Iran droht mit „Hölle“
Kurz vor Auslaufen der Waffenruhe ist Fortsetzung der Verhandlungen ungewiss
Kommt es zu neuen Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA? Die Ungewissheit ist groß. Dabei drängt die Zeit angesichts des Auslaufens der Waffenruhe.
Polizeibeamte stehen an einem Kontrollpunkt auf einer Barrikade Wache, um die Sicherheit vor der zweiten Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran zu gewährleisten Anjum Naveed/AP/dpa
Kurz vor dem Auslaufen der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA ist eine Fortsetzung der Verhandlungen ungewiss. Zwar soll sich US-Vizepräsident JD Vance nach Medien-Angaben für eine Reise in die pakistanische Hauptstadt Islamabad bereithalten. Aber eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht. Auch von iranischer Seite fehlten eindeutige offizielle Signale für eine Dialogbereitschaft. Die 14-tägige Waffenruhe läuft in der Nacht zum Donnerstag mitteleuropäischer Zeit ab.
US-Präsident Donald Trump hat Teheran unterdessen vorgeworfen, die Feuerpause wiederholt missachtet zu haben. „Der Iran hat die Waffenruhe mehrfach verletzt!“, schreibt Trump in einem neuen Post auf Truth Social. Details nannte der US-Präsident nicht; sein Post umfasste nur diesen einen Satz. Trump hatte zuvor gesagt, er halte eine Verlängerung der Waffenruhe mit dem Iran für „sehr unwahrscheinlich“, sollte es vor deren Ablauf keine Vereinbarung mit Teheran geben.
Irans Militär zeigte sich bereit für eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen. Das Militär sei einsatzbereit und werde sich nicht überraschen lassen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, Sprachrohr der mächtigen Revolutionsgarden. Neue Ziele seien für eine Rückkehr zum Krieg identifiziert worden. Vom ersten Moment der Wiederaufnahme von Angriffen werde man eine „Hölle“ für die Amerikaner und Israelis schaffen, hieß es.
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, gab sich dem Sender Fox News gegenüber zuversichtlich, dass die USA ein „wirklich gutes Abkommen“ schließen würden. Die USA stünden kurz vor einer Einigung, sagte Leavitt weiter.
Trump: Stehe unter keinerlei Druck
Im Fall des Ablaufens der Waffenruhe hatte Trump erneut mit zerstörerischen Angriffen gedroht. Wegen der verfahrenen Lage insbesondere in der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus waren die Ölpreise zuletzt wieder deutlich gestiegen. Auch in den USA ist Tanken so teuer wie seit Jahren nicht - im Wahljahr ein heikles Thema für Trump. Der US-Präsident demonstrierte dennoch Gelassenheit: Er stehe unter keinerlei Druck, einen Deal zu erzielen, schrieb er auf Truth Social.
US-Seeblockade Hindernis für Verhandlungen
Am Wochenende hatte der Konflikt um die Straße von Hormus die Spannungen verschärft. Der Iran verkündete am Freitag die Öffnung der Meerenge, nahm diese aber am Samstag wieder zurück. Nach Angaben des US-Militärs haben die USA seit Beginn ihrer eigenen Blockade inzwischen 27 Schiffe angewiesen, umzukehren oder in einen iranischen Hafen zurückzukehren.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete nun, eine Teilnahme an dem „von den USA inszenierten Schauspiel“ sei unter anderem an die Aufhebung der Seeblockade in der Straße von Hormus gebunden. Auch aus pakistanischen Sicherheitskreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, dass die US-Seeblockade zurzeit eine zentrale Hürde ist.
Drohungen am Kriegsschauplatz Libanon
Vor neuen Gesprächen Israels und des Libanons in Washington hat der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erneut mit der Tötung des Hisbollah-Chefs gedroht. Naim Kassim werde „mit seinem Kopf bezahlen“, sagte Katz nach Medienberichten.
Auch während einer Waffenruhe bleibe die Entwaffnung der libanesischen Hisbollah-Miliz das übergreifende Ziel, sagte der Minister nach Angaben des Nachrichtenportals „ynet“. Die Hisbollah habe Israel „im Dienste ihrer iranischen Herren angegriffen“ und werde dafür den Preis zahlen.
Die Gespräche auf Botschafterebene zwischen Israel und dem Libanon werden laut einem Sprecher des US-Außenministeriums am Donnerstag in Washington fortgesetzt.