D‘Miseler Land brennt
Am Wochenende im Fokus: Hochprozentiges aus der Brennblase
17 Prozent, 33, 37,5, 45, 54 Prozent! Nein, das waren nicht die Aktienkurse aus den vergangenen Tagen. Vielmehr jedoch die Inhaltsangaben des Alkoholgehaltes bei edlen Bränden und Likören der heimischen Destillerien. Im Rahmen des alljährlich stattfindenden Events „D‘Miseler Land brennt“ hatten fünf Brennereien ihre Pforten geöffnet.
Beliebte Varianten, geeignet als Digestif nach einem ausgedehnten Mahl Foto: Herbert Becker
Neben den fünf registrierten Hauptbrennereien in Grevenmacher, Ahn, Niederdonven, Wormeldingen und Schwebsingen beteiligen sich seit geraumer Zeit auch Betriebe von der deutschen Mosel und erstmalig auch eine aus dem französischen Grenzgebiet an der „Journée d’Alambic“. Die althergebrachte Kunst des Brennens ist während der letzten Jahrzehnte arg in Schieflage geraten: mehr als 500 Brennereien im Großherzogtum haben den Betrieb eingestellt. Heute zählt man noch lediglich 20 aktive Distillerien, davon fünf im Hauptgewerbe.
Nahezu alle Obstsorten aus den Streuobstwiesen kommen in die Brennblase Foto: Herbert Becker
Was kommt dann so alles in die zumeist schlanken Flaschen? Die Bongerten bieten eine Vielzahl an Obstsorten, angefangen bei den Klassikern wie Quetsche, Mirabelle, Apfel oder Birne – diese Schnäpse sind vor allem noch immer bei den älteren Semestern beliebt – oft einfach nur zum Glas Bier oder auch als Digestif nach einem ausgedehnten Mahl.
Innovation ist gefragt
Da der Konsum an alkoholischen Getränken bekanntermaßen immer mehr abebbt, ist die jüngere Generation in puncto Brände stets auf der Suche nach neuen Kreationen: Mal ist der Gin hip, dann wieder der Rum en vogue. Da muss der Brenner, an den solche Wünsche oft herangetragen werden, schon experimentierfreudig sein und ein offenes Ohr für Innovatives haben.

Neben den klassischen klaren Bränden bieten die Destillerien auch Spezialitäten wie Whisky oder Rum Foto: Herbert Becker
Als Beispiel führen wir an dieser Stelle gerne die Distillerie Streng in der Moselmetropole Grevenmacher an. Pol Streng und seine Schwester Martine führen den Betrieb in bereits 4. Generation und punkten bei ihren Kunden unter anderem mit dem edlen Weinbrand „Severa“, der fünf Jahre im Eichenfass reift, oder mit einer beachtlichen Gin-Palette: Orange, Lemongrass, Cranberry oder Chili-Pamplemousse.
Immer wieder etwas Neues in petto haben auch Camille Duhr und seine Gattin Mariette Duhr-Merges aus Niederdonven. Seit 1862 wird hier mit Leidenschaft und Herzblut gebrannt. Hier gibt es nahezu nichts, was nicht den Weg in die Brennblase findet: Schléiwen, Ness, Neelchesbiren, Quidden, Hunneg, Kürbis, Framboise und vele mehr, entweder hochprozentig oder als Likör. Begehrt sind ihre Whiskys, zum Teil fünf oder zehn Jahre im Fass gereift, und seit vergangenem Jahr: Rum. Hier hatte Camille nichts dem Zufall überlassen, sich Rumfässer aus Barbados besorgt und das Zuckerrohr aus Brasilien. Die zweite Charge ruht und reift bereits in den Fässern.
Mariette hingegen beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Thema „Cocktails“. Was kann man mit seinen Bränden so alles mixen? Am Sonntag zu Gast war der professionelle Barmixer Marco Feltgen alias „Monsieur Modesto“. Mit ihm zusammen hat Mariette einige Cocktail-Variationen kreiert mit klangvollen Namen wie „De wuarmen Gin“, ein Glühgin auf Basis des Wintergins mit Weißwein, oder „Pink Fusioun“ mit Himbeerlikör, Weinbergspfirsich und Letz-Limo.
Welche Mengen dürfen gebrannt werden?
Auskunft erhalten wir auch über die Vorgaben bezüglich des Alkoholgehalts bei Bränden und Likören. Letztere variieren zwischen 17 und 33 Prozent. Bei den Bränden ist ein Minimum von 37,5 Prozent vorgegeben, das Gros bewegt sich hierbei zwischen 40 und 45 Prozent. Bekannt im Land ist aber auch ein Gin mit beachtlichen 54 Prozent. Weiter interessieren wir uns für die Frage: Wie viel Alkohol darf überhaupt im Betrieb verwendet werden? Wir wissen von den deutschen Nachbarn, dass hier die Menge reinen Alkohols auf 300 Liter pro Brennblase begrenzt ist, was hier auch zu einem stetigen Sterben von Destillerien führt, da es für viele nicht mehr lohnenswert ist. Im Großherzogtum hingegen dürfen 2.000 Liter pro Jahr je Brennlizenz verarbeitet werden.
Neben der Degustation der Erzeugnisse offerierten die teilnehmenden Betriebe ihren Gästen auch Schaubrennen, so zum Beispiel beim Präsidenten der Brennervereinigung, Josy Zenner in Schwebsingen. Auch bei André Weber in Wormeldingen und bei Max Lahr & Fils im „Schmaachgärtchen“ in Ahn gaben sich die passionierten Liebhaber die Klinke in die Hand. Zu einem edlen Brand gehören natürlich auch die passenden Gaumen- und Magenfreuden. Allerlei Deftiges kam auf den Tisch wie Flammkuchen, Scampi mit Gin flambiert oder Linsensuppe mit Mettwurst, Letztere aus der Brennblase.
Also gönnen wir uns doch, gerade jetzt, wo die kalte Jahreszeit Einzug hält, das ein oder andere Mal „eng gutt Drepp“!