Mehr als ein Modetrend
Anno 1900: von der Erde zum Mond und wieder in den Fond-de-Gras
Für die einen ist es einfach ein Spaziergang oder geselliger Nachmittag in einem einzigartigen Ambiente, für andere ein Treffen mit Gleichgesinnten. Manch einer fachsimpelt über H.G. Wells oder Vintage-Objekte, während sich andere auf die hausgemachten Macarons in unzähligen Geschmackssorten freuen. Oder wie wäre es mit einer Fahrt in der „Minièresbunn“? Willkommen sind sie alle beim Anno 1900 – ob im Steampunk-Stil oder in Alltagskleidung, mit Faible für selbstgebaute Geräte, viktorianische Literatur oder Gin-Verkostungen.
Die „Recicleta“ von Marionetas Apokellen – ein Hauch von Giro d’Italia oder Vuelta ciclista de Chile, anno 1900? Foto: Laura Giacomini
In der Steampunk-Welt treffen Vergangenheit und Zukunft aufeinander. Utopien und Paralleluniversen ziehen die Erfinder*innen, Zeppelin-Pilot*innen, Held*innen aus Schauerromanen und viele weitere an. Sie schöpfen ihre Inspiration aus dem viktorianischen Zeitalter, wie es wirklich war, bringen aber eigene Ideen ein und fügen dem Ganzen einen „Wie wäre die Welt geworden, wenn …?“-Blickwinkel hinzu. Authentisch und genau wie zur Zeit von Königin Viktoria – einer Zeit, die von wirtschaftlichem Aufschwung, aber auch von Doppelmoral, strengen Verhaltensnormen und Ausbeutung von Arbeitern gekennzeichnet war – kleiden sich nämlich die wenigsten Steampunks. So werden beispielsweise moderne Stoffe verwendet, Schnitte bequemer gestaltet, Röcke drapiert und hochgezogen, Korsetts über der Oberbekleidung getragen usw. Auch die verschiedenen Schaltschemen und Objekte werden häufig bemalt, um wie Kupfer oder Messing auszusehen, sind aber aus anderem Material, oft aus weggeworfenen Teilen oder Flohmarkt-Funden.