Staatsbegräbnis
König Harald wurde in Oslo tränenreich verabschiedet
Zehntausende Menschen begleiten in Oslo die letzte Reise des geliebten Königs Harald. Auch Großherzog Guillaume erweist ihm die letzte Ehre.
Der Sarg des norwegischen Königs Harald V. wird im Rahmen eines Trauerzuges vom Königspalast zur Osler Domkirche überführt. Foto: Cornelius Poppe/NTB Scanpix/AP/dpa
Es war ein Tag der Andacht, der Emotionen und der liebevollen Erinnerungen an ein großes Leben: Angeführt vom neuen König Haakon VIII. und begleitet von hochrangigen internationalen Gästen wie dem britischen Thronfolger Prinzen William und Großherzog Guillaume hat das Königreich Norwegen Abschied von seinem langjährigen Staatsoberhaupt König Harald V. genommen.
Nach einem Trauerzug im Schritttempo traf Harald am Nachmittag an seiner letzten Ruhestätte in der Schlosskirche der Festung Akershus ein. Im königlichen Mausoleum sollte Harald kurz darauf beigesetzt werden. Die eigentliche Beisetzung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – in einer privaten Zeremonie für die Königsfamilie sowie royale Gäste und andere staatliche Würdenträger.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB standen zuvor rund 53.000 Menschen an den Straßen, als der Sarg mit dem Monarchen in den Mittagsstunden zunächst vom Königsschloss zu einem Trauergottesdienst im Dom der norwegischen Hauptstadt gefahren wurde. Bei der Prozession folgten hinter der norwegischen Königsfamilie einige der höchsten Vertreter anderer Monarchien sowie mehrere Staats- und Regierungschefs.
Støre: Harald gab alles für Norwegen
„Wir sind zutiefst dankbar für 35 Jahre mit König Harald als König von Norwegen – aber vor allem für die Art und Weise, wie er das gewesen ist“, sagte Ministerpräsident Jonas Gahr Støre in seiner Trauerrede über den volksnahen Monarchen. Harald habe mit den Norwegern gejubelt, aber auch getrauert – Letzteres etwa nach den rechtsterroristischen Anschlägen im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011.
„König Harald hat alles für Norwegen gegeben“, sagte Støre. „Im Namen des norwegischen Volkes sage ich: Danke für alles.“ Dann wandte sich der Regierungschef dem neuen König Haakon zu, um zu ergänzen: „Lang lebe der König.“
Seine Frau dankt ihm mit emotionalen Worten
Während des Gottesdienstes mussten sich Haakons Frau, Königin Mette-Marit, und Kronprinzessin Ingrid Alexandra zwischenzeitlich Tränen aus den Augen wischen. Auch Haralds Gattin, Königin Sonja, rang mit den Tränen. „Danke für ein gutes Leben“, stand in der Kirche auf ihrem Trauerkranz. Haakon, Mette-Marit und die Kinder Ingrid Alexandra, Prinz Sverre Magnus und Marius Borg Høiby wählten ein einziges Wort, das auf ihrem Kranz stand: „Takk“ – Danke.
König Harald war am 28. August im Alter von 89 Jahren gestorben. Er war mehr als 35 Jahre lang Staatsoberhaupt des wohlhabenden skandinavischen Landes gewesen. Sein Sohn Haakon wurde im Moment des Todes zum neuen König. Wenige Tage später legte der 53-Jährige im Parlament von Oslo auch den Eid auf die Verfassung ab.
Großherzog Guillaume schreitet hinter dem Sarg her
Die Trauer um Harald erreichte mit dem Staatsbegräbnis ihren vorläufigen Höhepunkt - und zahlreiche hohe Gäste erwiesen Harald die letzte Ehre: Hinter Haakon, Ingrid Alexandra, Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise sowie einem Wagen mit Mette-Marit und Sonja folgten Ehrengäste aus dem Ausland in langsamem Tempo dem Sarg.
Neben Prinz William war die Schwester von König Charles III., Prinzessin Anne, zu sehen – sie ist auch Haakons Patentante. Neben ihnen gingen unter anderem Schwedens König Carl XVI. Gustaf, Spaniens Staatsoberhaupt König Felipe VI. und der König der Niederlande, Willem-Alexander. Darunter befanden sich auch Großherzog Guillaume, seine Frau Stéphanie und Großherzog Henri.
Hinter den Königlichen reihten sich Staats- und Regierungschefs wie Selenskyj ein.

Großherzog Guillaume und Großherzogin Stéphanie schreiten während der königlichen Prozession mit Foto: AFP
König Harald war für junge Norweger stets ein Vorbild
Harald galt beim norwegischen Volk als überaus beliebt, gerade auch bei der jüngeren Generation. „Er ist für mich nicht nur der einzige König gewesen, den ich bislang gehabt habe. Ich habe auch zu ihm aufgeschaut“, sagte der Student Gabriel Wiedemann aus Oslo. Es sei daher sehr wichtig für ihn, an diesem Tag seine Unterstützung zu zeigen. „Dieser Tag wird etwas sein, das wir in Erinnerung behalten werden“, sagte der 25-Jährige.
„Für mich, meine Kinder und die ganze Familie ist er von großer Bedeutung“, sagte auch die Norwegerin Kari Grimholt. Harald werde immer einen besonderen Platz in ihren Herzen haben.
Die Beliebtheit des langjährigen Staatsoberhauptes zeigte sich seit seinem Tod unter anderem auch daran, wie viele Blumen und Karten vor dem Osloer Königsschloss niedergelegt wurden. „Man sieht einfach, wie sehr die Leute ihn gemocht haben, geschätzt haben, und wie greifbar die ganze Monarchie einfach ist“, sagte die Touristin Julia Knoll aus Kleve am Niederrhein.
Zu sehen, wie Menschen aus aller Welt hier zusammenkommen, sei sehr besonders, erzählte auch die Norwegerin Ingrid Marijke Biermann, die den Trauerzug am Schloss mitverfolgte. Auch nach seinem Tod habe Harald viele Menschen in friedlicher Stimmung zusammengebracht.