Sachbuch
Bernhard Schlink und die Frage nach der Gerechtigkeit
Jeder glaubt, zu wissen, was gerecht ist, fast jeder hat sich schon mal ungerecht behandelt gefühlt. Alle beanspruchen Gerechtigkeit. Es gebe keine, sagen manche. Gerechtigkeit ist ein Ideal, über das seit der Antike gestritten wird, und Gerechtigkeitsempfinden ein Gefühl. „Gerechtigkeit fängt mit Gleichheit an“, schreibt der Schriftsteller Bernhard Schlink in seinem Essay.
Der Autor Bernhard Schlink Foto: Alberto Venzago / Diogenes
Luxemburg ist das sechstgerechteste Land. Zumindest liegt es auf dem vom Deutschen Institut für Wirtschaft in Köln (IW) erstellten internationalen Gerechtigkeitsindex 2025 auf dem sechsten Platz von insgesamt 34 Ländern, nach den skandinavischen Staaten – Erster ist Norwegen, Zweiter Schweden – und vor den Nachbarländern: Belgien ist Neunter, Deutschland Zehnter und Frankreich 17. Die Studie basiert auf insgesamt 43 Indikatoren. Unterschieden werden sechs Dimensionen der Gerechtigkeit: So geht es 1. bei der Regelgerechtigkeit darum, dass eine Gesellschaft gerecht ist, wenn gleiche Regeln und Rechte für alle gelten; 2. bei der Chancengerechtigkeit ist eine Gesellschaft gerecht, wenn jeder Mensch unabhängig von der Herkunft über gleiche Chancen auf Teilnahme an Bildung, Arbeit und Gütern verfügt; 3. bei der Generationengerechtigkeit, wenn jede Generation die gleichen Chancen auf Wohlstand hat und Lasten gleichmäßig verteilt sind; 4. bei der Leistungsgerechtigkeit, wenn Personen, die im Beruf viel leisten, mehr verdienen als andere; 5. bei der Bedarfsgerechtigkeit, wenn eine Gesellschaft sich besonders um die Schwachen und Hilfsbedürftigen kümmert; und 6. bei der Verteilungsgerechtigkeit, wenn Einkommen und Vermögen möglichst gleich verteilt sind.