Alexei Mordaschow

Oligarch mit Luxemburg-Connections lotst seine Yacht unbehelligt durch Straße von Hormus

Eine Luxusyacht eines sanktionierten Oligarchen passiert die Straße von Hormus. Ihr Eigner war einst Luxemburgs Honorarkonsul.

Segelboot Die Nord 2022 vor der Skyline von Hongkong bei ruhigem Wetter auf dem Wasser

Die „Nord“, hier im Jahr 2022 vor Hongkong Foto: AFP

Die Luxusyacht „Nord“ durchquerte am vergangenen Samstag die Straße von Hormus. Unbehelligt. Jene Meerenge am Eingang zum Persischen Golf, die seit dem Ausbruch des US-iranischen Konflikts im Februar für den Großteil des Schiffsverkehrs gesperrt ist. Das mehr als 65 Meter lange Schiff, auf über 500 Millionen Dollar geschätzt, fuhr unter russischer Flagge. Weder der Iran noch die USA erhoben Einwände. „Iran hat das Schiff nicht aufgehalten, da es sich um ein ziviles Fahrzeug eines befreundeten Landes handelt“, erklärte ein der Eignerseite nahestehender Sprecher gegenüber dem Guardian. Die britische Zeitung hatte zuerst von der Passage berichtet.

Eigner der „Nord“ ist Alexei Mordaschow, russischer Stahlmagnat, Vorsitzender des Severstal-Konzerns und laut Forbes derzeit wieder reichster Russe mit einem geschätzten Vermögen von 37 Milliarden Dollar, abgesehen von Wladimir Putin höchstselbst natürlich. Seit der russischen invasion der Ukraine im Februar 2022 steht er auf der EU-Sanktionsliste: Einreiseverbot, eingefrorene Vermögenswerte. Seine Yacht fährt dennoch, wohin sie will.

Ein alter Bekannter

In Luxemburg ist Mordaschow kein Unbekannter. 2006 holte der damalige Wirtschaftsminister Jeannot Krecké (LSAP) ihn als „weißen Ritter“ gegen die feindliche Übernahme von Arcelor durch den indischen Stahlbaron Lakshmi Mittal. Das Arcelor-Management unterstützte Krecké, doch der Plan scheiterte an den Aktionären. Mordaschow kassierte 140 Millionen Euro Entschädigung. Nachtragend war der Oligarch nicht: Noch im selben Jahr übernahm er das Amt des luxemburgischen Honorarkonsuls für die nordrussische Region Vologda und Tscherepowez. Außenminister Jean Asselborn (LSAP) machte ihn zum hochrangigen Ansprechpartner für luxemburgische Unternehmen. 2017 ehrte Luxemburg ihn mit dem Orden des Verdienstes des Großherzogtums.

Mordaschow war damit Teil eines Musters. Luxemburg hatte in jenen Jahren ein dichtes Netzwerk russischer Honorarkonsuln aufgebaut — fast ausnahmslos Oligarchen aus Putins Umfeld. Dirigent Waleri Gergijew wurde 2009 Konsul in St. Petersburg, Sistemа-Chef Wladimir Jewtuschenkow in Jekaterinburg. Der damalige Premierminister Jean-Claude Juncker verlieh das Amt, Asselborn vereidigte, Krecké und später sein Protégé und Nachfolger Etienne Schneider pflegten die Kontakte. Der Journalist Pierre Sorlut hat die Seilschaften in einem sehr lesenswerten Artikel für das Lëtzebuerger Land im April 2022 nachgezeichnet.

Als die EU ihn nach dem Einmarsch in die Ukraine sanktionierte, verschwand Mordaschows Name kommentarlos aus der Konsulsliste — keine Pressekonferenz, keine parlamentarische Erklärung. Zum Vergleich: Die Beendigung von Gergijews Mandat hatte Außenminister Asselborn noch öffentlich vor dem Parlament verkündet.

Die Büchse der Pandora

Sie waren spät dran. Denn was die Pandora Papers kurz zuvor ans Licht gebracht hatten, hätte eigentlich Fragen aufwerfen müssen. Das Investigativmagazin reporter.lu berichtete, wie PwC Mordaschow beim Aufbau von mehr als 65 Briefkastenfirmen auf den British Virgin Islands half, verwaltet über eine zypriotische Holdinggesellschaft namens Unifirm. Aus diesem Geflecht flossen Millionen an Sergej Roldugin, Cellist und Taufpate von Putins ältester Tochter, den das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) als Schlüsselfigur in einem verdeckten Kreml-nahen Finanznetzwerk identifizierten.

Die Luxemburger Regierung verwies bei Anfragen zu den Pandora Papers auf die „Verantwortlichkeit der Profis aus dem Finanzsektor“. Eine Sondersitzung der parlamentarischen Finanzkommission fand nicht statt.

Die „Nord“ war am Dienstagabendvor der Küste Omans geortet. Ihre ungehinderte Fahrt durch die Straße von Hormus ist kein Zufall: Ein russisch beflaggtes Schiff ist in einer Zone, in der Moskau als Gesprächspartner beider Seiten gilt, für keine Partei ein lohnenswertes Ziel. Mordaschow operiert weitgehend ungehindert. Die EU-Sanktionen, die seinen Namen tragen, haben vor allem eines bewirkt: Er steht nicht mehr auf der Liste von Luxemburgs Honorarkonsulen.

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