Kolportage
„Capner Europe SA“ zieht in Schüttringen von Tür zu Tür – Gemeinde dementiert Auftrag
Vertreter von „Capner Europe SA“ ziehen derzeit in Schüttringen von Tür zu Tür und geben an, im Auftrag der Gemeinde zu handeln. Die Kommune weist dies jedoch zurück.
Darstellung eines kommerziellen Hausbesuchs Foto: Editpress-Archiv
Wenn jemand Fremdes an der Haustür klingelt und etwas anbieten möchte, stößt dies für gewöhnlich auf Misstrauen, denn Kolportage gilt in Luxemburg als aufdringlich. Ein Unternehmen lässt sich davon jedoch nicht stören und geht derzeit in Schüttringen von Tür zu Tür, um Informationen zu Solarpanels zu sammeln. Das teilte die Gemeinde am Freitag in einem Facebook-Beitrag mit. Die Firma behaupte, im Auftrag der Gemeinde zu handeln, doch die habe niemanden mit einer solchen Aktion beauftragt.
Auf Nachfrage vom Tageblatt bestätigte die Gemeinde, dass es sich bei der betroffenen Firma um „Capner Europe SA“ handelt. Ein Bürger habe diese telefonisch gemeldet. Das Unternehmen ist seit März 2024 in Luxemburg „operativ“ und vertreibt u.a. Fotovoltaik-Anlagen – und fällt nicht zum erstem Mal durch Haustürbesuche auf.
Bereits im Juni 2024 hatte die Gemeinde Monnerich vor Vertretern der „Capner Group“ gewarnt, die angeblich eine „Studie zur nachhaltigen Entwicklung“ durchführen wollten. Im Juni 2025 berichteten das Luxemburger Wort und L’essentiel über ähnliche Beschwerden in Reckingen/Mess. Weitere Berichte folgten aus Petingen, Sanem und Differdingen. Auffällig ist, dass sich alle betroffenen Gemeinden im Süden des Landes befinden, obwohl Capner seinen Sitz in Gasperich hat.
In ganz Luxemburg aktiv
François Brin, Business-Initiator und PR-Manager von Capner Group, gab im Gespräch mit dem Tageblatt an, die Firma sei landesweit tätig. Die Häufung der Beschwerden im Süden führte er auf den Austausch zwischen den Gemeinden zurück. Brin kritisierte zudem die öffentliche Darstellung seiner Firma. Capner betreibe keine klassische Kolportage, sondern „Prospection“ – also die Suche nach potenziellen neuen Kunden. Beim ersten Kontakt werde nichts verkauft, sondern lediglich eine kostenlose Machbarkeitsstudie angeboten.
Die Mitarbeiter seien stets durch ihre Kleidung und einen Ausweis zu erkennen. Die Ausbildung sei streng und falls ein Mitarbeiter das Haus betrete, würden disziplinarische Maßnahmen folgen. Zudem informiere Capner die Gemeinden im Voraus über ihre Haustürbesuche. Aufgrund der Beschwerden und negativen Schlagzeilen sah sich das Unternehmen darüber hinaus gezwungen, die Verkaufsstrategie anzupassen.
Was Verbraucher tun können
Der Haustürverkauf, auch bekannt als Kolportage, war in Luxemburg bis 2014 verboten. Seither ist er als „contrat hors établissement“ erlaubt, Verbraucher haben jedoch ein 14-tägiges Widerrufsrecht – sofern die Dienstleistung noch nicht begonnen hat. Die Verbraucherzentrale (ULC) rät, achtsam zu sein und keine Verträge sofort zu unterschreiben. Zudem sollten Kostenvoranschläge eingeholt und Angebote verglichen werden. Wichtig sei es, die Entscheidung in Ruhe und nicht unter Druck zu fällen. Wer Haustürbesuche grundsätzlich ablehnt, kann dies mit einem gut sichtbaren Aufkleber wie „Colportage: Non merci“ kenntlich machen.
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