Gesellschaft
„Betteln ist keine Straftat“: Wie ein Obdachloser nach einem Unfall alles verloren hat
Alex* ist obdachlos. Ein Unfall hat ihn in eine Armutsspirale geschleudert, aus der er sich bis jetzt nicht befreien konnte. Dem Tageblatt gegenüber erzählt er, wie es dazu kam – und wie es ist, ohne festen Wohnsitz in Luxemburg zu leben.
Alex* will anonym bleiben – frühere Kunden könnten ihn wiedererkennen Foto: Editpress/Alain Rischard
Alex* wartet im Eingangsbereich der Tageblatt-Redaktion. In den Händen hält er seine Mütze und einen großen Briefumschlag, den er dem Journalisten nach einer höflichen Begrüßung überreicht. „Sie können den Umschlag behalten“, versichert er freundlich und richtet seine gepflegte Regenjacke kurz. Alex lebt seit 20 Jahren in Luxemburg, ist obdachlos und hat kein Einkommen – aber er ist kein Bettler. Das betont der über Sechzigjährige in dem zehnseitigen Dokument, das sich im Briefumschlag befindet. Darin beschreibt er seine Lebensgeschichte, seinen Alltag und seine Meinung zum Bettelverbot von Luxemburg-Stadt. Am Tag zuvor hat er sich bereits mit dem Journalisten unterhalten. „Aber ich wollte alles noch einmal aufschreiben“, sagt er mit zitternder Stimme. „Es ist mir wichtig.“