Luxemburg-Stadt

110 Kameras sollen im Bahnhofsviertel dazukommen – Gemeinderat unterstützt den Plan

Seit Jahren setzt man in Luxemburg-Stadt auf den Einsatz von Kameras im Kampf gegen die Kriminalität. Nun soll das System auf 33 weitere Straßen ausgeweitet werden. Der Gemeinderat der Stadt spricht sich mit den Stimmen der Mehrheit positiv für die Pläne aus.

Überwachungssystem Visupol an mehreren Standorten im Stadtbild von Luxemburg sichtbar

Das Überwachungssystem Visupol gehört an verschiedenen Orten zum Stadtbild in Luxemburg Foto: Editpress/Julien Garroy

Der Bahnhof ist für viele das Tor zur Stadt – ein Ort des Ankommens, des Abschieds, des täglichen Pendelns. Doch rund um den Hauptbahnhof von Luxemburg wird seit Jahren nicht nur über Fahrpläne gesprochen, sondern vor allem über Sicherheit. Das Bahnhofsviertel gilt als „Hotspot“ der Kriminalität.

Politik und Polizei setzen unter anderem auf Videoüberwachung zur Abschreckung illegalen Verhaltens und zur Ermittlung möglicher Straftaten. Mehrere Hundert Kameras hängen bereits in den Straßen der Hauptstadt – etwa am Bahnhofsvorplatz, am Glacis, an der Brücke zwischen Oberstadt und Bahnhofsviertel sowie beim Fußballstadion. Nun soll die Überwachung im Bahnhofsviertel weiter ausgebaut werden.

Rund 30 weitere Straßen sollen hinzukommen, so der Plan des Innenministeriums. Die überwachte Fläche würde um 334.000 Quadratmeter wachsen. Doch bevor der Minister die endgültige Entscheidung trifft, müssen die Stellungnahmen des zuständigen Staatsanwalts, des Gemeinderats und der Beratenden Kommission für Menschenrechte eingeholt werden.

Mit den Stimmen der Mehrheit aus DP, CSV sowie ADR hat sich der Gemeinderat am Montagabend für einen positiven „Avis“ ausgesprochen. Auch „déi gréng“ unterstützten diesen – verbanden ihre Zustimmung jedoch mit deutlicher Kritik. LSAP enthielt sich, „déi Lénk“ stimmte dagegen.

Kein Überwachungsstaat gewünscht

Von den Oppositionsparteien wurden vor allem Bedenken hinsichtlich des Überwachungspotenzials angemeldet. François Benoy („déi gréng“) sprach von einer „Gratwanderung zwischen Grundrechten und Sicherheit“. Videoüberwachung sei kein „Allheilmittel“ gegen Kriminalität. Zudem bestehe die Gefahr einer Verlagerung: Wer am Bahnhof nicht mehr unbeobachtet dealen könne, weiche womöglich in andere Stadtteile aus.

Sowohl LSAP als auch „déi Lénk“ bemängelten, dass Kameras allein wenig an den Ursachen von Kriminalität und an den sozialen Nöten der Betroffenen änderten. Ohne verstärkte Investitionen in Sozialprojekte – etwa in der Drogenprävention – bleibe die Maßnahme Stückwerk. Auch die ADR sprach von „Symptombekämpfung“, forderte jedoch zugleich eine genauere Analyse der „Täterprofile“.

In den Reden der Mehrheitsparteien DP und CSV wurde deutlich, dass dies nicht die letzte Erweiterung der sogenannten Visupol-Fläche bleiben soll. Als mögliche nächste Etappen nannten die Fraktionssprecher Robert L. Phillipart (DP) und Bob Biver (CSV) unter anderem Bonneweg-Nord und das Stadtzentrum. Die Grünen machten hingegen klar, dass sie eine solche Ausweitung nicht mittragen würden. Zwar belegen Statistiken, dass die nun ins Auge gefassten Bereiche zu den Problemzonen zählen – eine flächendeckende Überwachung der gesamten Gemeinde lehnen sie jedoch ab.

Eine Motion von „déi gréng“, die Wirksamkeit der Kameraüberwachung wissenschaftlich prüfen zu lassen, wurde abgelehnt. Grüne, LSAP und Linke stimmten dafür, die ADR enthielt sich, die Mehrheit votierte dagegen. In den Augen von Bürgermeisterin Lydie Polfer liege eine solche Untersuchung nicht in der Verantwortung der Gemeinde.

Polfer sieht sich durch den positiven „Avis“ der Staatsanwaltschaft in ihrem Kurs bestätigt und zitierte mehrfach aus dem zustimmenden Schreiben. „Wir wissen, dass es kein Allheilmittel ist“, entgegnete sie der Opposition. „Ich kann Ihnen versprechen, dass wir nicht in einem Überwachungsstaat leben wollen.“ Wie hoch die Kosten für die neuen Kameras ausfallen werden, konnte die Gemeindeleitung allerdings noch nicht beziffern. Zunächst müssten die Wünsche und technischen Kriterien der Polizei abgewartet werden.

110 Kameras sollen im Bahnhofsviertel dazukommen – Gemeinderat unterstützt den Plan

Karte: Luxemburg-Stadt

Wechsel im hauptstädtischen Gemeinderat

Nachdem Linda Gaasch („déi gréng“) Anfang des Jahres eine politische Pause angekündigt hatte, nahm am Montag erstmals Fabricio Costa ihren Platz am Knuedler ein. Der 31-Jährige aus Pfaffenthal landete bei den Gemeindewahlen 2023 mit 5.702 Stimmen auf dem siebten Listenplatz der Oppositionspartei. Parteiintern war er unter anderem von 2022 bis 2024 Co-Sprecher von „déi jonk gréng“. „Wenn lokale Diskussionen funktionieren und die Sorgen und Nöte der Bürger und Bürgerinnen angegangen werden, dann kann das Vertrauen schaffen und den sozialen Zusammenhalt fördern“, sagte Fabricio Costa in seiner Antrittsrede am Montag im Sitzungssaal des Gemeinderats. „Die Menschen brauchen Zukunftsperspektiven. Dafür werde ich mich einsetzen.“ Besonders am Herzen liegen dem 31-Jährigen die Themen Geschäftswelt, Stadtentwicklung und Umwelt. So will er sich für die Stärkung lokaler Geschäfte, bezahlbaren Wohnraum, mehr Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie mehr Grünflächen starkmachen. Zudem spricht er sich für einen Bürgerrat aus, um die Bürgerbeteiligung zu stärken. (sas)

Porträt von Fabricio Costa, neu gewähltes Mitglied des Gemeinderats, in formeller Kleidung vor neutralem Hintergrund

Der neue Gemeinderat Fabricio Costa Foto: Editpress/Hervé Montaigu

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