Hoher Verbrauch im Iran-Krieg
US-Abwehrraketen fehlen in der Ukraine
Der Ukraine fehlen im Krieg gegen Russland die US-Abwehrraketen: Bei den tödlichen Angriffen in der Nacht zum Mittwoch konnte keine einzige Rakete abgeschossen werden. In Kiew wächst die Sorge, dass die USA ihr Material im Krieg gegen den Iran verheizen, sodass die Ukraine leer ausgeht. Wie es um die Bestände in den USA steht.
US-Präsident Donald Trump hatte dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensky eine Lizenz zum Bau von Patriot-Raketen zugesagt Foto: Jens Büttner/dpa
Wie viele Abwehrraketen gibt es? Das US-Militär hat mit Patriot und THAAD zwei Systeme, die ballistische Raketen abschießen können. Schätzungen des Zentrums für Strategie- und Internationale Studien (CSIS) zufolge hatten die Streitkräfte vor ihrem Angriff auf den Iran am 28. Februar mehr als 2.300 Raketen vom Typ Patriot und mehr als 450 vom Typ THAAD. Seitdem haben sich die Bestände den Schätzungen nach etwa halbiert – oder sogar mehr.
Die US-Luftverteidigung gegen iranische Angriffe in der Golfregion und im Nahen Osten sei mit „hohen – aber nicht perfekten – Abfangraten“ größtenteils erfolgreich, urteilte CSIS. Dabei würden die Abwehrraketen aber „in hohem Maße“ eingesetzt.
Was sagt die Regierung in Washington? Offizielle Zahlen gibt es nicht. Das US-Militär habe „alles, was es braucht“, sagte ein Pentagon-Sprecher. „Wir haben in verschiedenen Kommandos mehrere erfolgreiche Einsätze ausgeführt und gleichzeitig sichergestellt, dass das US-Militär über ein breites Arsenal verfügt“, sagte er weiter.
Milliardenschwerer Vertrag bekannt gegeben
Mehrere US-Medien berichteten im Juli jedoch, Generalstabschef Dan Caine habe wegen der schrumpfenden Bestände Bedenken geäußert. Präsident Donald Trump sagte in der vergangenen Woche, die USA hätten „viel Munition verschiedener Arten“. Aber: „Von einigen der hochentwickelten Sachen hätten wir sicherlich gerne mehr.“
Gibt es Nachschub? Trumps Regierung drängt bei Rüstungskonzernen auf eine schnellere Produktion. „Fabriken werden gebaut. Sehr viel Ausrüstung wird produziert. Vor allem die Patriots werden produziert“, sagte Trump in der vergangenen Woche.
Das Pentagon und der Rüstungskonzern Lockheed Martin hatten im Juli einen 58,6 Milliarden Dollar (50,78 Milliarden Euro) schweren Vertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren bekannt gegeben. Lockheed Martin werde „wichtige Abfangraketen in ungekannter Geschwindigkeit an Krieger liefern“, teilte das Unternehmen mit.
Was heißt das für die Ukraine? Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drängte bei seinen westlichen Verbündeten am Mittwoch einmal mehr auf neue Patriot-Lieferungen. Unterstützer wie Großbritannien oder Deutschland müssten die Luftabwehrsysteme und -raketen aber ebenfalls in den USA kaufen, wenn sie die Ausrüstung an die Ukraine liefern wollen.
Größere Risiken für USA und Verbündete
Trump hatte Selenskyj beim NATO-Gipfel Anfang Juli eigentlich eine Lizenz zugesagt, mit der die Ukraine selbst Patriot-Raketen bauen könnte. In der vergangenen Woche zeigte sich der US-Präsident aber wieder zögerlich: Washington müsse bei einer solchen Entscheidung „sehr vorsichtig“ vorgehen.
Wo drohen noch Probleme? Das US-Militär verbrauche „jeden Tag“ weitere wertvolle Abwehrraketen, „obwohl weltweit noch andere Konflikte auf uns zukommen könnten“, sagte ein Senator der Demokratischen Partei, Chris Van Hollen, im US-Fernsehen. Dauerhaft niedrige Bestände sorgten dafür, dass die US-Armee und ihre Verbündeten größere Risiken eingehen müssen, erklärte auch die Denkfabrik CSIS.
Die Analysten am CSIS verweisen insbesondere auf ein „kurz- bis mittelfristiges Risiko für die Einsatzbereitschaft der USA in einem Krieg gegen China im Westpazifik“, etwa um Taiwan. China beansprucht den Inselstaat für sich und hält immer wieder Militärmanöver in der Nähe ab. Die USA verstehen sich als Schutzmacht Taiwans, außerdem ist die Insel wegen ihrer Lage strategisch wichtig.