Präsidentenwahl in Portugal

Portugiesen erteilen Trump-Bewunderer eine Absage – Triumph für gemäßigten Sozialisten António Seguro

Überflutete Straßen, evakuierte Ortschaften – und ein politischer Befund, der in Europa inzwischen zur Ausnahme geworden ist: Die Portugiesen haben am Sonntag mit überwältigender Mehrheit einen progressiven Politiker zum Staatspräsidenten gewählt.

Antonio Jose Seguro, neu gewählter sozialistischer Präsident Portugals, spricht nach Stichwahl-Ergebnis am 8. Februar 2026 in Lissabon

Der neu gewählte sozialistische Präsident Portugals, Antonio José Seguro, spricht nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Stichwahl am 8. Februar 2026 in Lissabon mit Medienvertretern und Anhängern Foto: Patricia De Melo Moreira/AFP

Während in vielen europäischen Staaten konservative und rechtsnationalistische Kräfte auf dem Vormarsch sind, holte in Portugal der Sozialist Antonio José Seguro mit 66,8 Prozent einen klaren Sieg. Der rechtspopulistische Herausforderer André Ventura, ein Bewunderer Donald Trumps, landete weit abgeschlagen bei 33,2 Prozent.

„Die Sieger sind die Portugiesen und die Demokratie“, sagte Seguro nach seinem Triumph. „Mit großer Demut, tiefer Emotion und im Vertrauen auf die Unterstützung der Portugiesen nehme ich das Amt des Präsidenten der Republik an.“ Das Amt des portugiesischen Staatschefs ist nicht nur repräsentativ, sondern mit Macht ausgestattet: Das Staatsoberhaupt ernennt den Regierungschef, kann Gesetze mit einem Veto stoppen, das Parlament auflösen und Neuwahlen ansetzen.

Dass diese Wahl von schweren Unwetterschäden überschattet wurde, verlieh ihr eine besondere Dramatik: Da Teile des Landes seit Tagen mit Überschwemmungen, Stromausfällen und zerstörter Infrastruktur kämpften, ging es politisch weniger um Programme als um eine Grundfrage: Wem trauen die Portugiesen in einer Krise Führung, Ordnung und Verlässlichkeit zu? Mindestens 14 Menschen sind im Hochwasser und Sturm ums Leben gekommen. In mehreren Wahlkreisen musste der Urnengang auf den 15. Februar verschoben werden. Besonders hart traf es das Zentrum des Landes sowie die Regionen Lissabon und Alentejo.

Ruhender Pol

In diesem Ausnahmezustand gewann Antonio José Seguro an Profil. Der sozialdemokratisch orientierte Sozialist, 63, stellte sich nicht als Ideologe, sondern als ruhenden Pol dar – als Garant institutioneller Stabilität und eines handlungsfähigen Staates. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis konnte er zwei Drittel aller Stimmen hinter sich vereinen. Das ist ein ungewöhnlich klares Bild für eine europäische Präsidentenwahl in diesen unruhigen Zeiten. Bemerkenswert ist dabei, dass Seguro nicht nur das progressive Lager mobilisierte, sondern auch Zustimmung aus der bürgerlichen Mitte und von gemäßigten Konservativen erhielt.

Dass der frühere Vorsitzende der Sozialistischen Partei in Portugal nun auch viele Stimmen weit über das linke Spektrum hinaus einsammeln konnte, lag weniger an programmatischen Zuspitzungen als an bewusster Zurückhaltung. Seguro verzichtete im Wahlkampf auf ideologische Schlagworte und Polarisierung. Begriffe wie „Sozialismus“ oder „Umverteilung“ spielten bei ihm keine Rolle. Stattdessen sprach er von Verantwortung und Effizienz – vom Staat als schützender Instanz für alle Bürger. Und er versprach, „Präsident aller Portugiesen“ zu sein.

Diese staatsmännische Tonlage machte ihn für viele Wähler akzeptabel, von denen die Mehrheit in dieser Stichwahl offenbar vor allem eines wollte: eine klare Absage an den Rechtspopulismus. Dabei kam Seguro zugute, dass er als gemäßigter Kandidat auch von mehreren prominenten Politikern aus dem liberalen und konservativen Lager unterstützt wurde – ein in Portugal seltenes, fast historisches Bündnis. „In einer Zeit großer Unsicherheiten und ernster Bedrohungen braucht Portugal einen Präsidenten mit gesundem Menschenverstand und Glaubwürdigkeit“, sagte der frühere konservative Staatspräsident Anibal Cavaco Silva.

Comeback skeptisch betrachtet

Der moderate Sozialist Seguro ist kein politischer Neuling, sondern ein Rückkehrer. Er war Minister unter Ex-Premier Antonio Guterres, saß im nationalen und im Europäischen Parlament und führte zeitweise die Sozialistische Partei. Nach innerparteilichen Niederlagen zog er sich zurück, lehrte als Hochschuldozent für Staatstheorie. Sein Comeback kam nun für viele überraschend – und wurde selbst im eigenen Lager skeptisch betrachtet. Doch Seguro gelang es, die Wähler anzusprechen, ohne sie mit radikaler Rhetorik zu verschrecken. Ein Stil, der auch dem jetzt ausscheidenden konservativen Präsident Marcelo Rebelo de Sousa zu Beliebtheit verhalf.

Für den unterlegenen Rechtspopulisten André Ventura bedeutete diese Stichwahl dennoch einen politischen Erfolg. Ventura hatte im Wahlkampf auf harte Angriffe gegen Minderheiten, Migranten und das politische Establishment gesetzt. Der 43-jährige Vorsitzende der rechtsnationalistischen Partei Chega hatte es erstmals in die zweite Runde einer Präsidentschaftswahl geschafft – ein Durchbruch für die Rechtspopulisten, die in der letzten Parlamentswahl bereits hinter der konservativen Demokratischen Allianz des regierenden Premiers Luís Montenegro zweitstärkste Fraktion wurden.

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