Technologie
Günstige Intelligenz: Chinas KI-Konkurrenz setzt US-Firmen unter Preisdruck
Künstliche Intelligenz (KI) liegt in China voll im Trend – so sehr, dass Barbesucher in Peking mitunter schon mit kostenlosem Zugang zum chinesischen Modell Deepseek umworben werden. Für die US-Schwergewichte der KI-Branche wird der Wettbewerb durch die Konkurrenz aus der Volksrepublik derweil härter.
Kostenlose KI und wenig Bier im Glas: Die AGI Bar in Peking lockt Kunden mit Gratis-Zugang zu Deepseek Foto: AFP/Pedro Pardo
In der Pekinger AGI-Bar dreht sich alles um KI: Die Wände sind mit den Logos chinesischer Forschungslabore und Startups dekoriert. Unter den Gästen des im vergangenen Sommer eröffneten Lokals sind auch viele Entwickler: angelockt von kostenlosen Token – der Einheit, mit der bei intensiver Nutzung von KI-Modellen die vom Nutzer eingegebenen Prompts sowie die daraufhin von der Maschine erzeugten Outputs abgerechnet werden.
Relevant ist dies nicht unbedingt für diejenigen, die gelegentlich mit großen Sprachmodellen plaudern oder ein Flatrate-Abonnement bei einem KI-Anbieter haben, das bei übermäßiger Nutzung dann womöglich kurzzeitig gedrosselt wird. Für Unternehmen hingegen oder andere Vielnutzer sind Token inzwischen eine Art Währung des KI-Zeitalters geworden.
Und in der AGI-Bar – eine Anspielung auf den Begriff „Artificial General Intelligence“, also zukünftige KI-Tools, die in Sachen Intelligenz womöglich den Menschen überflügeln – gibt es diese gratis: „Es ist üblich, dass Bars kostenloses WLAN anbieten, also biete ich kostenlose Token an“, sagt Barbesitzer Song De.
US-Anbieter senken Preise
Wer in der Bar im Pekinger Tech-Viertel Zhongguancun indes den AGI-Hausdrink ordert, bekommt ein Glas, das fast nur mit Bierschaum gefüllt ist – eine ironische Anspielung auf den teils überschäumenden Hype, der die gesamte Branche schon seit geraumer Zeit begleitet und bisweilen gar Befürchtungen weckt, übertriebene Erwartungen könnten sich in Luft auflösen.
Unter Erwartungsdruck stehen dabei insbesondere die US-Platzhirsche der Branche, die gigantische Summen investiert haben und zugleich ihre Rentabilität unter Beweis stellen müssen. Dass es vermehrt nun auch leistungsstarke und außerdem kostengünstige chinesische KI-Modelle gibt, zwingt einige von ihnen bereits, ihre Preise anzupassen. So hat der ChatGPT-Entwickler OpenAI die Preise für sein Modell Luna zuletzt um 80 Prozent gesenkt und Anthropic, der Entwickler von Claude, hat ein Modell vorgestellt, das seinem leistungsstärksten System nahekommen soll, aber nur halb so viel kostet.
Gewinne aufweisen, Investoren beruhigen
Im Gegensatz dazu hat der chinesische Marktführer Deepseek am vergangenen Donnerstag eine Erhöhung seiner Preise für Entwickler angekündigt. Auch künftig werden sie allerdings unter denen der US-Konkurrenz liegen. Als ernst zu nehmende Akteure haben sich zudem chinesische Modelle wie Kimi K3 von Moonshot AI oder die Qwen-Reihe von Alibaba etabliert.
Analyst Jack Gold von J. Gold Associates hebt hervor, dass sich die beiden US-Unternehmen OpenAI und Anthropic auf einen Börsengang vorbereiteten und deshalb gezwungen seien, Gewinne auszuweisen, um Investoren zu beruhigen. „Ich zögere, von einem Preiskampf zu sprechen, da wir noch nicht ganz so weit sind“, sagt er. „Aber es handelt sich eindeutig um einen Preiswettbewerb, um mehr Nutzer anzuziehen.“
Gold verweist zudem darauf, dass sich auch mit älteren und weniger leistungsfähigen Modellen viel erreichen lasse – und außerdem würden die Unternehmenskunden mit spitzem Stift rechnen. „Sie sagen: KI-Agenten sind großartig, aber ich kann nicht das Doppelte des Gehalts eines Mitarbeiters für KI ausgeben“, erklärt er.
Preiswettbewerb verschärft sich in den USA
Den Preiswettbewerb verschärfen derweil auch US-Anbieter wie xAI von Elon Musk, der die Preise für bestimmte Grok-Modelle zuletzt senkte, während die Facebook-Mutter Meta eine kostengünstige Option namens Muse Spark 1.2 auf den Markt brachte.
Für Leo Feng, Gründer des chinesischen Unternehmens Cola.APP, sind diese Preissenkungen „ein unvermeidbarer Trend“ für all diejenigen, die etwas anderes als die renommiertesten Spitzenmodelle verkaufen. „Die eigentliche Ursache ist der rasante technologische Fortschritt“, erklärt er. Die Preissenkungen wiederum könnten „einen Boom bei nachgelagerten Anwendungen auslösen“, die sich schnell und kostengünstig programmieren lassen.
Max Liu, Mitgründer der Plattform LobeHub, ist der Auffassung, dass „die kostengünstigste Form der KI in Zukunft in China zu finden sein wird“. Dies werde auch die USA „mit Sicherheit dazu bewegen, denselben Weg einzuschlagen“, zeigt er sich überzeugt. „Je günstiger die KI ist, desto besser.“ (AFP)