Hesperingen

Besser zusammenleben: Bürger machen Vorschläge

Bürgerinnen und Bürger entwickeln Maßnahmen für sprachliche Integration und mehr Miteinander. Am vergangenen Freitag wurden die Vorschläge im Gemeinderat vorgestellt. Dieser kann nun mit der Umsetzung beginnen.

Vorstellung der Vorschläge aus dem Gemeindepakt im Hesperinger Rathaus am Freitag

Am Freitag wurden im Hesperinger Rathaus die Vorschläge aus dem Gemeindepakt vorgestellt Foto: Editpress/Georges Sold

Am vergangenen Freitag hörte sich der Gemeinderat von Hesperingen die Bürgervorschläge an, die aus der ersten Runde des partizipativen Prozesses des „Pacte communal du vivre-ensemble interculturel“ hervorgegangen sind. Sie wurden vom zuständigen Berater des Familienministeriums, Gary Diderich, vorgestellt. Die Vorschläge beruhen auf einer Bestandsaufnahme, die von der gemeinnützigen Organisation „Centre d’étude et de formation interculturelles et sociales“ (CEFIS) durchgeführt wurde. Dazu wurde eine Umfrage erstellt, an der 466 Personen teilnahmen. Die Ergebnisse wurden dem zuständigen kommunalen Ausschuss („Comité de pilotage“, Copil) im März 2025 vorgestellt.

Wie Diderich am Freitag erläuterte, habe der Ausschuss dabei das Aktionsfeld „Diversité et lutte contre la discrimination“ für die Bürgerworkshops ausgewählt. An diesen hatten demnach über 70 Personen teilgenommen. „Jetzt kommen wir zur vierten Phase, wo es um die Umsetzung geht“, sagte Diderich. Er stellte anschließend 14 Maßnahmen vor, die im Rahmen der „Ateliers citoyens“ erarbeitet wurden.

Gary Diderich präsentiert am Freitag Bürgervorschläge bei öffentlicher Veranstaltung

Gary Diderich stellte am Freitag die Bürgervorschläge vor Foto: Editpress/Georges Sold

Sprachbarrieren aufheben

Mehrere davon haben zum Ziel, die Sprachbarrieren aufzuweichen und das Miteinander zu stärken, etwa über Feste, Veranstaltungen, inklusive Gruppen und Sprachcafés. Ein Vorschlag sieht beispielsweise vor, den Kontakt zwischen Gemeinde und Bürgern zu verbessern – insbesondere im Fall sprachlicher Hürden und Kulturdivergenzen. Es gehe darum, Mitarbeiter der Gemeinde dahingehend zu schulen, dass sie Vorurteile und Stereotypen besser erkennen, sagte Diderich. Des Weiteren soll die Gemeinde mehrsprachig und bestenfalls in leichter Sprache kommunizieren. Auch das Angebot für Luxemburgischkurse soll erhöht werden.

Mit Blick in die Zukunft könnte die Gemeinde Bildschirme aufstellen, auf denen die wichtigsten Informationen geteilt werden, so ein weiterer Vorschlag. In eine ähnliche Richtung geht die Idee, online Videos mit praktischen Infos für Zuzügler bereitzustellen. Und schließlich wurde der Wunsch nach einem „Budget participatif“ geäußert, mit dem die Gemeinde Bürgerinitiativen in Zukunft finanziell unterstützen könnte.

„Wie geht es jetzt konkret weiter?“, fragte die Gemeinderätin Marie-Lyne Keller („déi gréng“) nach der Vorstellung der Maßnahmen. Darauf antwortete Diderich, dass der Schöffenrat, der Gemeinderat, beziehungsweise der Copil nun entscheiden müssten, welche Maßnahmen umgesetzt werden.

Hintergrund: Der Gemeindepakt

Der „Pacte communal du vivre-ensemble interculturel“ wurde mit dem Gesetz vom 23. August 2023 über das interkulturelle Zusammenleben eingeführt. Gemeinden, die dem Pakt beitreten, verpflichten sich zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Familie, Solidarität, Zusammenleben und Unterbringung von Flüchtlingen – dies im Hinblick auf einen mehrjährigen, partizipativen Bürgerprozess. Dabei sollen Maßnahmen ausgearbeitet werden, die das interkulturelle Zusammenleben in der Gemeinde fördern. Hesperingen hat sich hierzu am 27. März 2024 verpflichtet.

Der „Gemengepakt“ verläuft nach fünf Schritten, die nach Abschluss wiederholt werden: politisches Engagement, Bestandsaufnahme, Erarbeitung von Maßnahmen in partizipativen Workshops, Umsetzung, Bewertung der geleisteten Arbeit.

Die Dauer des Paktes ist auf sechs Jahre beschränkt und geht mit staatlichen Subventionen für die Kommunen einher. Unter anderem haben sie jährlich Anspruch auf 30.000 Euro, um einen Koordinator einzustellen. Im Juli 2024 sorgte die Stellenbesetzung in Hesperingen für Aufsehen: Die Opposition warf dem damaligen Bürgermeister Marc Lies (CSV) Vetternwirtschaft vor, denn die ausgewählte Kandidatin erfüllte nicht die gefragten Qualifikationen und wies eine familiäre Beziehung zu ihm auf.

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