Venezuela

Mütter suchen nach schwerem Erdbeben nach ihren Kindern

Innerhalb einer Minute haben zwei schwere Erdbeben Venezuela erschüttert und mindestens 164 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 970 Menschen wurden nach Angaben von Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez verletzt. Die Übergangspräsidentin rief den Ausnahmezustand aus.

Such- und Rettungsteam bei der intensiven Suche nach vermissten Personen im Wald, Tag für Tag im Einsatz

Die Suche nach Vermissten dürfte Tage in Anspruch nehmen Foto: Federico Parra/AFP

„Antonio, hier ist deine Mama, ich bin hier!“ Die verzweifelten Rufe einer Frau schallen über die Trümmer des 22-stöckigen Wohnhauses in Caracas. Das ganze Gebäude ist durch die schweren Erdstöße am Mittwochabend Ortszeit eingestürzt. Hilflos stehen Nachbarn vor den Überresten, während ein Mann auf dem Schutt herumklettert und immer wieder horchend innehält. „Wir brauchen Taschenlampen“, sagt einer der freiwilligen Helfer, die noch vor dem Eintreffen von Rettungskräften in der Nacht versuchen, Überlebende zu orten.

„Tania, Tania“, ruft jemand anderes vor den Trümmern des Gebäudes, das zum schicken Petunia-Wohnkomplex in der gutbürgerlichen Gegend Los Palos Grandes gehört. Auf der Straße weint ein Mann still vor sich hin.

Gegen 18.00 Uhr Ortszeit haben im Abstand von nur 39 Sekunden zwei schwere Erdstöße der Stärke 7,2 und 7,5 Venezuela erschüttert. Dutzende Gebäude sind eingestürzt oder schwer beschädigt. Die Menschen verbringen die Nacht im Freien, während es laut Interims-Präsidentin Delcy Rodríguez rund 20 Nachbeben gibt. Am stärksten betroffen ist die Region La Guaira westlich der Hauptstadt Caracas. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte ist das zweite Beben mit einer Stärke von 7,5 das stärkste in dem südamerikanischen Land seit mehr als 125 Jahren.

„Wir haben gar nichts mehr“

Nicht weit vom Stadtteil Los Palos Grandes entfernt laufen unter Schock stehende Menschen schreiend aus einem Einkaufszentrum. „Die Treppe brach weg, die ganze Wand bekam Risse, Dinge fielen von der Decke“, schildert die 54-jährige Bankangestellte Odalis Escalona den Moment des Bebens. „Es war einfach schrecklich.“ In der Nähe tröstet Zenia González eine weinende Jugendliche. „Wir haben abgewartet, dass es vorbeigeht, und sind dann die Rolltreppe runtergerannt“, sagt die 52-Jährige. „Wir mussten warten, weil es einfach zu sehr gewackelt hat.“

Im nahegelegenen Wohnviertel La Castellana ist María Romero aus ihrer Wohnung geflüchtet. „Es wackelte wie wild und es klang wie ein dumpfes Grollen“, erzählt die 48-Jährige. „Eine Sekunde lang habe ich überlegt, mich unter den Tisch zu verkriechen, aber dann bin ich lieber schnell rausgerannt.“

In der Küstenstadt Catia la Mar in der besonders betroffenen Region La Guaira steht Larry Rojas fassungslos vor den Überresten seines eingestürzten Hauses. „Wir haben nichts, wir haben gar nichts mehr – nicht einmal die Kraft, da reinzugehen“, sagt der 49-Jährige.

Vor der Ruine eines zwölfstöckigen Gebäudes steht eine Frau und wartet auf Nachricht von ihrer Tochter. „Da drinnen sind Menschen, und niemand kommt, um sie zu retten“, klagt sie.

Zahlreiche Staaten haben Venezuela bereits Hilfe angeboten. Die USA kündigten die sofortige Entsendung von Rettungskräften und Hilfsgütern an. (AFP)

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