Balkanwinter

Vom Schnee-Chaos zur Jahrhundertsturmflut: Wetterextreme machen Südosteuropa zu schaffen

Im sonst so sonnigen Südosteuropa kommen die Rettungsdienste in diesem Winter der Extreme nicht zur Ruhe. Nicht nur ungewohnt heftige Schneefälle machen der Balkanhalbinsel zu schaffen: Die stärkste Sturmflut des Jahrhunderts hat an Kroatiens Adriaküste für Chaos und Verwüstung gesorgt.

Schneebedeckte Straßen in Belgrad, Serbien, nach starkem Schneefall Anfang Januar, Winterwetter in der Hauptstadt

Die serbische Hauptstadt Belgrad war bereits Anfang Januar von schweren Schneefällen betroffen Foto: Oliver Bunic/AFP

Auch am beschaulichen Mittelmeer können wüste Winterorkane wogen. Vom Meer überspülte Uferpromenaden, vollgelaufene Keller und Wohnstuben: Das Ausmaß der durch die stärkste Sturmflut dieses Jahrhunderts in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verursachten Verwüstungen sind an der kroatischen Adriaküste noch kaum absehbar.

„Ungeheure Wellen haben Dalmatien überflutet“, titelte am Donnerstag aufgeregt das Webportal index.hr in Zagreb. „Von einem beispiellosen Orkan“ mit „haushohen Wellen“, berichtete 24sata.hr. Keine guten Nachrichten für seine Leser hat auch das Portal der Zeitung Slobodna Dalmacija in der von dem Unwetter besonders getroffenen Region um die Hafenstadt Split, wo am Freitag erneut harte Sturmböen erwartet werden: „Fortsetzung des Wetterdramas! Kroatien erwartet das Meteo-Chaos.“

Solange sich das Wetter nicht beruhige und das Meer sich nicht zurückziehe, seien auch seine Einsatzkräfte „keine große Hilfe“, da sie nur das Wasser aus den von der Uferpromenade etwas weiter entfernten Häusern pumpen könnten, berichtete in der Nacht zu Donnerstag ratlos Darko Martic, der Feuerwehrchef der Küstenkommune Kastel unweit von Split: „In den Straßen steht das Wasser. Den Leuten wurde alles überschwemmt. Ich habe so etwas noch nie erlebt.“

Heftige Schneefälle

Tatsächlich können sich selbst professionelle Meeresbeobachter an derart wuchtige Fluten kaum erinnern. Von „über acht Meter hohen Wellen, so wie ein dreistöckiges Haus“, berichtet gegenüber dem Portal morski.hr Vojislav Sajn, Leuchtturmwärter auf der Insel Palagruza: „Wenn das Wetter derart schlecht ist, gehen wir aus Sicherheitsgründen nicht raus. Erst wenn sich das Meer beruhigt hat, werden wir sehen, welche Schäden es angerichtet hat.“

Der Winter der Extreme lässt die Katastrophenschutz-Dienste in Südosteuropa seit Jahresbeginn nicht zur Ruhe kommen. Zu Wochenbeginn wurden in Bulgarien und Rumänien nicht nur in den Karpaten, sondern selbst in der Hauptstadt Bukarest erneut heftige Schneefälle gemeldet. Bereits im Januar hatten Eisregen und Schneeorkane auf der Balkanhalbinsel grenzüberschreitend für Verkehrschaos, lahm gelegte Eisenbahnlinien und von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnittene Dörfer und Landstriche gesorgt.

Doch selbst in den Großstädten zeigen sich die kommunalen Räumungsdienste den Herausforderungen der winterlichen Wetterkapriolen nicht immer gewachsen: Nach mehreren Jahren mit eher milden Wintern scheinen nicht nur in Serbien hoffnungsfrohe Stadtväter den Unterhalt und Ankauf von Räumfahrzeugen und Streusalz grob vernachlässigt zu haben.

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