Eurovision Song Contest
Bulgarien schreibt Geschichte und gewinnt zum ersten Mal den ESC
Sehr deutlich hat die Sängerin Dara mit ihrem Partylied „Bangaranga“ den Eurovision Song Contest gewonnen. Auf Platz 2 liegt, wieder einmal, Israel.
Damit haben die wenigsten gerechnet: Siegerin Dara aus Bulgarien mit dem Titel „Bangaranga“ jubelt mit der Trophäe im Finale des 70. Eurovision Song Contest (ESC) in der Wiener Stadthalle. Jens Büttner/dpa
Bulgarien hat überraschend den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen. Sängerin Dara konnte sich mit ihrem Partylied „Bangaranga“ deutlich vor Israel durchsetzen, wie die Abstimmung im ESC-Finale in Wien in der Nacht zum Sonntag ergab. Für Luxemburg endete der weltweit am meisten beachtete Musikwettbewerb bereits am Donnerstag mit einer Enttäuschung – Eva Marija hatte es überhaupt erst nicht ins Finale geschafft.
Die Wettbüros hatten seit Wochen Finnland als Sieger des ESC prognostiziert, doch das finnische Duo Linda Lampenius und Pete Parkkonen konnte weder die Jury noch das Publikum voll überzeugen und schaffte es lediglich auf Platz sechs. Überhaupt waren sich die Jurys in diesem Jahr nicht einig: Mehr als 10 Länder erhielten mehr als 100 Punkte. Doch Bulgarien schaffte es auch beim reinen Jury-Votum mit 204 Punkten auf Platz 1.
Israel profitiert vom Publikumsvoting
Das wie im Vorjahr insgesamt zweitplatzierte Israel profitierte von einem starken Ergebnis in der Publikumsabstimmung (220 Punkte) – und sorgte wieder für eine extrem angespannte Stimmung in der Arena. Während der Verkündung der Resultate wurde, solange Israel vorne lag, laut gebuht. Vor den Publikumsstimmen lag der Beitrag etwas abgeschlagen auf Platz 8 mit 123 Punkten.
Dritter wurde ebenfalls durch viele Publikumsstimmen Rumänien (232 Punkte). Das Land ist dadurch ganze 10 Ränge nach vorne gerutscht (vorher mit 64 Punkte auf Platz 13). Das von den Wettbüros hoch gehandelte Australien landete mit 287 Punkten auf dem vierten Platz vor dem fünftplatzierten Italien (281 Punkte).
Erster ESC-Sieg für Bulgarien
Bulgarien war nach dreijähriger Pause erst in diesem Jahr wieder zum Eurovision Song Contest zurückgekehrt. Es ist der erste Sieg für das osteuropäische Land in dem Wettbewerb. Sängerin Dara konnte bei der Abstimmung sowohl die Jury- als auch die Publikumsabstimmung gewinnen. Die 27 Jahre alte Sängerin kam so auf 516 Punkte und ließ den Israeli Noam Bettan mit 343 Punkten deutlich hinter sich.
Die Luxemburger Jury sah übrigens Rumänien ganz weit vorn. Hier gab es 12 Punkte. 10 gingen an Australien und 8 an Bulgarien. Dann folgten Kroatien (7), Frankreich (6), Dänemark (5), Norwegen (4), Finnland (3), Malta (2) und der letzte Punkt ging an Eva Marijas „Bestie“ Cosmó für Österreich.
Die Jury setzte sich aus Marie Gales von RTL, der Sängerin Naomi Ayé, Paul Bradshaw von der Rockhal, dem Künstler Melvyn Schartz, Charel Storn von Eldoradio und der Musikerin Letizia Lovece zusammen.
Auch das Publikum in Luxemburg liebt „Bangaranga“
Auch Luxemburgs Öffentlichkeit war von „Bangaranga“ begeistert. Es gab 12 Punkte. 10 gingen an Rumänien, 8 an Griechenland, sieben an Italien, 6 an Moldau, 5 an Finnland, 4 an die Ukraine, 3 an Albanien, 2 an Frankreich und 1 Punkt an Israel.
Auf die Frage, was das Kunstwort „Bangaranga“ bedeute, sagte Dara im ESC-Finale, es stehe für ein Gefühl. Es gehe um spezielle Energie und den Gedanken, „alles ist möglich“.
Wien war Gastgeberstadt des ESC, weil im vergangenen Jahr der österreichische Sänger JJ den Wettbewerb gewinnen konnte. Der ESC feierte in diesem Jahr 70-jähriges Bestehen. Getrübt wurde das Jubiläum von einem Streit über die Teilnahme Israels. Mit den Niederlanden, Spanien, Irland, Slowenien und Island boykottierten fünf Länder den Wettbewerb aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen.
Proteste gegen Israels Teilnahme bleiben friedlich
Am Rande des ESC kam es am Samstagnachmittag zu einer Kundgebung und Demonstration gegen die Teilnahme Israels. Einige hundert Menschen protestierten, dabei wurden zahlreiche palästinensische Flaggen gezeigt. Die Proteste blieben ohne größere Zwischenfälle. Die Teilnehmerzahlen lagen deutlich unter den Erwartungen der Veranstalter.
Nach dem Finale am Samstag wurde auch die Punktevergabe der Halbfinales veröffentlicht. Luxemburg lag hier auf Platz 12 mit 60 Punkten. Damit lag das Großherzogtum ziemlich abgeschlagen hinter Platz 10 von Zypern mit 122 und sogar weit hinter der Schweiz mit 108 Punkten.
Punkte aus Dänemark und Lettland für Eva Marija
Besonders gut kam Mother Nature in Dänemark an, wo es 6 Punkte vom Publikum und 7 von der Jury gab. Lettland schickte insgesamt 12 Punkte mit 4 vom Publikum und 8 von der Jury. Aus der Ukraine gab es insgesamt 10 Punkte, 3 von den Leuten zuhause, 7 von der Jury. Österreich, Schweiz, Rumänien, Frankreich, Malta, Bulgarien, Australien, Tcheschien, Zypern und UK schickten alle Punkte im einstelligen Bereich. Ein „12 Points“ gab es für Eva Marija nicht.
Für Luxemburg waren im zweiten Halbfinale (Jury und Publikumspunkte zusammengezählt) übrigens Rumänien, Bulgarien und Dänemark die Top 3 des Abends.
Die Top 5
Insgesamt:
Bulgarien mit 516 Punkten
Israel mit 343 Punkten
Rumänien mit 296 Punkten
Australien mit 287 Punkten
Italien mit 281 Punkten
Nur die Jurys:
Bulgarien mit 204 Punkten
Australien mit 165 Punkten
Dänemark mit 165 Punkten
Frankreich mit 144 Punkten
Finnland mit 141 Punkten
Nur das Publikum:
Bulgarien mit 312 Punkten
Rumänien mit 232 Punkten
Israel mit 220 Punkten
Republik Moldau mit 183 Punkten
Ukraine mit 167 Punkten