Spanien
Wie zwei Katastrophen den guten Ruf des Schnellbahnnetzes zerstören
Es gab Zeiten, da konnten sich die Spanier fast darauf verlassen, dass ihre Schnellzüge pünktlicher waren als die Bahnhofsuhr. Wer mit dem AVE unterwegs war und mehr als fünf Minuten zu spät ankam, bekam auf bestimmten Strecken sein Fahrgeld zurück. Eine Garantie, von der Bahnreisende in anderen Ländern nur träumen konnten.
Unglückszug von Renfe AVE: Nach zwei schweren Zugunfällen schwindet das Vertrauen in die Sicherheit der Hochgeschwindigkeitszüge Foto: Javier Soriano/AFP
AVE steht für „Alta Velocidad Española“, spanische Hochgeschwindigkeit. Zugleich bedeutet das Wort auf Spanisch „Vogel“. Ein passender Name für einen Zug, der mit Tempo 300 durch die Landschaft fliegt. Spaniens Hochgeschwindigkeitszüge waren der Stolz der Nation. Schnell, bequem, zuverlässig. Und vor allem sicher.
Von diesem Glanz ist nach zwei verheerenden Zugkatastrophen innerhalb von nur neun Monaten nicht mehr viel übrig. Erst starben im Januar bei Adamuz in Andalusien 46 Menschen, als zwei Schnellzüge kollidierten. Nun kamen beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe dem Dorf Urda in der Provinz Toledo mindestens 69 Menschen ums Leben. Beide Unglücke ereigneten sich auf der Strecke zwischen Madrid und Sevilla, mit der Spanien vor 34 Jahren sein Hochgeschwindigkeitszeitalter eingeläutet hatte.