Angst vor Eskalation

Huthi-Rebellen bringen in Blitzoffensive jemenitische Westküste unter Kontrolle

Die Huthi-Miliz gräbt sich wohl an der wichtigen Meerenge Bab al-Mandab ein. Saudi-Arabien warnt vor einer Geiselnahme der Weltwirtschaft – und wartet bislang vergebens auf Hilfe aus den USA.

Huthi-Kämpfer feuern während eines Gefechts mit von Saudi-Arabien unterstützten Streitkräften im Osten der Provinz Jawf im Jemen eine auf einem Pick-up montierte Waffe

Huthi-Kämpfer feuern während eines Gefechts mit von Saudi-Arabien unterstützten Streitkräften im Osten der Provinz Jawf im Jemen eine auf einem Pick-up montierte Waffe Foto: Uncredited/Ansar Allah Media Office/AP/dpa

Die jüngsten Ereignisse auf der Arabischen Halbinsel schüren Ängste vor einer Eskalation mit unüberschaubaren Folgen für den Welthandel. Der UN-Sicherheitsrat tagte bereits in einer zweiten Dringlichkeitssitzung zu den Entwicklungen im Jemen. Durch den Konflikt dort wurden seit Anfang des Monats UN-Schätzungen zufolge bereits mehr als 125.000 Menschen zur Flucht gezwungen.

Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hatte in einer Blitzoffensive in der vergangenen Woche die gesamte Westküste des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und strategisch gelegene Inseln erobert. Sie hat damit praktisch uneingeschränkten Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Durch diesen Wasserweg führt die wichtigste Schifffahrtsroute zwischen Europa und Asien.

Hat die Huthi-Offensive das Blatt für Teheran gewendet?

Die Huthi bauen nach dpa-Informationen inzwischen ihre Stellungen um die Meerenge aus. Wie eine den Streitkräften der international anerkannten Regierung nahestehende Quelle mitteilte, hoben die Rebellen etwa Gräben aus, um die kürzlich eroberten Gebiete an der Rotmeerküste zu verteidigen. Auch von Minen war die Rede; ob von Seeminen oder Landminen, blieb jedoch unklar.

Riad warf den Huthi am Dienstag (US-Ortszeit) im UN-Sicherheitsrat vor, mit dem Zugriff auf die Meerenge die internationale Gemeinschaft und die Weltwirtschaft in Geiselhaft nehmen zu wollen, und forderte eine geschlossene Reaktion. China rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Die USA beschuldigten den Iran, die Huthi mit Geld sowie Waffen zu unterstützen und mit Vorgaben zu lenken.

Ob der Iran sein Ziel damit erreiche, die anderen Golfstaaten für eine Nachkriegsordnung für die Straße von Hormus zu gewinnen – oder ob weitere Staaten in den Konflikt hineingezogen würden, bleibe abzuwarten, sagte der Nahost-Experte und Islamwissenschaftler Simon Wolfgang Fuchs von der Hebräischen Universität in Jerusalem im dpa-Gespräch.

Huthi-Angriff auf die heilige Stadt Mekka?

Die mit Teheran verbündete Huthi-Miliz beschießt im Zuge der Eskalation des Jemen-Kriegs auch wieder verstärkt Ziele im benachbarten Saudi-Arabien. Das sunnitische Königreich ist mit der international anerkannten Regierung im Jemen verbündet und bombardiert die schiitische Miliz, die seit Jahren die Hauptstadt Sanaa und weitere Gebiete kontrolliert.

Die saudi-arabische Luftabwehr fing nach Militärangaben nahe der für Muslime heiligen Stadt Mekka eine Huthi-Drohne ab. Das unbemannte Flugobjekt wurde demnach im Süden der Stadt zerstört. Turki al-Maliki, der Sprecher des von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnisses, das im Jemen an der Seite der Regierung gegen die Huthi-Miliz kämpft, bezeichnete den Angriff auf der Plattform X als „schändliche Tat“. Empörung kam auch vom pakistanischen Regierungschef Shehbaz Sharif, der den angeblichen Drohnenangriff auf Mekka als „feige und niederträchtig“ kritisierte.

Fuchs warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. „Die Huthi haben keinerlei Interesse, die heiligsten Stätten des Islams absichtlich zu treffen. Vielmehr ist Saudi-Arabien gerade händeringend auf der Suche nach Bündnispartnern, um sich den Huthi entgegenzustellen“, sagte der Professor. Da komme der Aufschrei, Mekka selbst sei in Gefahr, gerade recht. Trotzdem werde das kaum ausreichen, um Ägypten, Pakistan oder die Türkei zu einer militärischen Intervention zu bringen.

Huthi wollen F-15-Kampfjet abgeschossen haben

Die Huthi warfen Saudi-Arabien vor, allein in dieser Woche mehr als 450 Luftangriffe im Jemen geflogen zu haben. Bei Angriffen mit Kampfjets vom Typ F-15 und Eurofighter seien auch Zivilisten verletzt und getötet worden, Zahlen nannte der Sprecher jedoch nicht. Ein saudischer F-15-Kampfjet sei abgeschossen worden, eine Bestätigung aus Riad gab es dafür zunächst nicht.

Saudi-Arabien wird teils auch aus dem nördlichen Nachbarland Irak angegriffen. Hinter diesen Attacken werden schiitische Milizen vermutet, die ebenfalls vom Iran unterstützt werden. Sie wähnt Riad auch hinter einem Angriff auf die wichtige Ost-West-Pipeline in der vergangenen Woche. Über die mehr als 1.200 Kilometer langen Röhren können pro Tag bis zu sieben Millionen Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Litern) aus der Region am Persischen Golf zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer gepumpt werden.

1 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 16.09.202619:41 Uhr

Vielleicht begreift auch Saudi-Arabien endlich, dass auf Trump eben kein Verlass ist. Der Schlamassel, Bab al-Mandab und Hormus verdankt, die ganze Welt eben nur Trump und Netanyahus Krieg gegen den Iran........

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