„Paint is not infrastructure“

Acht Projekte in zwei Jahren: Diese Straßen werden in der Hauptstadt für Radfahrer und Fußgänger angepasst

Die Stadt plant bis Ende 2027 acht größere Projekte zur Verbesserung der Rad- und Fußgängerwege. Ziel ist ein sicheres und attraktives Mobilitätsnetz, das helfen soll, den Autoverkehr zu reduzieren. Was geplant ist und wie ProVelo sich dazu positioniert.

Fahrradfahrer fahren künftig auf der rechten Straßenseite in beide Richtungen – neue Verkehrsregelung für mehr Sicherheit

In Zukunft sollen Fahrradfahrer an dieser Stelle nur noch auf der rechten Seite fahren – und das in beide Richtungen Foto: Editpress/Georges Sold

In den kommenden zwei Jahren sollen in der Hauptstadt acht größere Projekte zur Förderung der Rad- und Fußgängerinfrastruktur verwirklicht werden. Dies kündigte Verkehrsschöffe Patrick Goldschmidt (DP) am Mittwochmorgen im Rahmen der monatlichen Pressekonferenz „City Breakfast“ an. Die Maßnahmen folgen dem allgemeinen Mobilitätsplan, der Mitte 2024 vorgestellt wurde. Daraus resultierten Goldschmidt zufolge eine Studie zur „Mobilité douce“, und die konkreten Projekte, welche die Stadt umsetzen könnte.

In Anbetracht des Stadtwachstums und dem damit verbundenen Verkehrsaufkommen will die DP-CSV-Koalition den Anteil der „Mobilité douce“ und des öffentlichen Nahverkehrs bis 2035 auf 51 Prozent erheben, sagte Goldschmidt. Aktuell liege der Anteil schätzungsweise bei 40 Prozent. Die neuen Wege sollen sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer „sicher, komfortabel, direkt kohärent und attraktiv“ sein, so die Prämisse.

Wenn ich die ganze Stadt rot färbe, dann wird das banalisiert

Patrick Goldschmidt

DP-Schöffe

Goldschmidt wiederholte mehrmals den Spruch von Interessenverbänden zur Fahrradinfrastruktur „Paint is not infrastructure“ (Farbe ist keine Infrastruktur). Diese bezieht sich eigentlich darauf, dass allein farbliche Markierungen auf dem Boden Radfahrer nicht vor dem motorisierten Verkehr schützen. Stattdessen sollten Fahrradwege räumlich und baulich von der Straße getrennt werden. Goldschmidt profitierte vom Spruch, um zu verdeutlichen, dass die Stadt nur gezielt Farben einsetze: „Es gibt viele Stellen, an denen wir keine Farbe verwenden, da wir möchten, dass es intuitiv ist“. Die Autofahrer sollen demnach durch gezielte Markierungen auf der Straße erkennen, dass sie aufpassen müssen. „Wenn ich die ganze Stadt rot färbe, dann wird das banalisiert“, sagte Goldschmidt. Er versicherte allerdings: „Wir werden Optionen finden, damit jeder zufrieden ist.“

Was ProVelo dazu sagt:

Monique Goldschmit Porträtfoto im Oktober 2025, professionelle Business-Person, moderne Kleidung, freundliches Lächeln

Monique Goldschmit im Oktober 2025 Foto: Editpress-Archiv/Julien Garroy

Der Interessenverband für Fahrradfahrer, ProVelo, traf sich bereits vor zwei Wochen mit Vertretern der Stadt Luxemburg. Die Präsidentin Monique Goldschmit erwähnte am Mittwoch gegenüber dem Tageblatt, dass sie eigentlich damit gerechnet hatte, eine Studie zur Radinfrastruktur vorgestellt zu bekommen. Dies habe ProVelo nämlich angefragt. Stattdessen wurden ihr die Bauprojekte vorgestellt.

