Zwischen Noise und visueller Kunst

Beim „Out of the Crowd“-Festival in Esch versammelte sich alles, was Lärm macht

In der Kulturfabrik versammelte sich am Samstag alles, was Lärm macht, auf dem Kultfestival „Out of the Crowd“. Von mikrofonierten Pinseln bis internationalen Szene-Größen.

„Out of the Crowd“-Festival in der Escher Kulturfabrik, alternative Kulturszene Luxemburgs, Live-Musik und Gemeinschaft

Eine feste Größe in der alternativen Kulturszene Luxemburgs: das „Out of the Crowd“-Festival in der Escher Kulturfabrik. Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Während die ausverkaufte „City Party“ im Atelier mit zwei DJ-Sets und einem Live-Act am Samstagabend zahlreiche Feiernde in die Stadt zog, fanden sich Fans alternativer Klänge zeitgleich beim „Out of the Crowd“-Festival in der Kulturfabrik in Esch/Alzette ein. Dort herrschte bereits am frühen Nachmittag eine entspannte und familiäre Atmosphäre: Im sonnengefluteten Innenhof standen und saßen Besuchergruppen zusammen, unterhielten sich oder genossen die ersten Klänge des Festivals, die aus den beiden Sälen der Kulturfabrik drangen. Das Publikum zeigte sich dabei auffallend vielfältig – von jungen Besuchern bis hin zu älteren Gästen war ein breites Spektrum vertreten.

Vielfältiges Line-up und steigende Intensität

Das „Out of the Crowd“-Festival gilt seit Jahren als feste Größe der alternativen Musikszene in Luxemburg und bringt regelmäßig internationale und lokale Acts zusammen. So auch 2026 mit einem aus zwölf Bands bestehenden Line-up. Für einen überzeugenden Auftakt sorgte die noch vergleichsweise junge Luxemburger Band Fulvous, die mit einem kraftvollen, noisigen Sound früh ein Ausrufezeichen setzte und die Menschenmasse aus dem Hof in die Innenräume des ehemaligen Schlachthauses zog.

Beim „Out of the Crowd“-Festival in Esch versammelte sich alles, was Lärm macht

Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Nach ihrem halbstündigen Slot im großen Saal öffneten sich die Türen zur Club Stage im kleinen Saal. Dort präsentierte sich Sunny Gloom, das Soloprojekt von TUYS-Bassist Yann Gengler, der mit seiner Stimme einen ruhigeren und atmosphärischen Sound bot. Auch nach der luxemburgischen Delegation auf dem Festival zeigte das Line-up seine stilistische Vielfalt: Kowloon Walled City aus den USA präsentierten einen kantigen, von Hardcore-Einflüssen geprägten Sound, während das Duo Hyper Gal aus Japan einen energiegeladenen Auftritt hinlegte. Mit Ulrika Spacek wurde es daraufhin etwas ruhiger und atmosphärischer, bevor Slow Crush mit dichten Klangflächen überzeugten. Auch L.A. Witch reihte sich mit ihrem charakteristischen Sound gut in das Gesamtbild des Festivals ein.

Beim „Out of the Crowd“-Festival in Esch versammelte sich alles, was Lärm macht

Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Mit zunehmender Dauer verdichtete sich die Stimmung spürbar. Einen weiteren Höhepunkt lieferte die britische Experimental-Hardcore-Band DITZ, die mit ihrer intensiven Performance das Publikum unmittelbar mitriss. Sänger Cal Francis suchte dabei immer wieder die Nähe zur Menge, bewegte sich vom Publikum getragen singend durch den Raum bis hin zur Bar, wo er nach einem kurzen Abstecher schließlich wieder auf die Bühne zurückkehrte – die Grenzen zwischen Band und Publikum schienen dabei zeitweise aufgehoben.

Der anschließende Auftritt der kanadischen Band Crack Cloud setzte dazu einen Kontrast: Im Vergleich zur zuvor aufgebauten Intensität wirkte das Set zurückhaltender und weniger zugänglich. Umso stärker fiel der folgende Stimmungsumschwung aus: Mit GANS entlud sich die Energie schlagartig. Die Mischung aus treibenden Rhythmen und Instrumenten wie Querflöte und Saxofon sorgten dabei für zusätzliche Dynamik und machte den Auftritt zu einem der prägendsten des Abends. Vor der Bühne kam Bewegung in die Menge, Besucher tanzten, sprangen und bildeten sogar einen kleinen improvisierten Circle Pit im kleinen KuFa-Saal – einer der intensivsten Momente vor den Headlinern.

Auch Malen macht Lärm

Den Abschluss machten die amerikanische Noise-Rock-/Shoegaze-Band A Place to Bury Strangers und die französische Krautrock/Psychedelia-Band Meule. A Place to Bury Strangers war zusammen mit DITZ einer der großen Publikumsmagneten, die auch Publikum aus der Grenzregion nach Esch zogen. „Wir sind heute aus Merzig hier, um A Place to Bury Strangers zu sehen“, so ein Festivalbesucher. „Das ist das erste Mal hier in Esch, aber es gefällt mir bisher sehr gut.“ Viele Besucher nutzten das Festival bewusst als Treffpunkt der Szene und um neue Bands abseits des Mainstreams zu entdecken.

Leinwand als Klangkörper im „Sonic Canvas“-Projekt von Catherin Lorent, innovative Klangkunst und visuelle Installation

Leinwand als Klangkörper: das „Sonic Canvas“-Projekt von Catherin Lorent Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Neben den Konzerten setzte das Festival auch auf interdisziplinäre Kunstformate: Beim „Sonic Canvas“-Projekt wurde eine Leinwand selbst zum Klangkörper. Pinsel, Farben, Leinwände und Werkzeuge waren mikrofoniert und wurden über analoge Effekte klanglich verfremdet. Entwickelt wurde das Projekt von der Luxemburger Künstlerin Catherin Lorent, die seit Jahren an der Schnittstelle von bildender Kunst, Musik und Performance arbeitet. „Es geht darum, Kunst und Musik zu verbinden – ,Painting with your ears‘“, erklärte Lorent. Besucher jeden Alters konnten sich aktiv einbringen und das entstehende Werk mitgestalten. Das Projekt zog zahlreiche neugierige Besucher an und zeigte eindrucksvoll, wie eng Klang und visuelle Kunst miteinander verbunden sein können. Später standen auch Darbietungen von Luiza Prado und Francoise in den Gebäuden der Kulturfabrik auf dem Programm.

Mit zunehmender Dauer des Abends wurde die Stimmung insgesamt ausgelassener und dichter. Das „Out of the Crowd“-Festival bewies damit einmal mehr, dass es weit mehr ist als ein reines Konzertformat.

Beim „Out of the Crowd“-Festival in Esch versammelte sich alles, was Lärm macht

Foto: Editpress/Didier Sylvestre

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