Tödliche Sturzflut im Himalaya
Suche nach Vermissten inmitten neuer Gefahrenwarnungen geht weiter
Über tausend Menschen gelten in Nepal weiterhin als vermisst, die Zahl der Toten steigt auf über 500. Die Bergungsarbeiten gehen inmitten neuer Warnungen unterdessen weiter.
Hunderte Menschen konnten der tödlichen Schlammlawine nicht entkommen Foto: AFP
Zwei Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya mit mehr als 540 Toten haben Einsatzkräfte in Nepal und Tibet weiter nach Überlebenden gesucht. Der Einsatz in den Schlammmassen am Freitag erfolgte inmitten von Warnungen vor neuen Überschwemmungen. Mehr als 1.400 Menschen werden noch vermisst.
In Nepal stieg die bestätigte Zahl der Toten laut Katastrophenschutz auf 538. Chinesischen Staatsmedien zufolge stieg die Zahl der Toten in Tibet auf fünf. In Indien wurden zudem laut Behörden sieben Leichen aus Flüssen geborgen, die im oberen Verlauf Nepal durchqueren. Insgesamt könnten nach Angaben der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften fast 93.000 Menschen von den Folgen der Sturzflut betroffen sein.
1.400 Vermisste
Mehr als 1.400 Menschen galten weiterhin als vermisst, unter ihnen hunderte Ausländer. Laut dem chinesischen Staatssender CCTV wurden bislang 499 Einwohner sowie 555 Touristen, die in dem Katastrophengebiet festsaßen, in Sicherheit gebracht. Bei der Suche nach Verschütteten kamen demnach Drohnen, Wärmebildkameras und 3-D-Modelle zum Einsatz. Die Rettungskräfte gruben jedoch auch mit bloßen Händen nach Verschütteten.
Am Mittwoch war eine riesige Sturzflut aus Wasser, Schlamm und Geröll fast 170 Kilometer weit entlang zweier Flüsse durch Nepal geströmt und hatte dabei ganze Ortschaften mitgerissen. Ursache war nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS ein Gletscherabbruch.
Warnung vor neuen Überschwemmungen
Die Polizei in Nepal warnte angesichts von Berichten über einen Dammbruch in Tibet vor neuen Überschwemmungen im Katastrophengebiet. Einsatzkräfte und Bürger wurden aufgefordert, wachsam zu bleiben und sich sofort an einen sicheren Ort zu begeben. Es lägen Informationen vor, wonach auf der tibetischen Seite Wasser aus einem See ausgetreten sei, der durch den Gletscherabbruch entstanden sei.
In China war bereits in der Nacht gewarnt worden, es bestehe ein „hohes Risiko“ für erneute Überflutungen. In Tibet unterbrachen die Einsatzkräfte ihre Arbeit vorübergehend. Später berichteten Staatsmedien, die Risiken nähmen allmählich ab, die Rettungsmaßnahmen verliefen „geordnet“. Gut 20 Einsatzkräften gelang es später, in das am schlimmsten betroffene Gebiet um Gyirong vorzudringen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Dort wollten sie nach hunderten Vermissten suchen.
Hoffnung auf ein Lebenszeichen
Die nepalesische Armee bemühte sich um die Rettung von etwa hundert Menschen, die in einem Tunnel einer Stausee-Baustelle festsaßen. Der Einsatz mit zwei Hubschraubern an der Baustelle am Fluss Trishuli sei schwierig, weil sich selbst die Ortung der Zugangswege in den Tunnel nicht einfach gestalte, sagte ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur AFP. Das Büro des nepalesischen Regierungschefs erklärte, ein Armee-Team habe unter schwierigsten Bedingungen vorerst 350 Arbeiter und Bewohner gerettet.
Viele Menschen hofften verzweifelt auf Nachricht von vermissten Angehörigen. In einem provisorischen Krankenhaus in Nepal sagte Kula Priya, sie habe durch die Katastrophe alles verloren und wisse auch nicht, wo ihr ältester Sohn ist. „Wohlstand ist mir nicht wichtig. Ich will nur meinen Sohn zurück“, sagte sie. „Wenn irgendjemand ihn für mich retten kann, bitte tut das für mich.“
Nepal bat international um finanzielle Unterstützung. Die Entsendung von Einsatzkräften sei jedoch nicht nötig.