Diekirch

„Culinaris“: Vom iberischen Schwein bis zum ungarischen Gulasch

Bei herrlichem Spätsommerwetter lud Diekirch am Samstag zur ersten „Culinaris“-Ausgabe ein. Wie es der Name bereits verrät, drehte sich das „Culinary Street Festival“ ganz um das Thema Gastronomie. Wir haben uns unter das Volk gemischt und uns mit lokalen Restaurant- und Café-Betreibern unterhalten.

Bei herrlichem Spätsommerwetter kannte die erste Ausgabe dieses kulinarischen Festivals einen großen Besuchererfolg

Bei herrlichem Spätsommerwetter kannte die erste Ausgabe dieses kulinarischen Festivals einen großen Besuchererfolg Foto: Roger Infalt

Gleich zu Beginn des Festivals am Samstagvormittag konnten viele Besucher ihre Geschmacksnerven testen, denn der bestbekannte Barmann Clément Elie wartete mit einer Cocktail-Show auf, noch bevor die offizielle Eröffnung mit Aperitif und Musikdarbietungen stattfand.

Den ganzen Tag über konnte man in fast allen Restaurants auf eine gastronomische Reise gehen und die verschiedensten Spezialitäten kosten, so zum Beispiel iberische Schweinebällchen in Senfsoße, Kürbis-Cappuccino mit Kartoffelpuffer, ungarische Gulaschsuppe, „Feierstengszalot“ oder dänisches Smörrebröd. Wer beim Kochen und Anrichten von Speisen live dabei sein wollte, der kam auf dem „Bottermaart“ auf seine Kosten. Dort zeigten die Luxemburger Köche Joey Becker, Ben Weber, Jan Schneidewind, Alicija Coelho und Gilbert Welter im Rahmen von Kochshows ihr Können.

Wer noch immer nicht auf den richtigen Geschmack gekommen war, der besuchte die rund 20 Verkaufsstände nationaler Produzenten, die ihre Produkte in der Fußgängerzone zum Pröbeln und Kaufen anboten.

Die Nordstadjugend lud zur Blindverkostung ein

Die Nordstadjugend lud zur Blindverkostung ein Foto: Roger Infalt

Da es die erste Ausgabe dieses Festivals in Diekirch war, fragten wir beim lokalen City-Management nach, wie es zu diesem Fest kam. „Unsere Stadt hat eine breit aufgestellte Gastronomieszene, die es zu unterstützen gilt“, so Lynn Heintz. „Mit diesem Fest wollen wir diese Szene in den Mittelpunkt stellen und somit noch bekannter machen.“

Mit den Restaurants „Um Grill“, „20Nove“, „Commerce“, „Jardin du Portugal“, „Beim Franco“, „D’Amici“, „Non Solo Vino“ und den Cafés „Beim Fränk“, „Beim Louis“, „Café Nr 12“, „Dikkricher Stuff“, Nikolos Eck“ und „Café Miche“, um nur diese unter vielen zu nennen, ist die angesprochene lokale Gastronomieszene sehr vielfältig. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass Luxemburgs einzige Hotelfachhochschule in Diekirch angesiedelt ist.

„Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen“

Wir begegneten Maria de Sameiro Martins Barros und ihrem Mann Paulo Sergio Da Cunha Moreira, die seit mehr als 30 Jahren das Restaurant „Um Grill“ – oder auch noch unter der Bezeichnung „Beim Samy“ bekannt – betreiben. Es handelt sich hierbei um eines der traditionsreichsten Restaurants der lokalen Gastronomieszene, einen Familienbetrieb, der seit dem 2. Februar 1996 vom Ehepaar portugiesischer Herkunft geführt wird und der wegen seiner Grillgerichte weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. „Ich höre oft Kollegen und Kolleginnen, die über Mangel an Kunden klagen. Bei uns sieht das anders aus, denn wir haben seit Jahrzehnten eine sehr große und zudem treue Kundschaft. Wir haben Gäste, die seit mehr als 25 Jahren unser Restaurant aufsuchen“, so Maria.

Seit mehr als 30 Jahren führen Maria und ihr Mann Paulo das weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannte Restaurant „Um Grill“

Seit mehr als 30 Jahren führen Maria und ihr Mann Paulo das weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannte Restaurant „Um Grill“ Foto: Roger Infalt

„Es gibt aber auch Probleme, die in der gesamten Gastronomieszene die gleichen sind. Ich spreche da vom akuten Mangel an Fachpersonal. Kopfzerbrechen macht uns allen auch die stete massive Verteuerung der Produkte, die wir tagtäglich verarbeiten. Wir können und wollen diese Mehrkosten nicht jedes Mal auf unsere Kundschaft abwälzen, was natürlich dazu führt, dass unser Verdienst kleiner wird.“

Ein anderer lokaler Gastronom, der aber anonym bleiben will, gab sich sehr zufrieden, was die Kundschaft während der Sommermonate anbelangt. „Wir haben dann eine internationale Klientel, viele Touristen, die auf den in und um Diekirch gelegenen Campingplätzen Ferien machen und von unserem einladenden Stadtzentrum mit den großen Terrassen profitieren. Doch in den Wintermonaten müssen wir den Gürtel enger schnallen.“

Mehrmals hörten wir an diesem Tag Aussagen wie „ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sorgt für einen großen Kundenstamm“, „die Kunden verlangen Qualität und wollen von freundlichem Personal umsorgt werden“ oder auch noch „die Menschen gehen seltener nur auf ein Glas aus, sondern verbinden das Ausgehen vermehrt mit dem Essen“. Letzteres sei wohl auch der Grund, warum es in den letzten Jahren eine klare Verschiebung von reinen Ausschenkbetrieben hin zu Speiselokalen gab.

Der klassische Einzelhandel hat in der Brauereistadt – wie in vielen anderen Städten auch – in den letzten Jahren arg gelitten und ist spürbar zurückgegangen, doch füllen Restaurants und Cafés diese Lücke und halten die älteste Fußgängerzone Luxemburgs lebendig.

Auf dem „Schmaach-Parcours“ durchs Stadtzentrum

Auf dem „Schmaach-Parcours“ durchs Stadtzentrum Foto: Roger Infalt

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