Kino
A Sweet Movie: „The Sweet East“ von Sean Price Williams
Wenn Henry David Thoreau einen Hipster-Filmemacher-Ururenkel hätte, dann wäre es Sean Price Williams, der sich mit „The Sweet East“ in einer Art Walden-Update für die zeitgenössischen Vereinigten Staaten versucht. Der transzendentalistische Aspekt hinter dem Schreiben des US-Autors wird in diesem Debütfilm mit einer analogen „Couldn’t give a shit“-Attitüde gegenüber allen ideologischen Grundsätzen formuliert. Ein heidnischer Spaß.
Debütfilm von Sean Price Williams: „The Sweet East“ Quelle: imdb.com
Wir begegnen Lillian, einer schwerpubertierenden jungen Frau, die gerade auf Klassenfahrt in Washington DC ist. Die Klasse und Lillian „fuck around“ – im wortwörtlichen wie auch im umgangssprachlichen Sinne – und man ist sich nicht ganz sicher, ob man im falschen Film sitzt und sich nicht doch eine bräsige debile Sexkomödie der 1990er reinzieht. Ehe man sich aber eingrooven kann, geht alles Schlag auf Schlag. Wie in einem Fiebertraum stürmt ein junger Mann mitsamt Gewehr in ein Pizzalokal und hat vor, unter Kugelhagel den Pädophilenring im Keller des Restaurants zu durchlöchern – Pizzagate is real! Lillian versteckt sich auf dem Klo, wo sie von linksradikalen Anarchisten aufgegabelt und gerettet wird. Während einer schönen Musicalnummer, über die der Filmvorspann läuft, verliert Lillian jedoch ihr Smartphone und so startet für sie eine episodenhaft überraschende Odyssee entlang der Ostküste der USA. Auf diesem Roadtrip trifft sie – Roadmovie oblige – auf ein Sammelsurium an exzentrischen Figuren, die allesamt die modernen gesellschaftlichen Abgründe der USA personifizieren sollen.