„Wir werden das hinkriegen“
Biwer erwartet in zwei Jahren 700 neue Einwohner
Biwer wächst: Bis 2028 entstehen im Neubauprojekt „An der Schmëtt“ 164 Wohneinheiten. Die Gemeinde plant neue Schulen und Infrastruktur, um den Zuzug von rund 700 Einwohnern optimal zu begleiten. Ein Gespräch mit dem Bürgermeister Marc Lentz.
In der Cité „An der Schmëtt“ werden derzeit 164 Wohneinheiten gebaut Foto: Editpress/Georges Sold
Tageblatt: Das Bauprojekt „An der Schmëtt“ steht vor der Fertigstellung. Wie viele Einwohner werden erwartet?
Marc Lentz: Man kann von rund 700 Menschen ausgehen, die in Kürze hier wohnen werden. Die Baustelle wird entlang des Syr-Baches in zwei Phasen ausgeführt. Im frühen Sommer 2028 könnte alles fertig sein. Im ersten Teil sind gerade ziemlich viele Handwerkerbetriebe dabei, das Innenleben fertig zu gestalten. Sie schätzen, dass die ersten Häuser in einem Jahr bezugsfertig sind.
Sind diese bereits verkauft?
Zur Person
Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Marc Lentz ist von Beruf Anwalt. Er wurde 2005 erstmals in den Gemeinderat von Biwer gewählt. Seit 2017 ist er dort Bürgermeister. Für die Amtsausübung stehen ihm wöchentlich 20 Stunden „Congé politique“ zu.
Nein. Der „Fonds du Logement“ ist Bauherr und wird sich auch um die Vergabe kümmern. Vor dem Sommer wird höchstwahrscheinlich eine Infoveranstaltung über die Voraussetzungen dafür organisiert. Vereinfacht gesagt, geht ein Drittel in den Verkauf und gut zwei Drittel werden vermietet. Dafür gibt es eine landesweite Warteliste.
Derzeit zählt Biwer rund 1.900 Einwohner. Mit dem Projekt wächst die Bevölkerung um rund 37 Prozent. Was bedeutet das für die Gemeinde?
Proportional gesehen macht das schon viel aus. Aber wir werden das hinkriegen. Wir planen eifrig am Schulcampus. Wir können allerdings immer nur schätzen, wie viele Kinder schlussendlich kommen werden. Es werden verschiedene Gebäudetypen entstehen, also Häuser und Appartements mit mehreren Zimmern. Man kann davon ausgehen, dass bei 164 Wohneinheiten und 700 Einwohnern etwa 400 Minderjährige dabei sind. Nach den Erfahrungen von „Fonds du Logement“ müssten gut 30 Prozent davon eine Grundschule besuchen. Wir gehen also von rund 120 Kindern aus, die hinzukommen werden. Aktuell haben wir 180. Das ist also die größte Herausforderung.
Der Biwer Bürgermeister sieht optimistisch nach vorn Foto: Editpress/Didier Sylvestre
120 Kinder werden bereits in zwei Jahren da sein?
Ja – in einem Jahr kommen 80 bis 90. Wir haben mehrere Baustellen: Wir müssen eine neue Struktur bauen. Dazu gab es Arbeitssitzungen und ein Büro hat bereits einen Plan erstellt. Daraus ergibt sich, dass wir kurz- bis mittelfristige Bedürfnisse haben – und langfristige bis 2050. Kurzfristig planen wir an einem Gebäude für den Cycle 1 und an einer Erweiterung der „Maison relais“. Dafür haben wir ein Grundstück gekauft, um den Fußballplatz verlagern zu können. Die Schule steht allerdings nicht bis morgen. Wir müssen also eine provisorische Containerstruktur bauen. Die kommt dorthin, wo jetzt das Gemeindeatelier ist. Dieser Teil vom Gemeindeatelier wird wiederum in die Gewerbezone verschoben.
Ein Modellbau, der einen Teil des Bauprojektes zeigt Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Der Teilbebauungsplan PAP „An der Schmëtt“ geht auf das Jahr 2019 zurück ...
Wir wussten, in welche Richtung es gehen würde. Diese Zahlen wollten wir uns allerdings bestätigen lassen. Überspitzt gesagt: Es hat keinen Sinn, schnell etwas zu bauen, nur weil wir wissen, dass 2027 hundert Schüler hinzukommen. Wir wollten das ordentlich planen. Natürlich kann man jetzt fragen: Warum habt ihr nicht früher reagiert, dann würde jetzt eine Schule dort stehen? Das kann sein, aber dann gäbe es kein Konzept.
Und wenn die Schule bis gebaut ist, wird der Container wieder abgerissen?
Ja, die Struktur hat eine Lebensdauer von sechs bis zwölf Jahren. Wir rechnen mit einer Bauzeit von sechs Jahren, bis das Gebäude für Cycle 1 fertig ist. Wenn sich dann herausstellen sollte, dass in einem anderen Gebäude noch weitere Arbeiten anfällig werden, könnten wir diese Klassen in der provisorischen Struktur unterbringen. Der Zeitdruck ist damit deutlich gesunken. Dennoch: Auch eine provisorische Struktur kostet sechs Millionen Euro.
Wird eine solche Struktur vom Staat subventioniert?
Nicht sicher. Das müssen wir noch abklären. Wir hoffen jedoch, dass der Staat unsere Anstrengungen beim Wohnungsbau anerkennt und uns unter die Arme greift.
Was passiert mit den alten Schulgebäuden?
Diese werden genutzt, um die Klassenräume und die „Maison relais“ zu erweitern. Hinzu kommen die Anforderungen zum Schulhof, zum Spielplatz. Wir haben auch einen Parkplatz für das Lehrpersonal gebaut, da kommt noch eine Fußgängerbrücke.
Marc Lentz im Gespräch mit demTageblatt Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Wie steht es um die andere Infrastruktur, zum Beispiel die Kanalisation?
Ein paar hundert Meter neben der Cité „An der Schmëtt“ befindet sich die Kläranlage und die ist am Limit. Sie schafft dieses Projekt noch – das war in den Berechnungen inbegriffen. Das ganze Abwassersystem läuft über das Gemeindesyndikat SIDEST. Dort sind wir kurz davor, die Kläranlage ausbauen zu können. Es ist etwas unsexy, wenn man unter dem Boden Leitungen verlegt – niemand sieht das. Aber seit Jahren haben wir dort Vorarbeiten geleistet, damit das Netzwerk bereit ist.
Die Kläranlage schafft es also gerade so?
Ja, es ist geplant, dass die Kapazität bis 2031 mehr als verdoppelt wird. Das Schlachthaus hat bisher sehr zur Verschmutzung beigetragen. Dieses hat den Schlachtbetrieb allerdings vor einem Jahr abgestellt. Das hat uns natürlich in die Karten gespielt, weil ein großer Verschmutzer die Kläranlage weniger belastet.
Mit Blick auf die Dimensionen des Projekts „An der Schmëtt“: Erhält die Gemeinde genug staatliche Unterstützung? Ist das überhaupt machbar?
Wir sind wie gesagt nicht an der Verwirklichung des Projekts beteiligt.
Ja, aber zuständig für Schule, Kläranlage, Verkehr ...
Da müssen wir schauen, wie wir zurechtkommen. Wir wussten, dass wir eine große Verantwortung übernehmen müssten, und wir wollten es trotzdem machen. Man kann nicht nur die Kirschen von der Torte pflücken. Es wird definitiv nicht langweilig.
Die Baustelle „An der Schmëtt“ soll im Jahr 2028 abgeschlossen sein Foto: Editpress/Georges Sold