USA
„Widerlich“ und „rassistisch“: Empörung über Trump-Video von Obamas als Affen
Die Sprecherin des Weißen Hauses findet, dass die amerikanischen Medien über etwas berichten sollen, dasfür die „amerikanische Öffentlichkeit tatsächlich relevant ist“ Foto: AFP / Nicholas Kamm
„Widerlich“, „abscheulich“ und „rassistisch“: Ein von US-Präsident Donald Trump veröffentlichtes Video über seinen früheren Amtsvorgänger Barack Obama (2009 bis 2017) und dessen Ehefrau Michelle hat parteiübergreifend heftige Kritik hervorgerufen. Der am Donnerstagabend (Ortszeit) in Trumps Onlinedienst Truth Social geteilte Clip zeigt den ersten afroamerikanischen Präsidenten und seine Frau als Affen. Das Weiße Haus wiegelte ab und sprach von „gespielter Empörung“.
Die kurze Szene mit den Obamas erscheint am Ende des gut einminütigen Videos. Die lachenden Köpfe von Michelle und Barack Obama sind auf Affenkörper montiert, sie tanzen vor einer Dschungel-Kulisse. Im Hintergrund läuft der Song „The Lion Sleeps Tonight“.
In dem Video geht es um vermeintliche Beweise für Manipulation bei der Präsidentschaftswahl 2020, die Trump gegen den Demokraten Joe Biden verloren hatte. Der Rechtspopulist behauptet bis heute wahrheitswidrig, der Wahlsieg sei ihm „gestohlen“ worden.
„Ein abscheulicher, gestörter und bösartiger Widerling“
Der Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien und Trump-Kritiker Gavin Newsom warf dem Präsidenten „widerliches Verhalten“ vor. Er rief alle Politiker von Trumps Republikanischer Partei auf, das Video sofort zu verurteilen. Newsom ist wie Obama Demokrat und gilt als möglicher Präsidentschaftskandidat bei den Wahlen 2028.
„Donald Trump ist ein abscheulicher, gestörter und bösartiger Widerling“, schrieb der Minderheitsführer der Demokraten im US-Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, im Onlinedienst X. „Jeder Republikaner muss Donald Trumps widerlichen Fanatismus sofort verurteilen“, forderte der Afroamerikaner.
Dies tat der republikanische Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina, selbst ein Schwarzer und eigentlich Trump-Anhänger: „Das ist die rassistischste Sache, die ich je aus diesem Weißen Haus gesehen habe“, schrieb er auf X. „Der Präsident sollte sie entfernen“, forderte Scott.
„Trump hat gerade ein Video auf Truth Social gepostet, das ein rassistisches Bild von Barack und Michelle Obama als Affen enthält“, schrieb auch die Gruppe Republikaner gegen Trump auf X. „Tiefer geht es nicht.“
Die Bürgerrechtsorganisation NAACP, die gegen Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe eintritt, kritisierte auf X, dass Trump sein Video ausgerechnet während des „Black History Month“ (Monat für die Geschichte der Schwarzen) veröffentlicht habe, der seit den 1970er Jahren jeden Februar in den USA begangen wird. Das sei „eine eindringliche Erinnerung daran, wie Trump und seine Anhänger Menschen wirklich sehen“. Die NAACP fügte mit Blick auf die Kongresswahlen hinzu: „Daran werden wir uns im November erinnern.“
Nicht relevant?
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, wies die Kritik zurück und verlangte von den Medien: „Bitte hört mit der gespielten Empörung auf und berichtet heute über etwas, das für die amerikanische Öffentlichkeit tatsächlich relevant ist.“
Die Szene mit den Obamas stammt nach ihren Angaben aus einem Internetvideo, in dem Trump „als König des Dschungels und die Demokraten als Figuren aus ‚Der König der Löwen‘ dargestellt werden“. Warum der Clip in das Video über Wahlmanipulation hineingeschnitten wurde, erklärte sie nicht.
Trump sieht die Obamas als Erzfeinde an und hatte sie immer wieder mit Schmähungen überzogen. So zweifelte er etwa einst die US-Staatsbürgerschaft Obamas an, der als Sohn einer US-Anthropologin und eines Ökonomen aus Kenia im US-Bundesstaat Hawaii geboren wurde.
Obama übt seinerseits oft scharfe Kritik an Trumps Politik. So verurteilte der Ex-Präsident Ende Januar die tödlichen Schüsse auf den US-Bürger Alex Pretti in Minneapolis durch Bundesbedienstete und nannte sie einen „Weckruf für jeden Amerikaner“.
Obama hatte in seinen beiden Amtszeiten von 2009 bis 2017 immer wieder mit rassistischen Stereotypen zu kämpfen, etwa in Cartoons. Die Verunglimpfung von Schwarzen als Affen ist aber bereits deutlich älter: In Nord- und Südamerika wurde sie von Sklavenhändlern verbreitet und später in den USA von Befürwortern der Rassentrennung.
Trump ist der erste US-Präsident, der im großen Stil Fotos und Videos veröffentlicht, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden. Er nutzt KI immer wieder, um politische Gegner zu schmähen und sich selbst zu überhöhen.