„Das ist okay, aber uns fehlt ein Fahrradkonzept für die gesamte Stadt“, so die Präsidentin von ProVelo. Mit Blick auf die Baupläne sagte sie, dass ProVelo nicht die Expertise habe, diese zu beurteilen: „Wir sind keine Techniker, wir fordern nur, dass eine sichere Infrastruktur gebaut wird.“

Auf die Frage, wie ProVelo zum Einsatz von Farbe auf dem Boden stehe, sagte Goldschmit, dass sie den Experten vertraue. Sie bemängelte allerdings, dass durch die geplanten Projekte vorerst nur Lücken im Radnetz geschlossen werden.

„Wo will die Stadt hin? Wie viel Fahrradverkehr möchte die Stadt haben?“ Auf diese Fragen habe ProVelo noch keine Antworten bekommen, sagte Monique Goldschmit.

Romain Pax, Leiter des „Service de circulation“, erklärte, dass es darum gehe, die Fahrradfahrer aus dem Straßenraum zu entfernen. Diese Trennung werde räumlich gewährleistet, indem der Fahrradweg etwa auf Höhe des Bürgersteigs angehoben wird. An einigen Stellen sei es zudem möglich, die Fahrradspuren hinter bestehende Baumalleen zu verlegen.

Neben den acht vorgestellten Projekten plane die Stadt weitere bauliche Maßnahmen zur Vekehrsberuhigung, sagte Patrick Goldschmidt. Wenn das Fahrradnetz konsequent ausgebaut wird, könnte der Anteil der Radfahrer auf 18 Prozent steigen, so der Verkehrsschöffe. „Wir brauchen Menschen, die im urbanen Raum wohnen und auf das Auto verzichten, weil sie eine gute Alternative haben – mit dem Bus, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder durch die Kombination von all dem.“

Diese Projekte sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein

Zweirichtungsradweg im Bau am Boulevard Marcel Cahen, ersetzt aktuell Autoverkehr, nachhaltige Stadtmobilität sichtbar

Am Boulevard Marcel Cahen soll ein Zweirichtungsradweg entstehen, wo jetzt noch Autos fahren Screenshot: VDL/Machbarkeitsstudie

  • Boulevard Roosevelt: Derzeit müssen die Fahrradfahrer auf Höhe der „Gëlle Fra“ die Straßenseite wechseln. In Zukunft soll der Zweirichtungsradweg sich über den ganzen Boulevard ziehen. Die Verbindung zur Innenstadt wird über Fahrradampeln geregelt.
  • Avenue Jean-Pierre Pescatore: Auf einer Seite werden alle Parkplätze entfernt, um einen Zweirichtungsradweg zu ermöglichen.
  • Rue de Merl: Die Fahrradspuren werden angehoben und dadurch von der Straße getrennt. Eine Aufpflasterung der Kreuzungen soll zusätzlich zur Verkehrsberuhigung beitragen.
  • Boulevard Marcel Cahen: Eine Spur für den motorisierten Verkehr entfällt zugunsten eines Zweirichtungradwegs entlang der Baumallee. Die Geschwindigkeit wird auf 30 km/h begrenzt.
  • Rue de Trèves: Auch hier erfolgt eine Erhebung der Fahrradspur. Die Anpassung gilt als Vorbereitung für die Fertigstellung der Fußgänger- und Fahrradbrücke zwischen Cents und dem Kirchberg in zwei Jahren.
  • Rue Cents: Neben der erhobenen Fahrradspur werden die Parkplätze beim Feld entfernt.
  • Allée Pierre de Mansfeld: Die Parkstreifen entlang der Mauer werden entfernt, um Fußgängern mehr Raum zu geben.
  • Boulevard de Verdun und Boulevard Grande-Duchesse Joséphine-Charlotte: Ein Zweirichtungsradweg wird entlang der Baumreihe angelegt. Durch die neue Führung müssen laut Plan über ein Dutzend Bäume gefällt werden. Die Stadt plant dafür, an anderen Orten neue Bäume zu setzen.
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