Konzert in der Rockhal
Bassist von Franz Ferdinand im Interview: „Jahrelang hatte ich ein starkes Imposter-Syndrom“
Sänger und Gitarrist Alex Kapranos und Bassist Bob Hardy sind die einzig verbliebenen Mitglieder der Urbesetzung. Aber auch mit neuen Mitstreitern klingen Franz Ferdinand noch wie früher, wie ihr 2025er Album „The Human Fear“ zeigt. Hardy gibt im Tageblatt-Interview Auskunft darüber sowie über die Geschichte der Band.
Seit 2002 ein Begriff in der Musikszene: die schottische Band Franz Ferdinand mit Bob Hardy (r.) Foto: Oliver Matich
Tageblatt: Erinnern Sie sich noch daran, als Sie zum ersten Mal ein Instrument in die Hand genommen und angefangen haben, es zu lernen?
Bob Hardy: Ja, ich war 21.
Das war recht spät.
Stimmt. Ich war mit Alex befreundet, und wir arbeiteten zusammen in einer Küche. Er hatte mir einen Job als Tellerwäscher verschafft. Wir wurden ziemlich gute Freunde und redeten viel über Musik. Aber ich war kein Musiker. Ich hatte kein wirkliches Interesse daran, Musiker zu werden. Ich stand auf Malerei. Und dann meinte Alex: „Willst du mal vorbeikommen? Mein Freund Mick, der Bassist bei Belle & Sebastian ist, hat eine Bassgitarre übrig und will sie mir geben. Ich zeige sie dir. Ich möchte dir auch ein paar Songs zeigen, die ich geschrieben habe.“ Also ging ich zu ihm, und er spielte mir in seiner Küche „Jacqueline“ und „This Fire“ vor. Und dann meinte er: „Los, spiel einfach mit.“ Das war das erste Mal, dass ich wirklich ein Instrument gespielt habe. Ich hatte zwar in der Schule mal eins gespielt, aber nicht aufgepasst und es gehasst.
Die Band wurde 2002 gegründet und recht schnell berühmt. Hatten Sie beim Bassspielen nicht eine Art Hochstapler-Syndrom, weil Sie gerade erst damit angefangen hatten?
Auf jeden Fall. Jahrelang hatte ich ein starkes Imposter-Syndrom. Es war seltsam, denn es war ja meine erste Band und ich fand, dass wir wirklich, wirklich gut waren. Und als wir dann all diesen Erfolg hatten, dachte ich mir: „Ja, klar, weil wir gut sind. Das ist doch offensichtlich.“ Aber dann wird es schwieriger, wenn man älter wird. Man blickt zurück und denkt, das war ziemlich ungewöhnlich und mit Glück verbunden. Klar, wir sind eine gute Band, aber man sieht so viele großartige Bands, aus denen aus irgendeinem Grund nichts wird. Und man fragt sich: Warum nicht? Die sind doch brillant. Und dann steht man auf der Bühne und denkt: Gleich wird jemand merken, dass ich keine Ahnung habe, was ich hier mache. Ich habe lange gebraucht, um darüber hinwegzukommen.
Wir sind eine gute Band, aber man sieht so viele großartige Bands, aus denen aus irgendeinem Grund nichts wird. Und man fragt sich: Warum nicht? Die sind doch brillant.
Bob Hardy
Bassist, Franz Ferdinand
Es gibt nach wie vor eine stete Medienberichterstattung über Ihre Band. Aber das ist nichts im Vergleich zu den verrückten Zeiten anno 2003 und 2004, als die Band Teil des Zeitgeists war. Wie blicken Sie auf diese ersten Jahre zurück?
Das war wirklich verrückt. Da es meine erste Band war, kannte ich nichts anderes. Ich wusste nicht, wie es war, in einer Band zu sein, die nicht innerhalb von zwei Jahren diese Art von Aufmerksamkeit bekam. Und es hat wirklich Spaß gemacht. Es konnte aber auch stressig sein. Ich war generell ziemlich müde zu jener Zeit, wobei mir nicht wirklich bewusst war, dass ich müde war. Ich habe mich einfach durchgetrunken. Ich hätte es aber gegen nichts eintauschen wollen. Ich bin froh, dass es nur eine begrenzte Zeit lang so war, denn danach hatte ich mich in die Band eingelebt. Ab dann hatte ich ein bisschen mehr Freiraum und konnte einfach die musikalische Seite genießen, auf der Bühne zu stehen und vor Leuten zu spielen, die kamen und mich sehen wollten, ohne dass irgendwelche verrückten Sachen passierten. Trotzdem, es war eine großartige Zeit, solange sie gedauert hat.
Franz Ferdinand in Luxemburg
Wann? Freitag, 10. April, 19 Uhr.
Wo? Rockhal, Esch-sur-Alzette.
Infos? franzferdinand.com, rockhal.lu.
Sie haben in Glasgow Kunst studiert. Sind deswegen eure Artworks stets so stilvoll?
Nein, das liegt an uns allen. Alex war früher sehr vom russischen Konstruktivismus begeistert. Das waren wir alle. Das scheint einfach so gut zu passen, weil es so direkt und schlicht erscheint. Gleichzeitig hat es eine Komplexität, auf die man nicht achten muss. Man kann es einfach oberflächlich genießen, obwohl so viel mehr dahintersteckt. Das trifft auch auf unsere Musik zu. Man kann sie sofort genießen. Sie hat eine Unmittelbarkeit und einen Pop-Charakter, der einen sofort in den Bann zieht, der aber auch wiederholtes Hören belohnt und durch die Texte eine Tiefe offenbart. Das ist vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar, aber es offenbart sich nach und nach.
Euer letztes Album, „The Human Fear“, ist etwas mehr ein Jahr alt. Der typische Franz-Ferdinand-Sound ist darauf omnipräsent und wird nicht langweilig. Wird es mit der Zeit schwieriger oder einfacher, einen hohen Standard zu halten und gute, eingängige Songs zu schreiben?
Was wir im Laufe der Jahre gelernt haben, ist, dass es entscheidend ist, uns selbst den Raum dafür zu geben. Das Arbeiten mit Deadlines kann gut für die Produktivität sein. Zudem braucht man immer noch ein Stück normales Leben und etwas Zeit fernab vom Tourleben oder dem Bandumfeld, damit die besten Songs entstehen können. Einige der Songs auf diesem Album wurden während des Corona-Lockdowns geschrieben. Das war in gewisser Weise von Vorteil, weil es uns den nötigen Freiraum gab. Außerdem bedeutete es, dass man nicht innerhalb einer Woche einen Song schreiben und fertigstellen und in der folgenden Woche ins Studio gehen musste. Die Songs entwickelten sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Wir konnten sie auch für ein paar Wochen beiseitelegen und dann wieder darauf zurückkommen.