Nahost
Strategiewechsel mit erheblichen Risiken
Seit Tagen greifen sich israelische Streitkräfte und die radikalislamische Hamas mit unerbittlicher Härte an. Fast 200 Menschen wurden auf beiden Seiten bereits getötet. Während die Hamas die bewaffnete Auseinandersetzung mit Israel zu nutzen versucht, um sich im innerpalästinensischen Konflikt gegen die rivalisierende Fatah durchzusetzen, hat Israel eine drastische Schwächung der Hamas zum Ziel. Die Strategien beider Konfliktparteien bergen erhebliche Risiken – auch über Israel und die Palästinensergebiete hinaus.
Ein Mädchen wurde aus den Trümmern eines von der israelischen Luftwaffe zerstörten Gebäudes im Gazastreifen lebend geborgen Foto: Mahmud Hams/AFP
„Die Hamas will sich als wichtigster Garant für die Rettung der Palästinenser und vor allem von Jerusalem präsentieren“, sagt die auf die arabische und muslimische Welt spezialisierte Brüsseler Politikwissenschaftlerin Leila Seurat. Ziel der Hamas sei es, das Vertrauen in den bereits stark geschwächten Palästinenser-Präsidenten Mahmud Abbas von der gemäßigten Fatah-Partei zu untergraben. Zu diesem Zweck versuche die Hamas auch, sich die derzeitigen Proteste in Ost-Jerusalem zunutze zu machen, sagt Seurat. Die „Kontrolle“ über diese Proteste habe sie aber nicht.