München
Iran-Demo, Nawalny-Enthüllung, Kritik an den USA: Das waren Schlaglichter der MSC 2026
Über die Elefanten im Raum reden – mit dieser englischen Redensart warben die Organisatoren für die 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC).
Der deutsche Kanzler Friedrich Merz eröffnet die 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Zu den sicherheitspolitischen Gesprächen vom 13. bis 15. Februar 2026 waren Staats- und Regierungschefs sowie Außen- und Verteidigungsminister aus aller Welt angereist. Foto: AFP
In diesem Jahr beherzigten dies mehrere prominente Redner, unter anderem der deutsche Kanzler Friedrich Merz (CDU) und US-Außenminister Marco Rubio. Am Rande der MSC demonstrierten 250.000 Menschen für ein Ende der Islamischen Republik im Iran. Europäische Laboranalysen belegten, dass der russische Oppositionelle Alexej Nawalny in russischer Haft vergiftet wurde. Ein Überblick:
Merz geht auf Distanz zur Trump-Bewegung
Friedrich Merz gilt als inniger Freund der USA, der zum MSC-Auftakt zu folgendem Schluss kam: „Zwischen Europa und den Vereinigten Staaten hat sich eine Kluft, ein tiefer Graben aufgetan“, sagte der Kanzler. Über die von US-Präsident Donald Trump dominierte Bewegung MAGA (Make America Great Again) sagte Merz: „Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung ist nicht unserer.“ Zugleich übte der Kanzler Selbstkritik. Die „Unmündigkeit“ Europas gegenüber den USA sei „selbstverschuldet“ gewesen. Washington bot er an, das „transatlantische Vertrauen zu reparieren“ – wies aber auch darauf hin, dass Europa und die USA künftig „öfter über den richtigen Weg verhandeln und vielleicht sogar streiten müssen“.
Pistorius wirft den USA Schädigung der NATO vor
„Realistischer und pragmatischer Optimismus“, so beschrieb Verteidigungsminister Pistorius seinen Blick auf den Stand der Beziehungen zu Washington. Pistorius appellierte an die Europäer, auf „Selbstzufriedenheit“ zu verzichten und verwies auf die „drastisch“ gestiegenen Verteidigungsausgaben Deutschlands. Der Trump-Regierung warf er vor, mit ihren Expansionsgelüsten in Richtung Grönland und ihrer Ukraine-Verhandlungsstrategie die Allianz geschwächt zu haben: „Die territoriale Integrität und Souveränität eines NATO-Mitgliedstaates infrage stellen. Europäische Verbündete von Verhandlungen ausschließen, die für die Sicherheit auf dem Kontinent von entscheidender Bedeutung sind. All dies schadet unserem Bündnis und stärkt unsere Gegner.“ So deutlich formulierten es europäische Spitzenpolitiker selten.
Rubio umschmeichelt die Europäer
Ein „Seufzer der Erleichterung“ sei gerade durch den Saal gegangen – so drückte es MSC-Chef Wolfgang Ischinger nach der Rede des US-Außenministers aus. Marco Rubio hatte gerade die historischen Beziehungen zwischen den USA und Europa gewürdigt, von der Musik Mozarts und dem Kölner Dom geschwärmt, von den gemeinsamen kulturellen Wurzeln im Christentum und der Aufklärung. „Wir wollen keine Trennung, sondern eine alte Freundschaft wiederbeleben“, sagte Rubio.
Ein deutlich anderer Ton als ein Jahr zuvor, als US-Vizepräsident JD Vance Europa wegen angeblich mangelnder Meinungsfreiheit attackiert und gefragt hatte, ob Europa und die USA überhaupt noch dieselben Werte teilten. Rubio umarmte die „europäischen Freunde“ verbal. Aber im Kern verband er das mit ähnlichen Forderungen wie Vance: Europa müsse stolz sein „auf sein Erbe und seine Geschichte“, irreguläre „Massenmigration“ entschlossener bekämpfen und mit den USA an einer Reform der internationalen Institutionen arbeiten. Es war eine harte Umarmung, ein Lockruf an die Europäer, sich den USA unter Trump in wichtigen Fragen anzuschließen.
Eine Viertelmillion gegen die Islamische Republik
In seiner Heimat Iran gilt Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, den Behörden der Islamischen Republik als Staatsfeind. Bei der MSC spielte er eine zentrale Rolle. In einem Interview vor Publikum mit der iranischstämmigen CNN-Moderatorin Christiane Amanpour rief er US-Präsident Trump auf, dem iranischen Volk zu „helfen“.
Am Samstag trat der 65-jährige Pahlavi zwei Kilometer Luftlinie vom Tagungshotel entfernt auf eine Bühne auf der Theresienwiese, vor ihm rund 250.000 Gegner der Ayatollah-Führung in Teheran – und bot sich als Übergangsfigur hin zu einer „säkularen, demokratischen Zukunft“ des Iran an. Nach ihm trat Lindsey Graham auf die Bühne, republikanischer US-Senator, dem erheblicher Einfluss auf Trump nachgesagt wird. „Hilfe ist unterwegs“, rief Graham den Demonstranten zu. Die gleichen Worte hatte Trump vor gut einem Monat im Onlinedienst Truth Social an die Regierungsgegner im Iran gerichtet.
Laboranalysen enthüllen Nawalnys Vergiftung
Wie schon 2024 berührte auch in diesem Jahr das Schicksal des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny die MSC. Vor zwei Jahren war seine Frau Julia Nawalnaja vor die Konferenz getreten – kurz, nachdem der Tod ihres Mannes in einem sibirischen Straflager bekannt geworden waren.
Nun verwiesen fünf Staaten während der MSC auf Beweise für eine Vergiftung des Kreml-Kritikers in russischer Haft: In aus Russland geschmuggelten Gewebeproben von Nawalnys Leichnam wiesen Labore Epibatidin nach, das Gift in südamerikanischen Pfeilgiftfröschen. Es kann nach britischen Angaben auch synthetisch hergestellt werden.
„Nawalny verstarb in Haft, Russland hatte also die Mittel, ein Motiv und die Möglichkeit, ihm das Gift zu verabreichen“, hieß es in der Erklärung der fünf europäischen Staaten. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte, es sei von einem „staatlich begangenen Mord“ auszugehen. Julia Nawalnaja sagte, aus ihrem Mordvorwurf gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin seien nun „wissenschaftlich bewiesene Tatsachen“ geworden.