USA
Elon Musk will mit SpaceX zu Rekord-Börsengang abheben
In den USA steht der voraussichtlich größte Börsengang der Geschichte bevor: Tech-Milliardär Elon Musk will mit seinem Raumfahrtkonzern SpaceX am 12. Juni alle bisherigen Aktiendebüts in den Schatten stellen.
SpaceX, zu deren Kunden auch die Luxemburger SES zählt, will den Investoren eine grosse Vision verkaufen Foto: Getty Images via AFP/Brandon Bell
Nach Angaben der Börsenaufsicht SEC vom Mittwoch will Musk mit dem Börsengang rund 75 Milliarden Dollar (64 Milliarden Euro) einsammeln und eine Konzernbewertung von 1,765 Billionen Dollar erreichen.
Händler fiebern dem Börsengang bereits seit Wochen entgegen. „Rund 14 Milliarden Dollar sind in Fonds mit SpaceX-Bezug geflossen, seit Musk den Börsengang bestätigt hat“, schreiben zwei britische Börsenbeobachter unter dem Nutzerkonto GagolaValueCapital im Onlinedienst X. „Das hat es noch nie gegeben.“
Ab Donnerstag steht zunächst die sogenannte Roadshow an: Führungskräfte von SpaceX reisen von Stadt zu Stadt und schalten sich zu Videokonferenzen hinzu, um das Unternehmen großen institutionellen Investoren wie Pensionsfonds oder Hedgefonds vorzustellen – aber auch privaten Kleinanlegern.
Am 12. Juni will Musks Konzern dann unter dem Kürzel SPCX an der Technologiebörse Nasdaq abheben. Dann kann auch die breite Masse Aktien des Konzerns mit Sitz in Starbase im US-Bundesstaat Texas zeichnen. Nach Angaben der US-Börsenaufsicht will SpaceX mehr als 555 Millionen Aktien zum Einheitspreis von 135 Dollar ausgeben.
Musk, der jetzt bereits mit großem Abstand reichste Mann der Welt mit einem Vermögen von mehr als 800 Milliarden Dollar, will seine Macht damit ausbauen. Er will weiterhin Vorstandschef von SpaceX bleiben, Technikchef sowie Verwaltungsratsvorsitzender.
Musk will rund 85 Prozent der Stimmrechte
Dem kürzlich veröffentlichten Börsenprospekt zufolge will Musk künftig rund 85 Prozent der Stimmrechte kontrollieren und 42 Prozent des Aktienkapitals halten. SpaceX räumt in den Unterlagen ein, dass Musk damit eine herausragendere Stellung haben wird als in anderen börsennotierten Unternehmen üblich.
Neben der Machtkonzentration bei Musk sehen Wissenschaftler aber auch finanzielle Risiken. Kleinanleger sollten jedoch beachten, dass bei spektakulären Börsengängen der erste Handelstag mitunter turbulent verläuft und meist noch unklar ist, wie sich das Unternehmen später im Börsenalltag schlägt.
Nach Einschätzung von Ludovic Phalippou von der Said Business School an der britischen Universität Oxford beispielsweise hat das Unternehmen den „größten Wachstumsschub“ bereits hinter sich. Bis die breite Öffentlichkeit die Gelegenheit erhält, sich zu beteiligen, könnten daher jene Wachstumskurven, die etwa frühe Investoren der heutigen Technologieriesen Google oder Amazon reich machten, bereits der Vergangenheit angehören.
Und auch die angestrebte Bewertung von 1,75 Billionen Dollar, was SpaceX zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt machen würde, wirft für manche Beobachter Fragen auf. „Ein großartiges Unternehmen bedeutet nicht zwangsläufig eine großartige Investition“, sagt auch Jay Ritter, Experte für Börsengänge an der Universität Florida. Wenn die Bewertung zu hoch sei, drohe eine Bruchlandung. „Genau das bereitet mir bei SpaceX Sorgen“, sagt Ritter.
Fragen zu Bewertung und Wachstumspotenzial
Denn die Finanzlage von Musks Konzern ist durchwachsen, wie jüngst veröffentlichte Unterlagen der Börsenaufsicht SEC zeigen. Demnach schrieb SpaceX zuletzt einen Milliardenverlust – rechnet aber dennoch mit potenziell astronomischen Umsätzen. Laut Börsenprospekt lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei 18,7 Milliarden Dollar (umgerechnet knapp 16,1 Milliarden Euro) – das ist weniger, als beispielsweise die Dax-Unternehmen Heidelberg Materials oder Adidas erzielten. Zugleich verbuchte SpaceX durch massive Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) und in die Entwicklung von Raketen der nächsten Generation einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar.
Das Satellitennetzwerk Starlink, über das SpaceX insbesondere Internetdienste anbietet, steht bislang für den Löwenanteil des Umsatzes: 2025 waren es 11,4 Milliarden Dollar – fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar schreibt dagegen der Bereich Künstliche Intelligenz (KI), zu dem xAI und die Online-Plattform X (ehemals Twitter) gehören. Musks Unternehmen liefert sich einen erbitterten KI-Wettlauf mit finanzstarken Konkurrenten wie Google, Meta oder Amazon und investiert mit Hochdruck in den Ausbau von Rechenzentren.
Laut dem Börsenprospekt strebt Musk den Bau von Rechenzentren im Weltraum an – eine Strategie, die SpaceX für die einzig realistische hält, um dank Sonnenenergie in der Erdumlaufbahn den rasant steigenden Strombedarf für KI zu decken. Bereits 2028 soll demnach mit dem Einsatz von Satelliten begonnen werden, um langfristig 100 Gigawatt Rechenkapazität pro Jahr in die Umlaufbahn zu bringen – eine Aufgabe, die tausende Raketenstarts pro Jahr und den Transport von rund einer Million Tonnen Nutzlast in den Orbit erforderlich machen würde. Das hört sich zu fantastisch an, um wahr zu sein. Doch Musk hat bereits andere Projekte umgesetzt, an die kaum jemand geglaubt hat.
Den Raumfahrtmarkt dominiert SpaceX mit seinen Trägerraketen, mit der US-Raumfahrtagentur NASA hat Musk lukrative Verträge abgeschlossen. Das Vorzeigeprojekt, die 124 Meter hohe Riesenrakete Starship, absolvierte nach Verzögerungen erst Ende Mai einen erfolgreichen Testflug, wenn auch mit kleineren Pannen. Auf Starship setzt die NASA bei ihrem Plan, erstmals seit gut einem halben Jahrhundert wieder Menschen zum Mond zu bringen. Das reicht Musk jedoch nicht aus: Er will eine Mission zum viel weiter entfernten Mars.