor Publikum

Moderator, Schauspieler und Dozent Raoul Migliosi Foto: Editpress/Hervé Montaigu

100 Jahre in Kürze

Gegründet 1926 als städtische Musikschule, ist das „Conservatoire de musique de la ville d’Esch‑sur‑Alzette“ heute eine zentrale Ausbildungsstätte für Musik, Tanz und Bühnenkunst in Luxemburg. Seine Wurzeln reichen zurück bis 1917, doch erst mit der städtischen Übernahme entstand die formale Institution. Schon früh füllten regelmäßige Konzerte die Säle und bereicherten das lokale Musikleben.

In den 1960er‑Jahren kamen Kammermusik, Ensemblekurse und die Ausbildung in Bühnenkunst hinzu, dazu zählen Schauspiel, Musical, Tanz sowie Diktion und „Art dramatique“, die den Schülern Ausdruckskraft und Bühnenpräsenz vermitteln. 1969 wurde die Musikschule offiziell zum „Conservatoire de musique“. Einen besonderen Meilenstein setzte 1993 der Umzug in das ehemalige Arbed-Casino. Das große Auditorium, die imposante Orgel und die hervorragende Akustik machen den Saal zum klangvollen Herz des Hauses.

Heute belegen rund 1.300 Schüler das breite Kursangebot. Die jährlichen „Concerts du Conservatoire“ bringen renommierte Künstler und Ensembles auf die Bühne und öffnen das Haus weit über die Stadtgrenzen hinaus. 2026 feiert das Konservatorium sein 100-jähriges Bestehen.

Arbed-Casino 1985 mit verlassenem Gebäude, geplantes Reifenlager auf dem Industriegelände in Luxemburg

Das Arbed-Casino: Als die Arbed es 1985 verließ, sollte ein Reifenlager dort entstehen Foto: Archiv/Conservatoire Esch

Centenaire 2026 – Music & More

Januar-Mai: Workshops in Musik, Tanz & Theater zur Vorbereitung des Stückes „Breaching…Feeling the Stage“.
17. Januar: „Kaffi a Kuch“ der Ehemaligen im Konservatorium.
12.-14. Juni: Mitwirkung bei den Francofolies.
24. Oktober: Historischer Abschlussball „Esch by Night“
28. und 29. November: Premiere „Breaching…Feeling the Stage“, Escher Theater.
12. Dezember: Centenaire-Abschluss: „Nacht der Kultur“ und Ausstellung „100 Momente des Konservatoriums“

Infos: conservatoire.esch.lu/concerts

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