Sommerserie: Literaturverfilmungen
Wie sich „L’Étranger“ 2025 auf der Leinwand macht
Als Albert Camus 1942 „L’Étranger“ veröffentlichte, entstand nicht nur einer der einflussreichsten Romane der europäischen Moderne, sondern zugleich ein Text, dessen Verfilmung nahezu zwangsläufig vor grundsätzliche ästhetische Probleme stellt. Blick auf die Interpretation von François Ozon.
Rebecca Marder (r.) und Benjamin Voisin (l.) in L‘Étranger (2025) von François Ozon Quelle: imdb.com
Die philosophische Radikalität des Romans „L’Étranger“ entfaltet sich nicht in erster Linie aus seiner Handlung. Die Geschichte des Büroangestellten Meursault, der nach dem Tod seiner Mutter scheinbar ungerührt seinen Alltag fortsetzt, eine Beziehung mit Marie beginnt und schließlich einen namenlosen Araber erschießt, besitzt für sich genommen beinahe etwas Banales. Ihre eigentliche Sprengkraft entwickelt sie erst durch Camus’ Erzählweise.
Die berühmte Nüchternheit der Sprache, die Abwesenheit psychologischer Kommentare und die konsequente Bindung an Meursaults Wahrnehmung erzeugen jene eigentümliche Distanz, aus der sich das philosophische Zentrum des Romans erschließt. L’Étranger erzählt nicht nur vom Absurden; der Roman lässt den Leser das Absurde erfahren.