Stolzemburg

Bergbau trifft Backkunst: Der Stollen aus der Kupfergrube

Seit nunmehr fünf Jahren organisiert der Interessenverein aus Stolzemburg zusammen mit Bäckermeister Claude Muller aus Vianden eine für Luxemburg einmalige Aktion, dies unter dem Motto „Ee Stollen aus dem Stollen“. Wir schauten dem Meister der Bäckerei „Au croissant d’or“ sowohl in seiner Backstube als auch beim Einlagern der Christstollen in einen der Lüftungsschächte der Stolzemburger Kupfermine über die Schulter.

Ein gutes Team: Bäckermeister Claude Muller aus Vianden und Romain Kettmann vom „Syndicat d’initiative Stolzembourg“ sorgen für den ganz besonderen Stollen

Ein gutes Team: Bäckermeister Claude Muller aus Vianden und Romain Kettmann vom „Syndicat d’initiative Stolzembourg“ sorgen für den ganz besonderen Stollen Foto: Editpress/Hervé Montaigu

In Dresden lässt sich die Geschichte des Christstollens, damals noch Striezel genannt, bis ins Jahr 1400 belegen. Als Weihnachtsgebäck wurde er erstmalig 1427 am sächsischen Hofe überreicht. Doch über seinen Entstehungszeitpunkt gibt es unterschiedliche Angaben, denn eine andere Quelle behauptet, der älteste Stollen sei im Jahr 1329 in Dresden als Gabe für den Bischof von Naumburg gebacken worden. Weiter heißt es, dass der Stollen nach kirchlichen Vorschriften zunächst nur aus Mehl, Hefe, etwas Öl und Wasser gebacken werden durfte.

Egal, wie und wann zuerst, eines scheint aber sicher belegbar zu sein: Der Weihnachts- oder Christstollen symbolisiert das in Windeln gewickelte Christkind und erinnert so an die spirituelle Bedeutung der Weihnachtszeit.

Das Rezept, nach dem Bäckermeister Claude Muller aus Vianden seine Stollen herstellt, stammt nicht etwa aus dem 14. Jahrhundert, sondern von seiner Oma mütterlicherseits. „Es ist ein traditionelles Familienrezept mit der einen oder anderen persönlichen Note, die ich natürlich nicht verrate“, so der Meister während unseres Besuchs.

Am frühen Morgen stand er mit seinem Gesellen am Backofen, um bis in den Nachmittag hinein weit über 250 Weihnachtsstollen zu backen. „Ein Teil davon ist naturbelassen, ein zweiter Teil enthält eine Marzipanfüllung“, so Claude Muller. „Wenn die fertig gebacken sind, bringen wir sie gleich ins benachbarte Stolzemburg, genauer gesagt in einen Stollen der stillgelegten Kupfermine. Dort werden sie während drei Wochen in Alupapier eingewickelt bei einer konstanten Temperatur von um die 8 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von um die 90 Prozent gelagert.“

Qualitativ hochwertig

Kaum war die Arbeit in der Backstube getan, ging es im Lieferwagen Richtung Stolzemburg, genauer gesagt zur erwähnten stillgelegten Kupfergrube, die heute noch immer besichtigt werden kann. Am Eingang zu dieser Grube, der in einem Waldstück oberhalb der Ortschaft Stolzemburg liegt, wartete Romain Kettmann, Vorstandsmitglied des lokalen Interessenvereins, auf uns. Um die 3.000 Besucher zähle diese Mine jährlich, so Kettmann, der uns auch gleich weitere Informationen gab.

Während mehr als 500 Jahren haben die kupferhaltigen Erzadern des „Klangbaach“ mehrere Investoren nach Stolzemburg gezogen. Um 1856, 1882, 1901 und 1938 sei der Abbau beachtlich gewesen. Das größte Problem sei jedes Mal das Wasser gewesen, das die Galerien immer wieder überschwemmte, so liest man auf Informationstafeln. Heute ist ein Teil der unterirdischen Galerien für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

Fünfzig Meter unter der Erde lernen die Besucher den schwierigen Abbau des Kupfererzes von früher kennen.
Auf die Frage, was es denn nun mit den Stollen im Stollen auf sich hat, gab Romain Kettmann zu verstehen, dass der Interessenverein vor Jahren von einer Mitarbeiterin, die Besucher durch die Grube führte, anhand eines Videos auf eine ähnliche Aktion im Erzgebirge aufmerksam gemacht wurde.

So habe man sich vor fünf Jahren dazu entschlossen, zusammen mit Bäckermeister Muller das Projekt „Ee Stollen aus dem Stollen“ zu starten. „Durch das Einlagern der Weihnachtsstollen in den Stollen der Kupfergrube über eine Zeitdauer von drei Wochen können sich die Aromen und die verschiedenen Geschmäcke im ganzen Stollen entwickeln und es entsteht ein qualitativ hochwertiges Produkt“, fügt Claude Muller hinzu.

Vorbestellung noch bis zum 2. Dezember

Bei unserem Besuch Mitte der Woche lagerten bereits 735 Stollen im Stollen. „Die sind alle vorbestellt“, so Romain Kettmann vom lokalen Interessenverein. „Die Bestellungen können aber noch bis zum 2. Dezember über unsere Internetseite www.stolzembourg.lu getätigt werden. Der naturbelassene Stollen kostet 22 Euro, der mit Marzipanfüllung 3 Euro mehr.“
Am 20. und 21. Dezember können die Weihnachtsstollen dann jeweils zwischen 10 und 16 Uhr im Stolzemburger Vereinssaal abgeholt werden, nachdem sie von Mitgliedern des Interessenvereins eine festliche Verpackung erhalten haben. „Wir backen diese Stollen lediglich auf Vorbestellung, anders geht das gar nicht. Wir kannten ein Jahr, da hatten wir rund 1.000 Vorbestellungen, in diesem Jahr, so schätze ich, werden wir im Endeffekt wohl bei 900 liegen“, so Bäckermeister Claude Muller aus Vianden.

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