Frankreich

Kommunen klagen über steigende Kosten durch Waldbrände

Waldbrände kosten Frankreichs Gemeinden Millionen. Neben Lösch- und Wiederaufbauarbeiten belasten auch langfristige Schäden an Umwelt, Infrastruktur und Wirtschaft die Kommunen.

Eine Luftaufnahme von verbrannter Erde und Wald

Eine Luftaufnahme von verbrannter Erde und Wald Foto: Baz Ratner/Pool AP/dpa

Verpflegung für hunderte Feuerwehrleute, wegfallende Tourismus-Einnahmen, Reparatur von Häusern und Stromleitungen, Wiederaufforstung zerstörter Wälder – Waldbrände sind mit zahlreichen Kosten verbunden. Infolge der sich verschlimmernden Klimakrise und zunehmender Hitzewellen können davon zahlreiche Gemeinden in Frankreich ein Lied singen. Mindestens 120.000 Hektar brannten seit Beginn dieses Sommers bereits nieder – und auch für die kommenden Jahre müssen sie sich auf folgenschwere Wald- und Buschbrände einstellen.

Die Folgen kommen oft später

Jérémy Giuliano, Bürgermeister von Val im südöstlichen Département Var, beziffert allein die gegenwärtigen Ausgaben zur Verpflegung und Unterbringung von 500 Feuerwehrleuten mit 10.000 bis 20.000 Euro pro Tag. Die Einsatzkräfte sind da, um gegen den am längsten dauernden Waldbrand in Var überhaupt zu kämpfen. Ein solcher Einsatz und die damit verbundenen Kosten könnten „mehrere Wochen dauern“, schildert der Bürgermeister.

Auf die Kosten für den Löscheinsatz kommen die für den Wiederaufbau noch oben drauf. In manchen französischen Kommunen verschlingt die Reparatur der Wasserversorgung mehrere Millionen Euro.

Und es gibt Waldbrandfolgen, die erst nach Monaten offenkundig werden. „Ein verlorener Wald bedeutet ein Rieselwasser-Risiko, also Überschwemmungen, und damit eine zweite Krise im Herbst, mit der wir umgehen müssen“, sagt Lokalpolitiker Giuliano. Außerdem führe die Zerstörung von Wäldern zu geringerer Wasserqualität.

Coustouge kämpft seit einem Jahr

Die winzige südfranzösische Gemeinde Coustouge hat heute noch mit den Folgen eines riesigen Feuers zu kämpfen, das vor einem Jahr den gesamten 130-Einwohner-Ort erfasste. „Wir waren von der Welt abgeschnitten. Es war die Apokalypse“, erinnert sich Bürgermeister Paul Berthier angesichts zerstörter Strom- und Kommunikationsleitungen. Damals brannten einige Häuser nieder, aber vor allem Heideland, Nadelbäume und Weinberge von Coustouge.

„Wenn die Landschaften deiner Kindheit in Rauch aufgehen, ist das unersetzlich“, sagte Berthier. Nun denkt seine Gemeinde über eine unterirdische Verlegung der Stromleitungen und eine gestrüppfreie Pufferzone rund um den Ort nach.

Bürgermeister fordern mehr Unterstützung

Sébastien Leroy vom Verband der Bürgermeister in Frankreich kritisiert, dass es an staatlichen Mitteln zur Bewältigung der Waldbrandschäden mangele. Nicht alles, was in Flammen aufgehen kann, könne auch versichert werden und ein Waldbrand behindere zusätzlich die Wirtschaft.

Bürgermeister Cédric Clemente aus dem südöstlichen Département Gard findet, dass die Unterstützung der französischen Regierung und der EU nicht ausreicht für eine Waldpflege, die dem Ausbruch von Bränden vorbeugt.

Verlust von Wäldern „unmöglich zu beziffern“

Der Gemeindeverband Communes forestières France kritisiert die mangelnden Investitionen als kurzsichtig. Schließlich spare jeder in den Waldbrandschutz investierte Euro durch Brände entstehende Wiederaufbaukosten ein. Und sowieso sei der Verlust von Wäldern, „die CO2 speichern und das Klima regulieren, unmöglich zu beziffern“.

Die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Kosten durch Waldbrände bereiten den französischen Département-Verwaltungen Kopfzerbrechen. Die Ratsvorsitzende des südlichen Départements Aude, Hélène Sandragné, sah sich diesen Sommer gezwungen, 400.000 Euro für die Anmietung eines Löschhubschraubers auszugeben. Eigentlich hält sie den Kauf derartiger Maschinen für nötig, „weil ein Feuer früher 24 Stunden dauerte“, die Waldbrände heute aber länger wüteten. Sie seien „von einer beispiellosen Kraft“.

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