Sandweiler
Brandbekämpfung als Business: Cargolux-Tochter investiert in Simulator der Extraklasse
Die Cargolux-Tochter Aquarius Aerial Firefighting fliegt Löscheinsätze und investiert in die Ausbildung von Piloten. Ein neuer Simulator soll Einsätze realistischer trainieren und einen wachsenden Markt erschließen.
Der Simulator soll Piloten bestmöglich auf den Ernstfall vorbereiten Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Dottergelbe Löschflugzeuge rauschen durch die Rauchwolken. Mit einem Schlag werfen sie tausende Liter Wasser auf das Flammeninferno im türkischen Waldgebiet. Am Flugzeugheck prangt der rote Löwe in blau-weißen Streifen. Die Maschinen werden von „Aquarius Aerial Firefighting S.à r.l.“ (AFF) betrieben, einem 2024 gegründeten Tochterunternehmen der Frachtfluggesellschaft Cargolux. Auf der Webseite wirbt AFF damit, Waldbrände – und damit CO₂-Emissionen – bekämpfen zu wollen. Vor allem ist es ein Geschäft mit dem Feuer.
Am Mittwoch stellte das Unternehmen stolz einen weltweit herausstechenden Simulator vor. Das Cockpit wurde dabei eins zu eins dem Löschflugzeug AT-802 Fire Boss des US-amerikanischen Herstellers Air Tractor nachempfunden. „Der Simulator war seit dem ersten Tag Teil des Geschäftsmodells“, sagte Michael Neuhuber. Er ist selbst Pilot und bei AFF für den operativen Bereich verantwortlich. „Wir trainieren für die Missionsbereitschaft, nicht für die legalen Mindestanforderungen“, so Neuhuber. Es sei wichtig, dass die Piloten das Risiko vor Ort richtig einschätzen könnten und Befehle auch missachten würden, wenn die Sicherheitslage dies erfordere. In den vergangenen Jahren habe es zahlreiche Unfälle in der Luftfahrtindustrie gegeben. Im Juni 2025 verunglückte auch eine Maschine von AFF beim Wasserholen in der Türkei.
Ein Modell der Flugmaschine AT-802 Fire Boss Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Im Gespräch mit dem Tageblatt führte Neuhuber aus, dass bei dem Vorfall niemand zu Schaden gekommen sei. Das Flugzeug erlitt jedoch einen Totalschaden. Der Pilot habe sich danach dazu entschieden, aufzuhören. Neuhuber zufolge ereignen sich 70 Prozent der Unfälle auf dem Wasser: „Hat man sich nicht gerade hingesetzt, fängt das Flugzeug zu springen an.“ In dem Fall müsse der Pilot die Maschine sofort wieder hochziehen. Zwischen den Sprüngen vergehen nur wenige Sekunden. „Statistisch gesehen: Beim dritten Touch ist der Flieger weg“, erklärte Neuhuber.
Der Simulator soll dazu helfen, die Piloten auf den Ernstfall vorzubereiten. Dabei können die unterschiedlichen Rahmenbedingungen wie Wetterlage, Landschaft und die Begleitung anderer Rettungskräfte eingestellt und geprobt werden. „Zuerst lernen die Piloten das Flugzeug fliegen. Dann lernen sie das Wasser holen, dann das Abwerfen“, so Neuhuber. Anschließend werden die Piloten mit einem einfachen Feuer vertraut gemacht und sie lernen das Fliegen im Geschwader. Mit dem Simulator sei es möglich, die Mission komplizierter zu gestalten: „Wir können dem Szenario Hubschrauber und Flugzeuge hinzufügen. Und wir können Schiffe auf dem Wasser generieren.“
Die erfahrenen Piloten Kristof und Mylène stellten den Simulator vor Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Ein wachsender Markt
Was für Piloten lebensrettend sein kann, stellt für Aquarius Aerial Firefighting zudem ein Herausstellungsmerkmal auf dem Markt dar: Bislang können Piloten europaweit nur in Spanien unter ähnlichen Bedingungen trainieren. Das Unternehmen erhofft sich, mit dem Ausbildungsprogramm am Simulator abseits der Waldbrandsaison einen weiteren Geschäftszweig zu sichern. Allein die Löscheinsätze im Gründungsjahr bescherten der Tochtergesellschaft von Cargolux Einnahmen in Höhe von rund 2,9 Millionen US-Dollar. Das entspricht heute rund 2,5 Millionen Euro.
Mittlerweile zählt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge acht Flugmaschinen des Modells AT-802 Fire Boss. 2027 sollen es zwölf Maschinen sein. Laut dem US-amerikanischen Flugzeugmagazin Aerial Fire ist die Nachfrage von Fire-Boss-Löschflugzeugen europaweit stark gestiegen. Auslöser waren die verheerenden Waldbrände in Portugal im Jahr 2017. Insbesondere die globale Klimaerwärmung erhöht das Risiko für Waldbrände. Der Bedarf an Löschflugzeugen und ausgebildeten Piloten wird demnach weiterhin steigen.