Analyse von Joseph E. Stiglitz

Trumps unamerikanischer Kapitalismus: Die US-Republikaner setzen sich nicht mehr für die freie Marktwirtschaft ein

US-Präsident Donald Trump behauptet, die „sozialistischen“ Demokraten ins Amt zu wählen, hieße, die Vereinigten Staaten auf einen Weg ähnlich dem Venezuelas oder Kubas zu bringen. Doch wie so oft stehen Trumps eigene Handlungen in krassem Widerspruch zu dem, was er sagt und wofür seine Republikanische Partei angeblich steht.

Donald Trump spricht im Kapitol mit republikanischen Senatoren, die aufmerksam seinen Ausführungen folgen

Donald Trump mit republikanischen Senatoren im Kapitol: Er gibt den Ton an, sie folgen ihm Foto: Saul Loeb/AFP

Trumps GOP ist meilenweit davon entfernt, sich weiterhin für Kapitalismus und freie Marktwirtschaft einzusetzen. Sie unterstützt beides nicht mehr. Was den Kapitalismus amerikanischer Prägung bisher auszeichnete, war striktes Privateigentum an Unternehmen. Im Kapitalismus nach chinesischem und russischem Vorbild besitzt der Staat scheinbar gewöhnliche Unternehmen über korrupte Konstrukte, die letztlich den politischen Führungsspitzen und ihren Kumpanen dienen. Dabei handelt es sich um ein System, das wenig mit der Art von Wirtschaft zu tun hat, die man in einer Einführungsvorlesung in Volkswirtschaftslehre behandelt. Doch mittlerweile befinden sich die USA auf demselben Weg wie Russland und China.

Ich vertrete seit langem die Ansicht, dass es in der US-Wirtschaft mehr Spielraum für staatliche Eingriffe durch Industriepolitik gäbe, und dass in vielen Bereichen Regulierung erforderlich ist, um private Interessen und das Gemeinwohl in Einklang zu bringen. Dabei habe ich jedoch stets betont, dass solche Eingriffe institutionalisiert sein müssen und nach objektiven, transparenten Verfahren erfolgen sollten, die jeden Anschein politischer Begünstigung vermeiden.

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