Geschichte

Coudenhove-Kalergi, Vordenker der EU: Vor 100 Jahren fand der erste Paneuropa-Kongress statt

Der Name „Europa“ entstammt der griechischen Mythologie. Göttervater Zeus hatte sich in Europa, die Tochter von König Agenor, verliebt. Als weißer Stier verkleidet entführte er die phönizische Prinzessin nach Kreta. Der Kontinent Europa war geboren.

Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi erhielt 1950 in Aachen den ersten Karlspreis, war aber auch nicht unumstritten

Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi erhielt 1950 in Aachen den ersten Karlspreis, war aber auch nicht unumstritten Credit: Fotograf unbekannt, Public domain, via Wikimedia Commons

Jahrtausende vergingen, bis erste Vorstellungen eines geeinten Europas aufkeimten. Wohl legte Robert Schuman mit seiner Erklärung vom 9. Mai 1950 den definitiven Grundstein für eine Europäische Union, doch sollten verschiedene frühere Initiativen die nötigen Bauelemente liefern. Bereits im 14. Jahrhundert forderte der Schriftsteller und Anwalt Pierre Dubois (ca. 1255-1321) einen allgemeinen Frieden in Europa. William Penn (1644-1718) formulierte in seinem „Essay towards a present and future peace in Europe“ ähnliche Überlegungen. Im „Zum ewigen Frieden“ setzte Immanuel Kant (1724-1804) im Jahr 1795 erste Akzente für ein föderales Europa. Der deutsche Publizist Konrad von Schmidt-Phiseldek (1770-1832) griff mit seinen Forderungen für die Aufhebung aller Beschränkungen des Warenverkehrs in Form von Zöllen, der Freizügigkeit der Personen sowie der Bildung eines gemeinsamen Heeres den hehren Zielen der EU weit voraus! Der französische Philosoph Claude-Henri de Rouvroy de Saint-Simon (1760-1825) galt mit seiner im Jahr 1814 verfassten „Reorganisation der europäischen Gesellschaft“ als Verfechter eines rein europäisch konzipierten Völkerbundes.

Als besonders visionär zeigte sich Victor Hugo (1802-1885) anlässlich der Pariser Friedenskonferenz im Jahr 1849, als er ein konkretes Bild von einem vereinten Europa zeichnete, das notfalls mittels einer Revolution erreicht werden sollte! Anstelle des Nationalgefühls sah er den Geist Europas. Wichtigster Partner waren für ihn die USA. Sowohl Kant als auch Hugo und der italienische Revolutionär Giuseppe Mazzini (1805-1872) waren der Meinung, ein Zusammenschluss der europäischen Staaten setze ihre Republikanisierung voraus. Der Plan einer „Europäischen Union“ des Predigers Eduard Baltzer (1814-1887) stammt aus den 1880er Jahren. Um die Jahrhundertwende sprach der russische Soziologe Jacques Novicow (1849-1912) sogar von einer „Föderation Europas“. Friedrich Nietzsche (1844-1900) lehnte alles Nationalstaatliche ab. An dieser Stelle sei auch an die hervorragende Arbeit von Claude D. Conter, dem Direktor der Luxemburger Nationalbibliothek, „Jenseits der Nation – das vergessene Europa des 19. Jahrhunderts: die Geschichte der Inszenierungen und Visionen Europas in Literatur, Geschichte und Politik“, erinnert.

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