USA

Trauerfeier für Charlie Kirk: Trump bekennt sich zum „Hass“

Es sind nicht viele Momente überliefert, in denen Donald Trump einmal um Verzeihung gebeten hätte. Solch ein seltenes Schauspiel konnten zehntausende Teilnehmer der Trauerfeier für den bei einem Attentat getöteten Aktivisten und Podcaster Charlie Kirk am Sonntag beobachten. „Sorry, Erika“, sagte Trump zu Kirks Witwe, es tue ihm leid.

Die Trauerfeier für den rechtsextremen Aktivisten Charlie Kirk hatte etwas von einer Heiligsprechung

Die Trauerfeier für den rechtsextremen Aktivisten Charlie Kirk hatte etwas von einer Heiligsprechung Foto: Patrick T. Fallon/AFP

Vermutlich braucht es eine Frau wie Erika Kirk, um Trump eine solche Beichte abzuringen. Die Witwe des erschossenen Trump-Unterstützers hatte die Vereinigten Staaten elf Tage nach dem Attentat auf ihren Mann zur Versöhnung aufgerufen. „Die Antwort auf Hass ist nicht Hass“, sagte Erika Kirk vor mehr als 60.000 Anhängern ihres Mannes im Footballstadion in Glendale im US-Bundesstaat Arizona. Die Antwort des Evangeliums sei Liebe. Deshalb vergebe sie dem Attentäter. „Das ist es, was Christus getan hat und was Charlie tun würde“, betonte die frühere Miss Arizona, in weiß gekleidet und mit einem Kreuz auf der Brust.

Trump sprach nach Erika Kirk als Schlussredner der rund sechsstündigen Veranstaltung. Der 79-Jährige machte schnell deutlich, dass er ihrem Appell nicht folgen wird. Charlie Kirk sei ein „Missionar mit einem edlen Geist“ gewesen, der seine Gegner nicht gehasst habe. „Da stimme ich mit Charlie nicht überein: Ich hasse meinen Gegner, und ich will nicht das Beste für ihn“, bekannte Trump.

Anders als Kirk spreche er auch nicht von gegnerischen „Linken“, sondern nenne sie „radikale Linke“, manchmal sogar „radikale linke Spinner“, fuhr Trump fort. „Es tut mir leid, Erika“, sagte er an die Witwe gerichtet. „Charlie ist wütend. Sieh nur, er ist jetzt wütend auf mich“, sagte der Präsident. Am Schluss nahm er Erika Kirk in die Arme und deutete gen Himmel.

Obama sieht USA am „Scheidepunkt“

Vor Trumps Rede hatte der Sänger Lee Greenwood seine bekannte Hymne „God bless the USA“ angestimmt. Während Trump Greenwood umarmte, skandierte die Menge „USA, USA“.

Eigentlich obliegt es einem US-Präsidenten, in Krisenmomenten das Land hinter sich zu sammeln. So appellierte Abraham Lincoln im März 1861 kurz vor dem Bürgerkrieg an die US-Bürger, „nicht Feinde, sondern Freunde zu sein“. Der Republikaner George W. Bush sprach nach den Anschlägen vom 11. September 2001 von einem „Angriff auf Amerika“, um die nationale Einheit gegen den Terror zu betonen.

Trump griff die Wortwahl Bushs auf und nannte das Attentat auf Kirk einen „Angriff auf die Vereinigten Staaten von Amerika“. Der Täter habe die Waffe gegen Kirk gerichtet, „aber die Kugel zielte auf uns alle“, betonte Trump. Damit endeten die Worte der Einheit allerdings auch schon. Er nannte Demonstranten „bezahlte Agitatoren“, sprach von „Radikalen und ihren Verbündeten in den Medien“ und drohte Chicago erneut mit einem Einsatz der Nationalgarde.

Der frühere Präsident Barack Obama von der Demokratischen Partei hatte Trump nach dem Attentat vorgeworfen, die USA weiter zu polarisieren, statt das Land zu versöhnen. „Wir sind an einem Scheidepunkt“, mahnte Obama.

„Wir haben ein Land zu retten!“

Bereits unmittelbar nach Kirks Tod hatte Trump „radikale Linke“ dafür verantwortlich gemacht. Seitdem kündigte er ein verschärftes Vorgehen gegen politische Gegner und kritische Medien an.

Am Vorabend der Trauerfeier rief Trump Justizministerin Pam Bondi auf, gegen führende Vertreter der Demokraten vorzugehen, die in der Vergangenheit an Ermittlungen gegen ihn beteiligt waren. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sagte daraufhin, die USA seien unter Trump auf dem „Weg zur Diktatur“.

Bei der religiös aufgeladenen Trauerfeier für Charlie Kirk gab es außer Erika Kirks Rede wenige Hinweise darauf, wie die US-Bürgerinnen und Bürger wieder zusammenfinden könnten. Stattdessen riefen einige Redner im Namen Kirks zu einer „spirituellen Kriegsführung“ gegen Andersdenkende auf oder appellierten an die Menge: „Wir haben ein Land zu retten!“

Trump selbst fasste Kirks Verdienste so zusammen: „Unser größter Evangelist für amerikanische Freiheit wurde unsterblich. Er ist jetzt ein Märtyrer für die amerikanische Freiheit.“

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