Iran-Krieg
Nach Angriff auf Hochzeitsfeier: Teheran wirft den USA „Kriegsverbrechen“ vor
Die Spirale aus Angriffen und Vergeltungsangriffen zwischen den USA und dem Iran dreht sich weiter. Teheran kündigte unterdessen eine neue Kriegsstrategie an – ohne jedoch Details zu nennen.
Dieser Screenshot aus einem Video des iranischen Roten Halbmonds soll die Verwüstung nach einem US-Luftangriff auf eine Hochzeitsfeier zeigen Foto: AFP
Nach einem Angriff auf eine Hochzeitsfeier mit mindestens vier Toten in der Provinz Sirik im Süden des Iran hat Teheran den USA „Kriegsverbrechen“ vorgeworfen. „Die Wahrheit über diesen völkerrechtswidrigen Krieg und das wahre Gesicht des Kriegsverbrechens zeigen sich in Sirik, wo eine Hochzeitsfeier brutal bombardiert wurde“, erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Bakaei, am Mittwoch im Onlinedienst X. Die US-Armee äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall und betonte lediglich, niemals auf Zivilisten zu zielen.
Die USA versuchten verzweifelt, „ihr Scheitern zu vertuschen“, schrieb Bakaei. Der iranische Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte auf X: „Wenn eine Macht sich wie Satan verhält, Ziele wählt wie Satan und tötet wie Satan, dann ist sie Satan.“ Der Begriff „Großer Satan“ für die USA wurde vom Gründer der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Ruhollah Chomeini, im Jahr 1979 geprägt.
US-Armee äußert sich nicht direkt zum Angriff
Der Angriff hatte nach Angaben des Iranischen Roten Halbmonds am Dienstagabend eine Hochzeitsfeier in der Küstenstadt Kuhestak an der Straße von Hormus im Süden des Iran getroffen. Demnach wurden dabei mindestens vier Menschen getötet, darunter ein Kind, nachdem Raketensplitter das Haus getroffen hatten, in dem gefeiert wurde. 68 weitere Menschen seien verletzt worden.
Kurze Zeit später tauchte in Onlinediensten ein Video auf, das Trümmer und Geröll am Ort der Hochzeitsfeier zeigt, während im Hintergrund Schreie zu hören sind. Ein anderes Video zeigt bunte Dekorationen auf dem Boden und Schuhe, die offenbar in dem Chaos zurückgelassen wurden.
In einer anderen Aufnahme hält ein Reporter des iranischen Staatsfernsehens ein verkohltes Metallstück in die Kamera. Dies sei ein Fragment „der amerikanischen Rakete, die eine Hochzeitsfeier in eine Tragödie verwandelt hat“, sagt der Reporter.
In einem von iranischen Staatsmedien verbreiteten Video nennt der Vater der Braut, Ali Mallahi, den Vorfall „ein sehr trauriges Ereignis“. Er wisse nicht, was er sagen solle. „Gott sei Dank waren die Opferzahlen nicht höher“, fügt Mallahi in dem Video hinzu.
Die US-Armee äußerte sich nicht direkt zu dem Angriff. Ein Sprecher des für die Region zuständigen Militärkommandos Centcom erklärte auf eine Nachfrage zu den iranischen Anschuldigungen: „Die US-Armee zielt niemals auf Zivilisten, anders als die iranischen Revolutionsgarden.“
Teheran kündigte neue Kriegsstrategie an
Bei weiteren US-Angriffen im Iran wurden der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge in der südlichen Region Chusestan sieben Menschen getötet und acht weitere verletzt. Die iranischen Revolutionsgarden meldeten zudem vier getötete Mitglieder der Garden in der Provinz Kermanschah. Außerdem seien drei Angehörige von Paramilitärs bei einem US-Angriff auf die Golfinsel Lavan getötet worden.
Teheran kündigte derweil eine neue Kriegsstrategie an. „Ihr werdet bald sehen, dass Irans neue Strategie auf dem Schlachtfeld, in der Diplomatie und angesichts der Wirtschaftsblockade eure Grundfesten erschüttern wird“, schrieb der Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Resaei, auf X. Nähere Angaben machte er dazu nicht.
In der Nacht hatte der Iran seine Vergeltungsangriffe auf US-Ziele in umliegenden Ländern verstärkt. Nach Angaben der iranischen Armee vom Mittwoch wurden militärische Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Kuwait, Bahrain und weiteren Staaten in der Region angegriffen.
Dutzende Angriffsdrohnen hätten etwa Radarsysteme und Positionen der US-Streitkräfte auf den Stützpunkten Al Dhafra und Al Minhad in den Vereinigten Arabischen Emiraten attackiert, hieß es. Auch der Luftwaffenstützpunkt Schaich Isa in Bahrain und US-Stützpunkte in Erbil in der autonomen Region Kurdistan im Irak seien Ziel von Angriffen gewesen. (AFP)
„Trump-Straße“ statt „Straße von Hormus“
US-Präsident Donald Trump erwägt, der Straße von Hormus seinen Namen zu geben. Da die Meerenge „nun unter US-Kontrolle steht, sollten wir die Straße von Hormus in Trump-Straße umbenennen???“, fragte der Präsident am Mittwoch in seinem Onlinedienst Truth Social. Er fügte hinzu, die Wasserstraße wäre dann „wie Amerika selbst ‚heißer‘ denn je zuvor“. Trump hatte in den vergangenen Wochen gedroht, die umkämpfte Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman unter US-Aufsicht zu stellen. Er veröffentlichte sogar eine Karte, auf der die Wasserstraße als „neues US-Territorium“ ausgewiesen ist.
Mit seinen Namensänderungen will Trump Druck ausüben. Vergangene Woche hatte er angeordnet, den Ontariosee im Grenzgebiet zu Kanada wegen eines Handelsstreits mit dem Nachbarland in „Amerikasee“ umzubenennen. Zuvor hatte er bereits den Golf von Mexiko in „Golf von Amerika“ umtaufen lassen. (AFP)