Russland
Moskauer Soziologe Konstantin Gaaze: „Es darf niemanden mehr geben, der mit Putin unzufrieden ist“
Seit mehr als zwei Jahrzehnten regiert ein Mann Russland: Wladimir Putin. Doch die Legitimationserzählung seiner Herrschaft hat sich seither mehrfach gewandelt. Ein Gespräch mit dem Moskauer Soziologen Konstantin Gaaze.
Bei der jährlichen Militärparade zum Sieg über Nazi-Deutschland: Der Politiker Putin ist älter geworden, aber sich selbst treu geblieben Foto: AFP/Mikhail Metzel
Bei seinem jüngsten Auftritt am Siegestag zeigte der Kreml-Chef wieder einmal sein angriffslustiges Gesicht. Wladimir Putin holte zum Schlag gegen die äußeren Feinde Russlands aus: „Ein Haufen nicht beseitigter Nazi-Schergen“, eine historische Anspielung auf die Kontrahenten der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg. Gemeint waren heutige osteuropäische Staaten wie die Ukraine und die Baltenrepubliken. Man kennt die prägnanten Formulierungen Putins, die er in mehr als zwei Jahrzehnten an der Macht immer wieder publikumswirksam eingesetzt hat. Der Politiker Putin ist älter geworden, aber sich selbst treu geblieben. Was sich hingegen gewandelt hat, ist die ideologische Unterfütterung seiner Herrschaft. Der Putinismus hat über die Jahre sein Gesicht verändert.