Präsidentenwahl
Polens Staatsfernsehen TVP hetzt mit Propaganda gegen den liberalen Herausforderer des konservativen Amtsinhabers
„Hilfe, Fäkalien dringen in meine Wohnung!“, ruft ein Mann und über den Bildschirm flimmern trübe Wasser. Die ganze Straße ist überschwemmt, ein Schnitt und es sprudelt braun aus einem Wohnungs-WC. Schnell wird klar: Das polnische Staatsfernsehen TVP ist auf Wahlkampfmission. Am Sonntag wird in einer Stichwahl ein Staatspräsident gewählt, und ausgerechnet der liberale Warschauer Oberbürgermeister will den konservativen Amtsinhaber verdrängen.
Er hat unter anderem das polnische Staatsfernsehen gegen sich: Rafal Trzaskowski, der liberale Bürgermeister von Warschau, fordert den Amtsinhaber Andrzej Duda bei der Stichwahl um die Präsidentschaft heraus Foto: Janek Skarzynski/AFP
Und so hat ein Warschauer Gewitter die meiste Zeit der beiden Wahlkampfwochen vor der Stichwahl in Polen beherrscht – zumindest für jene Millionen, die den Staatssender TVP schauen. Der erst kürzlich mit einer 440-Millionen-Euro-Sondersubvention bedachte Staatssender ist in der Provinz und in vielen Rentnerhaushalten nebst „Radio Maryja“ oft der einzige Nachrichtenlieferant. Jeden Tag werden in den beiden Abendnachrichten die Bilder der angeblich ertrinkenden Hauptstadt wiederholt. „Bürgermeister Trzaskowski war nicht in Warschau“, erklärt jeweils ein Sprecher. Dazu wird immer auch an eine Störung in der Kläranlage „Czajka“ vom vergangenen Sommer erinnert, und die damaligen Fäkalien – manchmal auch tote Fische - gezeigt. Schuld an allem ist Rafal Trzaskowski, der unfähige Bürgermeister, so der Unterton, der nun Wahlkampf macht, anstatt seiner Stadt beizustehen.