Das Singapur-Karussell
Wie Australiens Gas-Milliarden in den Tropen versickern
Australien ist einer der weltweit größten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG). Doch während die Weltmarktpreise Rekordhöhen erreichten, blieben die Steuereinnahmen im Land überraschend bescheiden. Der Grund ist ein juristischer Umweg über den Stadtstaat Singapur.
Das Handels- und Wirtschaftszentrum von Singapur, wo offenbar nach allen Regeln der Kunst „Steueroptimierung“ betrieben wird – zum Vorteil großer Konzerne, zum Nachteil staatlicher Haushalte Foto: Roslan Rahman/AFP
Vor der Küste von Gladstone im Bundesstaat Queensland liegen die Symbole des australischen Rohstoffbooms: Gigantische LNG-Tanker, die genug Flüssigerdgas fassen, um Millionenstädte wie Sydney oder Melbourne eine Woche lang zu versorgen. Doch der ökonomisch entscheidende Teil der Reise findet nicht auf dem Wasser statt, sondern auf dem Papier.
Das Ziel der Ladung ist physisch meist Japan, China oder Südkorea. Rechtlich jedoch wechselt das Eigentum oft bereits tausende Kilometer vorher den Besitzer – an eine Konzerneinheit in Singapur. Laut Jim Killaly, dem ehemaligen stellvertretenden Kommissar der australischen Steuerbehörde (ATO), ist dies kein logistischer Zufall. Singapur fungiere als Niedrigsteuerstandort, sagte er in einem Interview mit ABC. Killaly vergleicht die Praxis mit einem simplen, aber effektiven Manöver: „Es ist ein bisschen so, als würde man Geld aus einer Tasche nehmen und in die andere stecken.“ Mache man das zwischen Unternehmen, von denen eines in einem Steuerparadies sitzt, zahle man weniger australische Steuer.